Dieser Gründer hilft Hausbesitzern, ihren eigenen Strom zu machen – auch für ihr E-Auto

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 „Ich bin ein Verfechter von dezentraler Energie“, sagt Zolar-Gründer Alex Melzer.
„Ich bin ein Verfechter von dezentraler Energie“, sagt Zolar-Gründer Alex Melzer.

Wie können wir nachhaltiger leben? Der Städte- und Häuserbau spielt beim Thema Klimaschutz eine gewaltige Rolle. Ein Ansatz sind autarke und klimaneutrale Gebäude. Quartiere, die mehr CO2 binden, als sie ausstoßen. Häuser, die ihren eigenen Strom erzeugen.

Zum Beispiel mit einer Photovoltaikanlage auf dem Dach eines Ein- oder Zweifamilienhauses: Je nach Größe, Lage und Jahreszeit kann die den durchschnittlichen Stromverbrauch einer Familie decken – und spart im Vergleich zum üblichen Strommix deutscher Haushalte etwa vier Tonnen CO2. Wird kein Strom verbraucht, wird der Sonnenstrom einfach lokal gespeichert – und ist dann zum Beispiel auch nachts verfügbar. Direkt vor Ort produziert, CO2-frei und kostengünstig. Das verspricht das Berliner Startup Zolar.

Ein anderes, wesentliches Feld, wo wir nachbessern müssen, wenn wir nachhaltig leben wollen, ist Mobilität. Wie kommen wir möglichst klimaneutral von A nach B? Wieder ist eine mögliche Antwort: mit Solarenergie. Hier gibt es durchschnittlich weitere 1,11 Tonnen CO2 pro Pkw einzusparen.

Und wieder bringt Zolar sich ins Gespräch: Ende Januar 2022 gab das Unternehmen bekannt, mit dem Automobilhersteller Toyota zu kooperieren. Das gemeinsame Ziel: Hausbesitzer, die ein E-Auto fahren, sollen ganz unkompliziert und direkt Strom aus der eigenen Photovoltaikanlage tanken und den Ladevorgang per App steuern können. Das ganze Angebot kommt in einem Paket. So gibt es Solaranlage, Wallbox (quasi Ladestation für das Auto) und ein E-Auto zu mieten.

Weil es sein muss

Alex Melzer hatte bereits einige Jahre Erfahrung in der Solarbranche gesammelt, als er zu einer langen Radtour durch Patagonien aufbrach. „Wir waren jeden Tag draußen. Und wenn man erstmal so mit der Natur synchronisiert ist, merkt man, was der menschengemachte Klimawandel wirklich bedeutet.“ Nichts Gutes nämlich – und er beschloss ein Unternehmen zu gründen, das dem entgegenwirkt.

2016 startete Zolar. Die Idee: Es Hausbesitzern so einfach wie möglich zu machen, ihren eigenen, grünen Strom zu produzieren. Eine maßgeschneiderte Photovoltaikanlage online zu bestellen, sollte nicht viel komplizierter sein als sich bei Ikea Möbel zusammenzustellen. Ein paar Klicks durch den Onlinekonfigurator, Fotos hochladen, Daten zu Haus und Standort eingeben, dann bekommt der Kunde ein Festpreisangebot für die gesamte Anlage. Um die Installation kümmern sich Fachleute aus der Region, Dachdecker und Elektroinstallateure, die von Zolar koordiniert werden. Seit Sommer 2021 bietet Solar auch an, diese Anlagen zu mieten statt zu kaufen.

Anfangs, berichtet Melzer, habe er da „ganz klassische Plattformprobleme“ zu bewältigen gehabt: „Entweder, wir hatten Fachfirmen als Partner, aber keine Kunden in einer bestimmten Region, oder aber da waren Kunden und wir hatten noch keine Partner in der Gegend.“ Das sei bei Uber und anderen Startups in deren Anfangszeiten auch nicht anders gewesen. Mittlerweile aber hat Zolar ein Netz mit Hunderten Handwerksbetrieben bundesweit, die die Plattform ihrerseits zum bequemen Akquirieren lohnenswerter Aufträge nutzen.

Ziel: 100 Millionen Euro Umsatz

Allein in diesem Jahr haben Melzer und sein Team so 5000 Eigenheimbesitzerinnen und -besitzern Solaranlagen verkauft. Eine Anlage für ein 20 Quadratmeter großes Dach inklusive Einspeisung und Stromspeicher, die bis zu 70 Prozent Unabhängigkeit des Netzstroms bietet, kostet in etwa 12.000 Euro. Das ist der Einstiegspreis. Darüber hinaus gibt es größere Anlagen zu höheren Preisen. Nächstes Jahr will Zolar dreimal so viele Anlagen verkaufen und 100 Millionen Euro Umsatz machen. In der Vergangenheit sind in mehreren Fundingrunden Investoren wie Energy Impact Partners und Heartcore Capital eingestiegen und haben Melzer und seinen Co-Gründer Gregor Loukidis mit 35 Millionen Euro finanziert.

So können Zolar-Anlagen auf dem Dach aussehen.
So können Zolar-Anlagen auf dem Dach aussehen.

Nun ist das natürlich auch eine charmante Zielgruppe: Zolar kann sich nur aufs Dach bauen, wer ein Einfamilienhaus besitzt, maximal noch eine Doppelhaushälfte. Sprich, man hat es hier automatisch mit einer einigermaßen kaufkräftigen Klientel zu tun. Eine, die darüber hinaus, das beobachtet jedenfalls Melzer, oft das Bedürfnis habe, „irgendwas“ gegen den Klimawandel zu unternehmen. Und da macht er es ihr mit dem eigenen Ökostrom leicht. Und dann gibt es ja sicherlich auch viel Rückenwind durch die neue, teils grüne Regierung? Melzer schüttelt den Kopf. "Nö", das sei egal: „Subventionen brauchen wir nicht mehr. Viele Leute kaufen sich heute eine Solaranlage erstens, weil der Strom sehr teuer geworden ist, und zweitens, weil sie sich ein E-Auto anschaffen.“

Geschäftstreiber: E-Autos

Da hilft der Strom aus der eigenen Solaranlage gleich doppelt: E-Autos zu tanken, sei nicht nur teuer, es könnte auch perspektivisch ganze Stromnetze an ihre Grenzen bringen, sagen Experten. Es ist nicht unproblematisch, wenn eine halbe Kleinstadt um 18:30 Uhr von der Arbeit kommt und alle gleichzeitig den Wagen an die Ladesäule hängen.

Da ist es von Vorteil, autark zu sein. „Ich bin ohnehin ein Anhänger von dezentraler Energie“, sagt Melzer. Denn: „Nichts macht mehr Sinn als den Strom, den ich brauche, auch vor Ort zu gewinnen.“ Dezentrale Energiegewinnung ist und wird noch mehr ein Thema sein, das von der Politik vorangetrieben wird. Nur ein Beispiel: In Bayern etwa fehlen Hochrechnungen des Ifo Instituts zufolge bis 2025 in etwa 4,5 Gigawatt Leistung. Diese Kapazitätslücke will man unter anderem durch die Förderung dezentraler Energiegewinnung schließen.

Genügend eigenen Strom mit Hilfe einer Ressource zu gewinnen, die quasi immer da ist (denn auch, was zwischen November und März vom Berliner oder Hamburger Betonhimmel scheint, macht Strom), ist für Alexander Melzer nur einleuchtend. „Ich bin ganz sicher: Wir werden zur Solarenergie zurückkehren. Die Menschheit ist die einzige Spezies, die nicht von der Sonne lebt“, so der Zolar-Gründer.

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