Eine Metapher fürs Jahr 2020? Der Weihnachtsbaum am Rockefeller Center sieht anders aus als sonst

Jennifer Caprarella
·Freie Autorin
·Lesedauer: 4 Min.

Normalerweise ist die Ankunft des Weihnachtsbaumes vor dem New Yorker Rockefeller Center eine aufregende Angelegenheit. In dieser Saison bietet die 23 Meter hohe Rotfichte einen ernüchternden Anblick, der irgendwie zum gesamten Jahr 2020 passt.

NEW YORK, NEW YORK - NOVEMBER 14: The Rockefeller Center Christmas Tree arrives at Rockefeller Plaza and is craned into place on November 14, 2020 in New York City.  (Photo by Cindy Ord/Getty Images)
Der Weihnachtsbaum am Rockefeller Center sieht in diesem Jahr etwas zerrupft aus (Bild: Cindy Ord/Getty Images)

Für New Yorker und Touristen der Metropole ist es eines der Highlights der Weihnachts-Saison: Der riesige Christbaum vor dem Rockefeller Center, der Ende November aufgestellt und für die Vorweihnachtszeit mit unzähligen Swarovski-Kristallen und Zehntausenden Lichtern geschmückt wird.

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Seit 1931 besteht diese Tradition bereits, als das Zentrum sich noch im Bau befand und Bauarbeiter Geld für einen Baum zusammenlegten. Und selbst dieses Jahr, in dem die USA und vor allem New York vom Coronavirus geplagt wird und der Tourismus ausbleiben muss, bildet keine Ausnahme. Vor wenigen Tagen zeigte das Rockefeller Center auf Twitter noch ein Bild von der stattlichen, etwa 23 Meter hohen Rotfichte, die für die berühmte Bühne ausgewählt wurde.

Als der Baum schließlich aus Oneonta im Bundesstaat New York in Manhattan ankam, sah er etwas mitgenommen aus. Nachdem ein Kran die Fichte an seinen Platz niedergelassen hatte, wurde schnell klar, dass sie ihre Reise nicht gut überstanden hatte.

Der gesamte Baum hing etwas windschief in seinem Ständer, die unteren Äste sahen kahl und zerzaust aus und schienen in zehn verschiedene Richtungen abzuknicken.

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Ein etwas trister Anblick, der auf Twitter als Metapher für ein besonders beschwerliches Jahr gesehen wurde, in dem die USA von der weltweiten Pandemie, einer nervenaufreibenden Präsidentschaftswahl und politischer Spaltung geprägt war.

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Der diesjährige Rockefeller Weihnachtsbaum, eine Metapher für 2020.

So wie wir alle hat der Rockefeller Weihnachtsbaum im Jahr 2020 wirklich einiges durchgemacht.

Sogar der Rockefeller Center Baum hat genug vom Jahr 2020.

Ganz im Sinne des Jahres 2020 sieht der Rockefeller Christbaum aus, als hätte er sich selbst einen Haarschnitt verpasst.

Kleines Wunder im großen Baum

Das Rockefeller selbst wehrte sich mit einem augenzwinkernden Tweet, in dem es schrieb: “Wow, ihr seht wohl alle toll aus nach einer zweitägigen Autofahrt, was? Wartet nur, bis ich meine Lichter anschalte. Wir sehen und am 2. Dezember wieder.”

Auch wenn der Baum noch nicht sonderlich festlich aussieht, brachte er schon eine eigene kleine Weihnachtsgeschichte mit sich: Aus den Ästen der riesigen Tanne wurde eine winzige Eule gerettet. Der süße Sägekauz hat die Reise von mehr als 270 Kilometern weitestgehend unbeschadet überstanden und wird nun vom Ravensbeard Wildlife Center versorgt.

Getauft wurde der kleine Kauz natürlich auf den Namen Rockefeller. Nachdem die hungrige und durstige Eule aufgepäppelt und untersucht ist, soll sie wieder ausgewildert werden. Bleibt zu hoffen, dass sich die hoffnungsvolle Geschichte von dem winzigen Vogel, der eine dreitägige Reise, eingeengt in einem eingewickelten Baum, heil übersteht, sich ebenfalls als Metapher für 2020 erweist.

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