Extreme Temperaturen und ihre Folgen für den Körper

Ann-Catherin Karg
Freie Journalistin

Es ist heiß und wird noch heißer. Der Deutsche Wetterdienst hat für ganz Deutschland eine Hitzewarnung der Stufe 2 herausgegeben, mancherorts erwarten Meteorologen den Temperaturrekord von 41 Grad. Wie reagiert der Körper auf derartige Extreme und wie sieht es auf der anderen Seite bei massiver Kälte aus?

Die erste große Hitzewelle des Sommers rollt über Deutschland hinweg (Bild: Getty Images)

Menschen sind Warmblüter, deren Kerntemperatur im Körper konstant bei 37 Grad liegen sollte. Bei Temperaturen über 37 Grad versucht der Körper, die überschüssige Wärme nach außen abzugeben. Die Blutgefäße weiten sich, der Blutdruck sinkt und das Herz muss mehr pumpen, um das Gehirn mit genug Sauerstoff zu versorgen. Das Atmungssystem reagiert gereizt auf die höheren Ozonwerte bei Hitze, was besonders bei Asthmatikern und Menschen mit Atemwegserkrankungen zu Problemen führen kann.

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Durch die erweiterten Venen in den Beinen läuft das Blut dort zusammen, es kann auch zu Wasseransammlungen kommen. Beine und Füße schwellen an.

Der Körper versucht durch Schwitzen, seine Temperatur zu regulieren

Der Körper versucht vor allem durch Schwitzen seine Temperatur zu regulieren, da der Schweiß auf der Haut verdunstet und sie dabei kühlt. Das funktioniert bei trockener Hitze sehr viel besser als bei feuchter. Ist es feucht, trocknet der Schweiß langsamer und der Kühleffekt ist geringer. Steigt die Körpertemperatur auf über 42 Grad, ist das potenziell tödlich. Experten gehen davon aus, dass es besonders in Südostasien, wo Hitzewellen schon jetzt Temperaturen um die 50 Grad mit sich bringen, immer mehr Gegenden geben wird, die bis zum Ende des Jahrhunderts unbewohnbar sein könnten. Der menschliche Körper könnte dort binnen Stunden überhitzen.

Welche Gefahren drohen?

Besonders gefährlich für den Menschen ist ein Hitzschlag. Erst vor wenigen Tagen ist in den USA der 32-jährige Football-Profi Mitch Petrus an einem solchen gestorben, nachdem er bei Temperaturen um die 40 Grad Arbeiten im Familienunternehmen in seiner Heimatstadt Little Rock durchgeführt hatte. Besonders gefährdet für einen Hitzschlag sind Menschen, die sich bei Hitze körperlich überanstrengen und dabei nicht genug Flüssigkeit zu sich nehmen.

Der Körper kann die überschüssige Wärme nicht nach außen abführen, die Menschen werden schläfrig, sind nicht mehr richtig ansprechbar, können halluzinieren, krampfen und schließlich das Bewusstsein verlieren. Zum Tode kann letztendlich ein Kreislauf- oder Organversagen, zum Beispiel der Nieren, führen.

Körperliche Anstrengung bei diesen Temperaturen kann gefährlich werden (Bild: Getty Images)

Auch bei einem Sonnenstich sollte man schnell handeln

Ein Sonnenstich ist nicht so gefährlich wie ein Hitzschlag, sollte aber dennoch sofort behandelt werden. Durch direkte Sonneneinstrahlung auf Kopf und Nacken werden die Hirnhäute gereizt und entzünden sich, auch das Gehirn selbst kann anschwellen. Betroffene können unter Kopfschmerzen, Unruhe, Übelkeit, Schwindel, Bewusstseinsstörungen oder Nackenschmerzen leiden und sollten so schnell wie möglich aus der Sonne gebracht werden, um einen Hitzschlag zu vermeiden. Ihr Kopf sollte zum Beispiel mit kalten Tüchern gekühlt werden, bei starkem Erbrechen oder Apathie sollte man den Notarzt (112) verständigen.

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Wie groß die gesundheitlichen Gefahren durch Hitze sind, hat eine aktuelle Studie gezeigt: Demnach haben durch Hitze und Sonnenlicht verursachte Krankheiten zuletzt zu 40.000 Fehltagen bei gesetzlich versicherten Arbeitnehmern geführt.

Wer ist besonders gefährdet?

Besonders gefährlich sind die hohen Temperaturen für Kinder. Da ihr Kopf im Verhältnis zum Körper größer ist als bei Erwachsenen, gelangt über ihn auch mehr Hitze ins Gehirn, wodurch die Gefahr eines Hitzschlags steigt. Der Kopf sollte immer geschützt sein. Zudem schwitzen Kinder weniger als Erwachsene und können ihre Körpertemperatur dadurch weniger gut regulieren.

Kinder überhitzen viel schneller als Erwachsene (Bild: Getty Images)

Ältere Menschen sollten ab 28 Grad Celsius am besten zuhause bleiben

Da die Temperaturregulation von älteren Menschen langsamer vonstatten geht als bei jüngeren, sind sie schon ab 28 Grad für einen Hitzschlag gefährdet. Ab dieser Temperatur wird ihnen empfohlen, am besten in kühlen Gebäuden zu bleiben, draußen eine Kopfbedeckung zu tragen und dazu leichte Kleidung. Ein weiteres Problem ist bei Senioren, dass sie oft kein natürliches Durstgefühl mehr haben und deshalb leichter dehydrieren.

