Ein luftiges Gefühl: Designer pumpt seine Hosen auf

Johannes Giesler
Freier Autor

Wer Witze machen möchte: gern. Der Designer, der Latex-Hosen mit Luft vollpumpt, hat in den vergangenen Tagen vermutlich schon jeden Spruch gelesen. Denn seine Kollektion geht gerade viral. Was aber hat sich der junge Mann eigentlich dabei gedacht?

Was hier gleich über den Catwalk läuft - oder besser: schwebt - haben die Leute so noch nicht gesehen. Die aufblasbaren Hosen eines Jungdesigners sind gerade zum Internetphänomen geworden. (Symbolbild: Thomas Barwick/Getty Images)

Es darf gerne ein bisschen mehr sein: Immer wieder warten Modeschöpfer und Modeschöpferinnen mit „voluminösen“ Trends auf. Der japanische Designer Tomo Koizumi umwickelte kürzlich eines seiner Models mit einem gerafften, hundert-Meter-langen Polyesteranzug. Am Ende war nur noch der Kopf inmitten eines blauen Flauschballs zu sehen. Oder Pierpaolo Piccioli, der jüngst seinen Models die Schulter so breit ausstaffierte, dass sie nur noch quer durch einen Türrahmen passten. Nun trendet gerade der junge Designer Harikrishnan auf Social-Media mit einer ebenfalls voluminösen Idee: Er bläst Hosenbeine auf.

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Wie The Daily Beast berichtet, ließe sich vieles hineininterpretieren in die „Pumphosen“, dass sie etwa Frauen darin bestärken sollen, mehr Platz zu beanspruchen. Doch abseits dieser gesellschaftlichen Metaebene sehen die Kreationen von Harikrishnan – sie sind Bestandteil seiner Abschluss-Kollektion am London College of Fashion – einfach lustig aus. Fotos davon gingen diese Woche viral auf Twitter und Instagram.

Ein bis zwei Stunden hält die Luft in den Hosenbeinen

Die Hosen bestehen dabei aus Latex und sind an den Knöcheln sehr enganliegend. So kann sie der Designer laut dem Kunstmagazin Deezen mit einer Luftpumpe aufblasen. Pro Beinpaar benötigt das fünf bis sechs Minuten erzählt der 26-jährige Harikrishnan, der aus Kerala in Indien stammt.

„Zuerst zieht man eine enganliegende Schicht an, dann die Hose darüber, die man aufblasen kann. Ist die Luft drin, bewegen sich die Lagen nicht mehr“, erzählt der Designer im Interview mit The Daily Beast. Doch der Stil könnte dann höchstens für ein bis zwei Stunden getragen werden. „Ich würde nicht empfehlen, die Hosen anzuhaben. Dafür sind sie nicht gedacht. Währenddessen kann man aber prima drauf sitzen. Das macht sogar noch mehr Spaß, wenn man sich hinsetzt.“

Der Designer selbst hat seine Hosenkreation noch nie angezogen, er beruft sich deshalb auf seine Models, wenn er das Tragegefühl als „schwebend“ bezeichnet. Doch das will wohl nicht jeder: Während des Castings für seine Abschluss-Show am Fashion-College nämlich konnte ein männliches Model nicht mit der Luft-Hose laufen. Nicht aber, wegen des Schnitts oder der Luft, sondern weil er einfach nicht aufhören konnte, zu lachen.

Latex – raus aus der Schmuddelecke

Anfangs hatte Harikrishnan Sorgen, dass sein gewähltes Material – Latex – seine Entwürfe sexualisieren könnte: „Ich hatte Angst, dass es dem Ganzen einen Fetisch-Vibe geben könnte. Das ist aber zum Glück nicht passiert. Letzten Endes ist die Kollektion sehr spielerisch geworden.“ Auf die Idee sei er hingegen gekommen, als er mit seinem Hund, einem Mops, gespielt habe. „Ich fragte mich, er ist ein sehr kleiner Hund, wie er mich von da unten aus wohl sieht. Ob meine Beine für ihn riesig aussehen? So hat alles begonnen.“

Die geschwungenen Linien entstanden ebenfalls durch eine besondere Inspiration: Während der Recherche zu seiner Kollektion las Harikrishnan viel über optische Illusionen und ihren Einfluss auf die zeitgenössische Kunst. Dabei verliebte er sich, so gibt es The Daily Beast wieder, in die Arbeit von Jean-Paul Goude. Ein französischer Fotograf, der unter anderem das Titelbild des Magazins Paper mit Kim Kardashian verantwortete, das 2014 das Internet auf den Kopf stellte („break the internet“).

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Keine Massenfertigung, höchstens Auftragsarbeiten

Harikrishnan sagt über den Fotografen Goude und dessen Arbeit: „Er feiert die Schönheit des Körpers, verbunden mit der Schönheit der Verzerrung. Davon wurde ich inspiriert. Wer meine Kollektion sieht, der soll von manchen Elementen überrascht werden. Andere Elemente sollen hingegen ein gutes Gefühl vermitteln.“

Noch gibt es seine aufblasbaren Hosen nicht zu kaufen. Einzelanfertigungen würde der Designer jedoch als Auftragsarbeit fertigen. Diesbezüglich habe er auch schon Anfragen bekommen von Musikvideo-Produzenten und Theater-Regisseurinnen. „Noch muss ich aber den Preis festlegen“, sagt er.