Corona: Experten besorgt über Ansturm auf Disney World

Style International Redaktion
·Lesedauer: 5 Min.

Seit Samstag ist das Walt Disney World Resort, das von sich behauptet, „der magischste Ort der Welt“ zu sein, offiziell wieder geöffnet. Allerdings ist Florida derzeit eines der Epizentren der globalen Coronavirus-Pandemie. Experten für Infektionskrankheiten und Ärzte sind besorgt, dass sich der Park zu einer Brutstätte für das Coronavirus entwickeln könnte - mit dem Potenzial, das ganze Land zu gefährden.

Disney-Angestellte vor dem Magic Kingdom Park am Samstag vor der Wiedereröffnung. (Bild: David Roark/Walt Disney World Resort via Getty Images)
Disney-Angestellte vor dem Magic Kingdom Park am Samstag vor der Wiedereröffnung. (Bild: David Roark/Walt Disney World Resort via Getty Images)

Am Montag, zwei Tage nach der Wiedereröffnung in Orlando, verkündete Disneyland Hongkong, dass es seine Tore erneut schließen werde. Die Parkbetreiber verwiesen auf die Notwendigkeit, sich nach „den von der Regierung vorangetriebenen Präventionsbemühungen“ zu richten. Trotz dieser Maßnahme und so vielen Fällen wie nie zuvor an einem Tag am Wochenende in Florida, scheint sich Disney World nicht davon abhalten zu lassen, weiter zu öffnen.

Der Schritt wurde unterschiedlich aufgenommen: Manche fordern von den örtlichen Behörden, die Wiedereröffnung zu stoppen. Andere dagegen loben Disney für die verstärkten Vorsichtsmaßnahmen. In einem Dokument, das Yahoo USA vorliegt, führt Disney seine umfangreichen COVID-19-Sicherheitsvorkehrungen aus. Diese umfassen Besucherobergrenzen, physischen Abstand, Temperaturkontrollen, Gesichtsmasken, Händewaschen und Händedesinfektion (an mehr als 4.000 neu installierten Stationen), Plexiglasabtrennungen und verstärkte Reinigung und Desinfektion im Park.

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Obwohl die Maßnahmen lobenswert sind, sagt Dr. Dara Kass, Autorin medizinischer Beiträge für Yahoo USA, dass sie nicht ausreichen, um die Wiedereröffnung zu rechtfertigen. „Disney tut alles, was in seiner Macht steht, um die Sicherheit der Menschen zu gewährleisten, indem es das Tragen von Masken, die Desinfektion der Hände, Vorbestellung per Handy und das Aufstellen von Trennwänden vorschreibt. All dies sind intelligente Lösungen für lokale Unternehmen“, sagt Kass. „Aber das ist kein lokales Geschäft und somit eine Gefahrenquelle für die Menschen, die in einen hochinfektiösen Staat kommen.“

Etwa alle 10 Minuten gibt es im ganzen Park eine Durchsage zu Gesundheit und Sicherheit. Die Gäste werden unter anderem daran erinnert, Abstand zu halten und ihre Masken zu tragen.

Disney World ist mit durchschnittlich 20 Millionen Besuchern pro Jahr tatsächlich der meistbesuchte Vergnügungspark der Welt. Disney selbst veröffentlicht keine Daten, woher die Besucher kommen. Aber eine Untersuchung des Technologieunternehmens Streetlight Data aus dem Jahr 2018 schätzte, dass über 70 Prozent der Besucher von Disney World 100 Meilen (160 km) oder mehr entfernt wohnen und nur 0,5 Prozent in einer Entfernung von bis zu einer Meile (1,6 km) des Parks leben.

Das bedeutet, dass nicht nur die Parkbesucher potenziell gefährdet sind, sondern auch die Menschen in ihren Heimatstaaten.

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„Jetzt laden wir also die Leute nach Florida ein – das derzeit das Epizentrum des Coronavirus weltweit ist – sie verbringen dort drei Tage, fälschlicherweise beruhigt von der Disney-World-Umgebung“, sagt Kass. „In der Zwischenzeit, wenn sie nicht im Park sind, machen sie eine Pause in Restaurants, übernachten in Hotels und dann fahren sie zurück, wo sie hergekommen sind und es wird sich wie Krebs ausbreiten.“

In Interviews mit der New York Times gaben ein paar Parkbesucher an, sie seien aus Birmingham, Ala. und Laurinburg, N.C. angereist, nachdem sie die begehrten Tickets online gekauft hätten (man kann derzeit keine Eintrittskarten direkt vor Ort kaufen). In anderen Beiträgen wurden Besucher aus Indiana und Rhode Island genannt – letzteres hat bisher extrem wenig COVID-19-Fälle.

“Belüftung und Maskierung werden entscheidend sein”

Auch Dr. Saksia Popescu, Epidemiologin für Infektionsprävention an der George Mason University, findet den Schritt besorgniserregend. „Es gibt immer die Sorge, dass Menschen, die einen Ort mit hoher Übertragung in der Bevölkerung aufsuchen, damit in Kontakt kommen und die Infektion potenziell mit zurück in ihren Heimatstaat oder -bezirk nehmen“, erklärt Popescu Yahoo USA. „Da Florida so hohe Zahlen verzeichnet, wie es sie noch nie gegeben hat, besteht die Sorge, dass sie explodieren und aufgrund des Kontakts und/oder der Übertragung zu Clustern in anderen Staaten führen können.“

Popescu weist darauf hin, dass dies im Jahr 2015 geschah, als mehr als 100 Masernfälle auf einen Verdachtsfall von Masern im kalifornischen Disneyland zurückgeführt wurden (was die Wiedereröffnung verschoben hat). Was sie jedoch am meisten beunruhigt, ist die Unausweichlichkeit, dass sich Menschen im Inneren sammeln, wo die Belüftung schlechter ist. „Am meisten beunruhigen mich Innenräume, in denen sich Menschen über lange Zeiträume ansammeln, vor allem unmaskierte (in Restaurants), aber auch Innenräume, in denen die Menschen über einen längeren Zeitraum in der Schlange stehen“, sagt sie. „Belüftung und Maskierung werden entscheidend sein.“

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Obwohl Popescu zustimmt, dass die Vorkehrungen, die Disney getroffen hat, „großartige Interventionsstrategien“ sind, hat sie immer noch Fragen dazu, wie sie mit Dingen wie Essen und Trinken umgehen. Oder der Kontaktverfolgung für den Fall, dass jemand positiv getestet wird. Angesichts dessen, ist sie nicht ausreichend überzeugt, um die Eröffnung des Parks zu befürworten. „Angesichts der aktuellen COVID-19-Situation in Florida denke ich, dass Freizeitparks ein sehr hohes Übertragungsrisiko darstellen – von Menschenmassen bis hin zu geschlossenen Räumen und der Wahrscheinlichkeit, dass die Menschen nicht immer die Vorschriften zur Maskierung befolgen“, sagt Popescu.

Kass stimmt zu, dass der Schritt verfrüht war. „Ich denke, dass die Öffnung von Disney World aus der Perspektive der nationalen Gesundheit und des öffentlichen Gesundheitswesens unverantwortlich ist“, sagt Kass. „Disney World liegt in Florida, aber es betrifft nicht nur Florida. Wir müssen verantwortlich handeln – und die Eigentümer von Disney World müssen die Verantwortung für dieses Land tragen, nicht nur Florida.“

Autorin: Abby Haglage

Im Video: Disney World in Florida hat wieder geöffnet - trotz Corona-Krise