Model warnt vor Online-Trend "e-Whoring"

Jennifer Caprarella
·Freie Autorin
·Lesedauer: 4 Min.

Eigentlich würde Jess Davies die Phase in ihrem Leben, in der sie als Erotik-Model gearbeitet hat, hinter sich lassen, doch ihre Bilder wurden von Online-Kriminellen gestohlen und werden bis heute für Catfishing missbraucht. Nun setzt sich die Britin gegen das sogenannte "e-Whoring" zur Wehr und warnt andere vor der Masche.

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Diverse Frauen mit großer Online-Präsenz werden Opfer der Betrugsmasche "e-Whoring" - ein Model spricht nun offen darüber (Symbolbild: Getty Images)

Mittlerweile arbeitet die 27-jährige Jess Davies als Model und Influencerin, doch mit 18 hatte sie ihre Karriere als Erotik-Model begonnen und für ihre Fotos auf Anraten ihres Managers sogar eine eigene Website eingerichtet. Vor rund zehn Jahren - bezogen auf die Entwicklung der Welt des Internets eine halbe Ewigkeit - hatte Davies keine Ahnung, dass jene Bilder noch Jahre später für diverse Betrugsmaschen missbraucht werden würden.  

Fast zehn Jahre ist es auch her, dass Jess Davies erstmals eine Nachricht erhielt, dass jemand ihre Fotos verwenden würde, um sich als sie auszugeben, wie sie der BBC im Rahmen der Doku "When Nudes Are Stolen" schildert. Die Hoffnung, dass es sich um einen Einzelfall handeln würde, bestätigte sich leider nicht: Bis heute bekäme sie nahezu wöchentlich derartige Nachrichten. 

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Das ist "e-Whoring"

"e-Whoring" nennt sich die Praktik, Fotos oder ganze Identitäten von Frauen zu stehlen und für Betrugsmaschen wie Catfishing, bei dem mit falschen Profilen über Dating-Seiten oder Social Media Kontakt zu potentiellen Opfern aufgenommen wird, zu verwenden. "Entweder stellen sie meine gesamte Identität nach oder verwenden meine Fotos unter falschem Namen, und dann nutzen sie diese Profile, um arglosen Männern das Geld aus der Tasche zu ziehen", erklärt Davies die Masche der Online-Betrüger. 

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"Sie finden oft durch umgekehrte Bildersuche heraus, wer ich bin und finden so auch meine echten Social-Media-Profile." So seien auch schon Familienmitglieder auf diesen Fake-Profilen zu sehen gewesen. "Aber eines haben diese Fake-Profile gemeinsam: Es sind fast immer Fotos von mir als Teenager dabei", fügt Davies hinzu. 

Von Instagram und Tinder bis zu Escort- und Porno-Seiten

Während ihrer Zeit als Erotik-Model, habe sie zwar nie vollständig nackt posiert, war oben ohne jedoch in diversen Männermagazinen wie "FHM" oder "Zoo" abgebildet gewesen, die vom Stil und Beliebtheit mit dem hier bekannten "Maxim" vergleichbar sind. Auch online existierten viele dieser Bilder. 

Eine Privatdetektivin namens Laura, die Davies anheuerte, eröffnete ihr schließlich die Abgründe, die das "e-Whoring" bei ihr angenommen hatten. Dass sie auf Tinder als "Khira", auf Instagram als "Andrea" und auf Facebook als "Jasmine" auftauchte, war nichts Neues für sie. Doch Laura zeigte ihr auch eine französische Escort-Website und Porno-Seiten, wo sie mit teilweise sehr extremen Fake-Profilen vertreten war. 

"Ich finde nichts schlimm daran, wenn jemand aus freien Stücken Sex-Chats oder Pornos macht", betont Jess Davies. "Aber ich habe das nie gemacht und auch nie zugestimmt, in so einem Zusammenhang gezeigt zu werden." Sie sei "am Boden zerstört" gewesen, wo ihre Fotos überall auftauchten. 

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Ein nicht enden wollender Kampf

Das Problem scheint unendlich: Sobald Davies gefälschte Profile entfernen lässt, tauchen wieder neue auf. Mithilfe von Laura fand sie heraus, warum und wie sie für "e-Whoring" verwendet wird. Aufgrund ihrer Arbeit als Model und Influencerin seien ihre Online-Profile offen zugänglich, und da eine Mischung aus Alltagsfotos von Hobbies und Freunden sowie freizügigere Bilder von ihr existierten, könnten laut Laura besonders ansprechende Profile daraus erschaffen werden. 

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Sie fand schließlich auch die Seiten, wo die geklauten Bilder von ihr und anderen Frauen "wie Pokemon-Karten" gehandelt würden. Bei einem anonymen Test fragte Davies den Preis für eine ganze Ladung ihrer eigenen Fotos an. Die Antwort: ein Amazon-Gutschein im Wert von 15 Dollar (ca. 12,50 Euro). 

Gegen das "e-Whoring" vorzugehen ist schwierig, denn die Betrüger sind in den gut gesicherten Datennetzwerken schwer zu finden, und Davies kann nur die Fotos aus dem Netz nehmen lassen, zu denen sie die Rechte hat - bei den Bildern, die von einem Profi-Fotografen aufgenommen wurden, ist das oft nicht der Fall. 

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Jess Davies spricht anderen Opfern Mut zu

Stattdessen warnt Jess Davies andere Models vor der Betrugsmasche und ermutigt andere Opfer vor allem dazu, darüber zu sprechen. "Je mehr man über Dinge wie Catfishing, Bildermissbrauch und E-Whoring spricht, desto weniger Scham werden Opfer empfinden, und desto eher werden sie ein solches Verbrechen melden", sagte sie der "Cosmopolitan". 

"Es ist schwer, das zu ertragen, aber nichts davon ist eure Schuld. Selbst, wenn ihr einem Nacktfoto für eine kostenpflichtige Seite zugestimmt habt, habt ihr nur dem und nichts anderem zugestimmt. Ihr selbst seit nicht weiter gegangen, also schämt euch nicht." Auf den einschlägigen Seiten wurde ihr bewusst, dass dies Tausende Frauen betreffen müsse. "Ihr seid nicht allein", versichert sie. "Also solltet ihr euch auch nicht so fühlen müssen." 

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