Entdeckung einer "Geisterpopulation": Wer sind diese archaischen Menschen?

Wissenschaftler haben kürzlich eine "Geisterpopulation" vorzeitlicher Menschen in Westafrika gefunden. Die DNA dieser archaischen Menschen ist in einigen Bevölkerungsgruppen Afrikas bis heute Teil des genetischen Materials. Aber wer waren diese Menschen? Und warum erfahren wir erst jetzt von diesen Vorfahren, die sich offensichtlich mit bekannten Populationen gepaart haben?

Eine Geisterpopulation ist eine Population, deren Existenz nur durch statistische Techniken berechnet wurde. Die Hypothese basiert auf einer DNA-Analyse und Statistiken, es gibt keine fossilen Beweise ihrer Existenz. Wissenschaftler entdeckten Beweise einer "Geisterpopulation" archaischer Menschen, die vor 43.000 Jahren in Afrika gelebt haben müssen. Die modernen Menschen tragen bis heute Gene dieser Population in sich. 

Die Wissenschaftler haben die Genome von westafrikanischen Populationen analysiert. Dabei stellten sie fest, dass 2–9% der genetischen Abstammung auf keine der bislang bekannten frühen Menschenpopulationen passten.

Die Wissenschaftler analysierten 405 Genome von vier westafrikanischen Bevölkerungsgruppen. Wissenschaftler fanden Verknüpfungen zum Stamm der Mende in Sierra Leone. Sie fanden auch eine Verbindung zu den nigerianischen Yoruba und zu einer ethnischen Gruppe im Süden Nigerias, den Esan. Und schließlich gab es auch Ähnlichkeiten mit Menschen in Gebieten im Westen Gambias.

Offenbar gab es neben bislang bekannten Spezies also noch weitere, heute ausgestorbene Spezies. Man muss sich vor Augen führen, dass sich die Menschheit nicht linear nacheinander entwickelte. Verschiedene Spezies existierten gleichzeitig und lebten nebeneinander. Es macht also mehr Sinn, unsere Evolution als eine Art Stammbaum zu betrachten. 

Das hießt auch, dass für viele Jahre unser Planet die unterschiedlichsten Spezies und Subspezies des Menschen beherbergte. Darum ist es eigentlich nicht verwunderlich, dass auch Kreuzungen zwischen den verschiedenen Spezies der archaischen Menschen auftraten, was wiederum zu einer Vermischung der Gene führte – wie eine solche jetzt gefunden wurde. 

Die Wissenschaftler verglichen die Gene mit den Denisovanern, einer Population, die zeitgleich mit den Neandertalern in Asien lebte. Es handelt sich um eine Subspezies der frühen Menschen, die wir nur durch ihre DNA kennen. Sie paarte sich mit ozeanischen Bevölkerungsgruppen. Die Wissenschaftler verglichen die Gene auch mit denen der Neandertaler, unseren engsten ausgestorbenen Verwandten. Sie lebten vor 400.000 bis 40.000 Jahren. Neandertaler haben sich vermutlich mit den frühen Europäern gepaart. Berichten zufolge hat sich diese "Geisterpopulation" von den Vorfahren der Neandertaler und dem modernen Menschen vor etwa 1 Millionen bis 360.000 Jahren abgespalten.

Aber wer waren sie? Die Wissenschaftler schätzen, dass diese Gruppe aus rund 20.000 Individuen bestand. Diese vermehrten sich dann mit den Vorfahren der modernen Westafrikaner, was in den letzten 124.000 Jahren geschehen sein muss. Es ist möglich, dass es noch andere unbekannte, archaische menschliche Spezies gibt.

John Hawks, Anthropologe an der University of Wisconsin-Madison, erklärte: "Wir wissen nicht, wer diese afrikanische Population gewesen sein mag. Man gerät leicht in Versuchung, zu spekulieren. Aber ich kann nur sagen, dass es einfach noch zu früh ist, um etwas mit Sicherheit zu sagen."