Faszination Stierkampf: Fakten über die umstrittene Tradition

Kaum ein traditionelles Spektakel auf der Welt polarisiert derart. Große Beliebtheit genießt der Stierkampf vor allem in Spanien, Portugal, Peru, Kolumbien und Mexiko. Doch Tierschützer schlagen seit Jahren weltweit Alarm und fordern ein Ende dieser Tradition. So stellt sich die ewige Frage: Ist Stierkampf ein kulturelles Ereignis, das geschützt oder einfach nur eine blutige Folter von Tieren, die gestoppt werden muss? 

Die frühesten Aufzeichnungen der Tradition zeigen, dass sie ihren Ursprung auf der Iberischen Halbinsel hat. Heutzutage ist sie auch in bestimmten Regionen Südfrankreichs und in verschiedenen lateinamerikanischen Ländern wie Mexiko, Peru und Kolumbien aufzufinden.

Von der Aufzucht der Bullen über die Uniformen bis hin zur Werbung hat die Tradition viele Facetten. Es gibt verschiedene Arten von Stierkämpfen. In Portugal beinhaltet die Tradition das Laufen der Matadore sowie der Stiere. Über die Matadore hinaus werden Reiter und Mistgabeln eingesetzt.

Dann gibt es die Novilhadas. Diese Art des Kampfes wird von jungen Leuten durchgeführt, die Stierkämpfer werden möchten, aber noch nicht den Status eines Stierkämpfers erreicht haben.

In portugiesischen Stierkämpfen wird das Tier nicht in der Arena getötet und nach dem Kampf von einem Tierarzt betreut, der auch die Bandarillas entfernt (ein farbenfroher Stock mit einer Flagge, der während des Kampfes benutzt wird). Danach werden die Bullen meist innerhalb von fünf Stunden nach Ende des Kampfes eingeschläfert. In außergewöhnlichen Fällen, in denen sich der Bulle besonders gut erholt, werden die Tiere begnadigt und dürfen den Rest ihrer Tage in Freiheit auf dem Feld verbringen.

In Frankreich und Spanien werden Stierkämpfe als immaterielles Kulturerbe angesehen. Auch in Portugal bezeichnen 32 Gemeinden Stierkämpfe als immaterielles Kulturerbe. Einer der größten Namen im Stierkampf ist Curro Romero. Seine Fans sagen, dass es aussähe als würde er mit dem Stier tanzen, wenn er in der Arena ist. Es gibt eine Statue von ihm im spanischen Sevilla.

Befürworter des Sportes proklamieren, dass der Stierkampf Werte wie Mut und Entschlossenheit demonstriert. Sie sind dem Chaos und der Gewalt des Stieres entgegengesetzt.

In den USA ist der traditionelle Stierkampf nur im Bundesstaat Texas erlaubt. Es gibt jedoch portugiesische und mexikanische Gemeinden in Central Valley, Kalifornien, die Stierkämpfe mit einem Klettsystem praktizieren, um die Tiere nicht zu verletzen, aber trotzdem die Tradition ausüben zu können.

Auch in Kanada gibt es einen Stierkampfring, und zwar in Dundalk, im Bundesstaat Ontario. Er wurded von zwei portugiesischen Immigranten gegründet. Auch sie führen Stierkämpfe durch, bei denen der Stier durch eine Klettverschlussweste geschützt wird und kein Blutvergießen stattfindet.

In Brasilien wurden im Jahr 1943 Stierkämpfe und Hahnenkämpfe von Präsident Getúlio Vargas verboten. Sie sind bis heute verboten. Eindeutig spürbar ist aber sein Einfluss auf Flamenco und Paso Doble – der Tanz erinnert an einen Stierkampf und die Musik wird oft während Veranstaltungen gespielt.

Aber warum ausgerechnet ein Stier? Denn Bullen sind von Natur aus eigentlich nicht aggressiv. Tierschützer sagen, dass die Bullen in den Tagen vor dem Kampf misshandelt werden. Angeblich sind die in der Arena gesehenen Bullen in den meisten Fällen nicht gesund. Ihnen sollen nasse Zeitung in die Ohren gesteckt, Vaseline in die Augen gerieben und Baumwolle in die Nase geschoben werden, um ihnen das Atmen und Sehen zu erschweren. Alle Maßnahmen dienen dazu den Stier zu verwirren und aggressiv zu machen.

Oft leiden auch Pferde unter den Kämpfen. Ihre Stimmbänder werden so behandelt, dass sie keinen Schmerz ausdrücken können, wenn der Stier sie trifft. Außerdem sind sie nach den Kämpfen meist verstört, da sie während des Kampfes große Angst erleiden und einen riesigen Adrenalinschub bekommen.

Die Veranstaltung stellt aber nicht nur für die Tiere, sondern auch für den Stierkämpfer eine extreme Gefahr dar. Manche Stierkämpfer, die vom Stier getroffen werden, erleiden schwere Verletzungen oder sterben sogar. Die gefährlichen Bullenschläge heißen Cogidas.

Im Jahr 2013 wurden allein in Spanien 47 Verletzungen bei 661 Stierkämpfen gemeldet. 31 von ihnen wurden von den Stierhörnern verursacht.

Warum gibt es die Kämpfe immer noch? In einigen Ländern ist der Stierkampf weiterhin sehr beliebt. Eine Studie von Eurosondagem zeigte, dass sich nur 11 % der spanischen Bevölkerung dem Ereignis widersetzen. Die Bewegung, die das Ende des Stierkampfs befürwortet, wird größtenteils von jüngeren Generationen getragen. Dieselbe Studie zeigt auch, dass 59,3 % der portugiesischen Bevölkerung glauben, dass der Stierkampf ein positives Licht auf Portugal wirft.

Zudem ist der Tourismus immer noch eines der beliebtesten Argumente derjenigen, die die Kämpfe verteidigen. Sie sagen, dass viele Besucher Stierkämpfe sehen wollen und die Tradition darum überleben werde.

Stierkämpfe wurden in Portugal 1836 unter der Herrschaft von Dona Maria II. verboten. Das Verbot dauerte jedoch nur neun Monate, weil das portugiesische Volk gegen das Gesetz revoltierte.

Auch auf den spanischen Kanarischen Inseln sind Stierkämpfe verboten, hier wurde 1991 ein Tierschutzgesetz verabschiedet.

Und im Jahr 2017 verboten die spanischen Inseln es, Stiere in der Arena zu töten und ihnen körperlichen oder seelischen Schaden zuzufügen. Drei verschiedene Stiere müssen nun pro Kampf verwendet werden. Jeder einzelne von ihnen darf nicht länger als zehn Minuten im Ring bleiben.

Der größte Stierkampfplatz der Welt ist der Plaza de Toros México in Mexiko-Stadt. Der größte in Europa ist der Plaza de Toros de las Ventas (hier abgebildet) in Madrid.

In Portugal, Spanien, Frankreich, Ecuador, Mexiko, Venezuela, Kolumbien und Peru ist es derzeit noch legal, dass Kinder an Stierkämpfen teilnehmen.