FC Bayern: Eine erste, kleine Woche der Wahrheit

David Kreisl
Sports Editor

Erst Audi-, dann Supercup gegen Borussia Dortmund: Der FC Bayern startet mit einem vollen Programm in die letzte Phase der Saisonvorbereitung, dafür weiter ohne neue Transfers.

Niko Kovac und der FC Bayern bestreiten am Wochenende das erste Pflichtspiel der Saison. (Bild: Getty Images)

Karl-Heinz Rummenigge hat der Bild am Sonntag vergangene Woche ein Interview gegeben, in dem er unter anderem zwei wichtige Sachen sagte. Zum einen, dass der FC Bayern auf dem Transfermarkt “eine eigene Philosophie finden” und “nicht alle Verrücktheiten mitmachen” müsse. Zum anderen, dass es im bisher sehr kritisch beäugten bayerischen Transfersommer noch den ein oder anderen Neuzugang geben wird, “ganz bestimmt”.

Nun ist es um die vielen Personalien, die von Zeitungen, Beratern und Klubs in das angeblich Visier der Münchner gerückt wurden, größtenteils recht still geworden. Der eine Spieler, bei dem das Interesse des Rekordmeisters verbrieft ist, könnte Rummenigge und die Münchner aber zwingen, das Finden der eigenen Philosophie auf etwas später zu verschieben.

"Ich gehe davon aus, dass wir ihn bekommen können”, hatte Bayerns Trainer Niko Kovac vor wenigen Tagen im ZDF den wohl bislang offensivsten Vorstoß in Richtung von Leroy Sané gewagt. Der Nationalspieler in Diensten von Manchester City ist das Münchner Transferziel Nummer eins, nachdem es aus Reihen der bayerischen Bosse auch schon recht düstere Prognosen gab, scheint in letzter Zeit wieder etwas Hoffnung aufgekeimt zu sein, den 23-Jährigen an die Isar holen zu können. “Leroy ist ein toller Fußballer. Den möchten wir. Unsere Vereinsführung ist dort sehr engagiert hinten dran”, meinte Kovac. Doch wie die Bayern selbst widersprechen sich im Fall Sané auch die Medien. Hierzulande heißt es, es habe “positive Signale” von Sanés Management gegeben (Sport Bild), aus England heißt es in mehreren Medien, es sei noch nicht einmal verhandelt worden. Was als sicher gilt: Über die Bühne gehen würde der Transfer wohl nur mit Summen, die man als Verrücktheit bezeichnen müsste.

“Früher haben wir auf Dorfplätzen gespielt, jetzt ...”

So oder so haben Sané und alle anderen gehandelten Namen eines gemeinsam: sie sind nicht in München, jetzt, in der entscheidenden Phase der Saisonvorbereitung, kurz vor dem ersten Pflichtspiel gegen den BVB.

So beginnt am Dienstag der Audi Cup in der Allianz Arena, ein Vorbereitungsturnier gegen große Namen. Fenerbahce, der neue Verein von Ex-Bremer Max Kruse, wird der erste Gegner der Münchner sein. Je nach Ausgang wartet am nächsten Tag dann Real Madrid, das die Bayern schon auf der sehr ordentlichen USA-Reise mit 3:1 in einem Test besiegen konnten, oder Champions-League-Finalist Tottenham. Freilich sind das nur Testspiele, wie Kovac aber schon anmerkte: “Früher haben wir auf Dorfplätzen gespielt, jetzt spielen wir schon Vorbereitungsspiele gegen Topmannschaften. Das bringt uns selbst in eine gute Position.”

Und dem Bayern-Coach wichtige Erkenntnisse in Sachen Taktik und Personal. In der vergangenen Saison löste sich Kovac aus der spielerischen Herbstdepression, die ihn fast den Job gekostet hätte, indem er von seinem bevorzugten System mit einem Mann vor der Abwehr abwich und auf ein 4-2-3-1 wechselte. Die bisherige Vorbereitung zeigt jedoch, dass es der Kroate wohl noch einmal probieren will mit seiner Lieblingsformation.

Und auch personell werden bei zwei letzten Tests vor dem Spiel gegen Dortmund Entscheidungen fallen. “Jeder kämpft um die Plätze, jeder möchte sich empfehlen, um in den ersten Pflichtspielen mit dabei zu sein”, sagt Kovac: “Bis zur Länderspielpause gibt es einen Rhythmus, wo man nicht so viele Spiele hat, nicht alle drei Tage spielt. Da ist es für einen Trainer nicht immer ganz einfach, weil vielleicht weniger rotiert werden wird.” Nach dem Supercup wird der FC Bayern lediglich das DFB-Pokal-Spiel in Cottbus sowie drei Bundesligapartien gegen Hertha, Schalke und Mainz bestreiten, ehe die erste Pause der Saison ansteht, in der die Spieler zu den Nationalmannschaften reisen.

Besonderes Supercup-Duell gegen den BVB

Das Highlight dieser ersten Pflichtspielperiode steigt allerdings schon am Samstag, wenn der FCB in Dortmund zum Supercup gastiert. Als “richtig wichtig” bezeichnete Kapitän Manuel Neuer den Wettbewerb, Robert Lewandowski meint: “Wir müssen jedes Mal aufs Neue zeigen, dass wir die Nummer eins sind.”

Zumal es sich in dieser Saison um ein Duell mit besonderen Vorzeichen handelt, die nicht unbedingt etwas mit dem engen Meisterkampf in der abgelaufenen Spielzeit zu tun haben. Vielmehr wurde der BVB von nicht wenigen bereits zum Favoriten auf die Meisterschaft auserkoren, auch dank der starken Transfers: Mats Hummels – ausgerechnet von den Bayern –, Julian Brandt, Nico Schulz und Thorgan Hazard werden in der kommenden Saison schwarzgelb tragen. Eine Triumph der Münchner wäre also nicht nur der vierte Supercup-Gewinn am Stück, sondern auch ein netter Gruß an all jene, die ob des angeblich ungenügenden Kaders bereits in Panik verfallen.

Und dann wird es schließlich noch Transfers geben bei den Bayern – ganz bestimmt.