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Bei Schwangeren und Sportlern ist Vorsicht geboten

Hohe Temperaturen machen auch Schwangeren zu schaffen, deren Atmung schneller und deren Blutdruck oft niedriger ist. Sie sollten die Hitze meiden, besonders viel trinken und öfter die Beine hochlegen. Sportler sollten bei Temperaturen um die 28 bis 30 Grad zumindest weniger hart trainieren und akzeptieren, dass der Körper unter diesen Bedingungen keine Höchstleistung bringen kann.

Der Deutsche Wetterdienst warnt vor der Hitze

Der Deutsche Wetterdienst hat am Mittwoch, dem 24. Juli 2019, eine Hitzewarnung der Stufe 2 für ganz Deutschland ausgerufen. Diese gilt, wenn die gefühlte Temperatur am frühen Nachmittag über 38 Grad liegt, die Wärmebelastung wird dann als extrem eingestuft. Auch die nächtliche Auskühlung der Räume ist dann nicht mehr gewährleistet.

Liegt die gefühlte Temperatur am frühen Nachmittag bei 32°C oder darüber, spricht der Deutsche Wetterdienst von einer starken Wärmebelastung.

Jetzt sehnen wir uns nach Abkühlung - doch die Temperaturen werden auch in die andere Richtung extremer (Bild: Getty Images)

Auch die Kältewellen werden extremer

Laut dem Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung hat sich die Zahl der Hitzewellen seit 1980 mindestens verdoppelt. Dass die fünf heißesten europäischen Sommer seit rund 500 Jahren allesamt nach der Jahrtausendwende stattgefunden haben, zeuge davon, dass das Klima nicht mehr stabil sei. Es wird immer extremer, und das betrifft nicht nur die Hitze, sondern auch die Kälte. In Teilen des Mittleren Westens der USA sind die Temperaturen Anfang 2019 auf bis zu minus 40 Grad gefallen – die schlimmste Kältewelle seit 1996 und für Menschen ebenfalls potenziell lebensgefährlich.

Wie reagiert der Körper auf Temperaturen um -30 Grad?

Wo es im Sommer ab 28 bis 30 Grad plus gefährlich werden kann, belasten auch im Winter entsprechende Temperaturen den Körper. Da die wichtigsten Organe im Kopf und der Körpermitte liegen, ziehen sich bei Kälte die Gefäße in Armen und Beinen zusammen. Die Durchblutung wird gedrosselt, um zu verhindern, dass viel kaltes Blut in die Körpermitte strömt. Aus diesem Grund kühlen Zehen, Finger und Ohren zuerst aus und haben das größte Risiko für Erfrierungen. Kommt dann noch Wind dazu, können ungeschützte Hautstellen sogar in wenigen Minuten gefrieren.

Der Körper versucht, selbst Wärme zu generieren

Der Körper reagiert auf die Kälte mit Muskelzittern, um Wärme freizusetzen. In den Muskeln wird auch der Stoffwechsel umgestellt, um die aus Zucker gewonnene Energie in Wärme umzuwandeln. Bei extremer Kälte reichen diese Schutzmechanismen aber nicht aus, um die Körpertemperatur auf 37 Grad zu halten. Schon nach einer halben Stunde kann sie gefährlich absinken. Erreicht sie 35 Grad Celsius, handelt es sich bereits um einen Notfall. Ab 30 Grad besteht Lebensgefahr, weil die Kälte irgendwann zu einem Herz- oder Kreislaufversagen führt.

Die Extremitäten erfrieren bei extremer Kälte zuerst (Bild: Getty Images)

Woran erkennt man Unterkühlungen?

Unterkühlte Menschen bekommen in der Regel zuerst Schüttelfrost, können sich schlecht konzentrieren, sprechen undeutlich und fühlen sich benommen oder schläfrig. Am besten sollte man sie schnell an einen Ort mit Zimmertemperatur bringen, sie aber keinesfalls zu schnell mit einer heißen Dusche oder am Feuer aufwärmen. Das Blut könnte dann zu schnell in die Körpermitte strömen und dort einen „Afterdrop“ verursachen, was eine zusätzliche Auskühlung bedeutet.

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Wer ist besonders gefährdet?

Sportmediziner raten dazu, spätestens ab Temperaturen von -8 Grad auf körperliche Anstrengungen im Freien zu verzichten. Kalte Luft ist besonders trocken, was zusammen mit der Kälte die Schleimhäute und Atemwege strapaziert und zu Entzündungen in der Lunge führen kann. Kälte kann im Zusammenhang mit Belastung bei vorbelasteten Menschen auch zu einem Herzinfarkt führen. Die Blutgefäße ziehen sich zusammen, das Herz muss das Blut gegen einen erhöhten Widerstand pumpen, der Blutdruck steigt. Die Herzkranzgefäße verengen sich leichter und schaffen es schließlich nicht mehr, den Herzmuskel ausreichend mit Sauerstoff zu versorgen.

Kinder kühlen schneller aus als Erwachsene

Kinder haben eine dünnere Haut als Erwachsene und geben über diese auch mehr Körperwärme ab. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) in Köln hat schon vor Jahren davor gewarnt, dass mit falscher Kleidung und bei starkem Wind schon Temperaturen unter zehn Grad Plus zu Kälteschäden wie Erfrierungen führen können.

Wer mit seinem Baby an die frische Luft will, kann das auch im Winter tun, sofern das Baby gut und warm eingepackt ist. Die ersten Ausflüge sollten nicht länger als zehn Minuten dauern und die Zeit langsam gesteigert werden. Bei starkem Wind und Minustemperaturen sollte man lieber zuhause bleiben.

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