Enten füttern: Gute Tat oder Gefahr für die Tiere?

Anna Rinderspacher
Freie Journalistin

Brot an Enten zu verteilen, ist eine langgehegte Tradition. Gerade in öffentlichen Parks sieht man immer wieder, wie Besucher die Tiere anlocken und mit Brot füttern. Doch Tierschutzorganisationen raten davon ab. Wir erklären euch, wieso.

Enten mit Brot zu füttern, ist aus mehreren Gründen schädlich. (Bild: Getty Images)

Ein Schild in einem Park in Großbritannien sorgt derzeit für große Verwirrung bei Tierfreunden. Darauf sind Stockenten zu sehen und folgender Schriftzug: “Es ist in Ordnung, uns mit Brot zu füttern.”

Dieses Schild sorgte bei vielen Besuchern eines Parks für Verwirrung. (Bild: Facebook)

Die Tiere hätten nichts mehr zu essen und würden kläglich verhungern, heißt es weiterhin. Wer das Schild in den Pavilion Gardens in der Ortschaft Buxton aufgestellt hat, ist bislang ungeklärt; die Parkaufsicht will es jedenfalls nicht gewesen sein. Trotzdem sorgt das Schild für große Diskussionen in den sozialen Medien, denn es wirft die alte Frage auf: Soll man Enten mit Brot füttern oder lieber nicht?

Füttern oder nicht füttern, das ist die Frage

Wenn der Mensch ein Tier sieht, will er es oft auch füttern. Schließlich belohnen Tiere den Futtergeber in der Regel mit Aufmerksamkeit – möglicherweise sogar mit Zuneigung. Und das bestärkt natürlich unser Ego. Doch eben dieses menschliche Ego kann den Tieren zum Verhängnis werden. Denn nicht alles, was der Mensch ihnen gibt, ist gut für sie.

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So essen Wasservögel wie Enten und Schwäne in der Regel das, was das Ufer ihnen anbietet: Wasserpflanzen, Samen, die von Bäumen herabfallen oder Weichtiere wie Schnecken oder Würmer, die sich in der Erde finden. Brot hingegen ist nach Aussage des Landesbundes für Vogelschutz in Bayern kein geeignetes Futter. “Es enthält für die Vögel zu viel Salz und Zucker – und es quillt im Magen auf”, erklärt Sonja Dölfel dem “BR”. Je nachdem, welche Menge die Tiere zu sich nehmen, könne das Brot deshalb tödlich für sie sein.

Das Brot versorgt die Tiere nicht mit Nährstoffen

Zwar verschaffe das Brot den Tieren ein Völlegefühl, doch es enthalte nicht die nötigen Nährstoffe, die sie brauchen. Besser wäre es deshalb, sie mit Haferflocken, Körnern oder kleingeschnittenem Obst und Gemüse zu füttern.

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Allerdings bedeutet mehr Futter auch immer mehr Kot. Dieser ist nicht nur unschön anzusehen und verdirbt so manches Picknick am See, er bringt auch das natürliche Gleichgewicht durcheinander, wie das Magazin “Vogel und Natur” aufklärt. Denn wenn dieser, ebenso wie Brotreste, ins Wasser gelangt, bilden sich mehr Algen und Bakterien; die Wasserqualität verschlechtert sich, wodurch Krebse und Fische, also die eigentliche Nahrung der Wasservögel, eingehen. Enten zu füttern kann also einen Teufelskreis auslösen, der die Tiere von der Zufütterung abhängig macht und ihnen ihre natürliche Nahrungsquelle wegnimmt.

In vielen Gemeinden stehen deshalb Bußgelder auf das Füttern von Wasservögeln in Parks. Über die Höhe entscheidet jede Gemeinde selbst. Wer sich selbst und den Tieren einen Gefallen tun will, lässt das Zufüttern deshalb besser ganz bleiben und lässt die Natur ihr eigenes Gleichgewicht finden.

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