Feierabend um 13 Uhr: 5-Stunden-Tag bei vollem Gehalt

Sandra Alter
Freiberufliche Journalistin
(Bild: Getty)

40-Stunden-Wochen sind nicht mehr zeitgemäß, fand ein Arbeitgeber aus Bielefeld. Er führte den verkürzten Arbeitstag ein, bei vollem Lohnausgleich.

Mehr Freizeit – das ist ein Traum vieler Angestellter. Für das Team der Rheingans Digital Enabler ist dieser Traum wahr geworden. Als Lasse Rheingans im Oktober 2017 als neuer Boss die Agentur übernahm, führte er verkürzte Arbeitszeiten ein. Seine Mitarbeiter arbeiten jetzt statt 40 Stunden in der Woche nur noch 25 Stunden, bei unverändert vollem Lohn und Urlaubsanspruch.

„Da bin ich auch ein bisschen wahnsinnig gewesen, finde es aber trotzdem ziemlich gut“, so Lasse Rheingans gegenüber der Fachzeitschrift Werben & Verkaufen (W&V).

Zwar habe es viele Unkenrufe gegeben, doch er habe bewiesen, dass seine Idee funktioniere und das in einem Umfeld, in dem es üblich sei, zehn oder gar 15 Stunden am Tag zu arbeiten. Im März dieses Jahres wurde er für sein alternatives Arbeitsmodell sogar mit New Work Award ausgezeichnet.

Ziele sind klar definiert

Fünf Stunden wird in der Agentur pro Tag gearbeitet. Arbeitsbeginn ist um 8 Uhr, Feierabend um 13 Uhr. Ein Spaziergang ist der Job in dem Bielefelder Unternehmen jedoch nicht. Damit die Firma im Wettbewerb gegen die Konkurrenz bestehen kann, ist die Arbeitszeit straff durchorganisiert. Die Mitarbeiter müssen das gleiche Pensum schaffen, wie vorher in acht Stunden.

Damit das klappt, wird freitags klar festgelegt, welche Ziele in der kommenden Woche erreicht werden müssen.

Das erfordere Selbstdisziplin, sei aber machbar. „Und ganz ehrlich, wie oft sitzt man am Nachmittag im Büro nur noch seine Zeit ab, obwohl man eigentlich nicht mehr kann? Das finde ich unerträglich, weil das einfach keinen Sinn stiftet“, so der 38-Jährige Firmenchef gegenüber W&V.

Whatsapp und Facebook sind nicht gern gesehen

Um Zeitfresser und Ablenkungen zu vermeiden, habe sich das Team eine Reihe von Regeln auferlegt: Das Handy bleibe möglichst in der Tasche, privates Surfen und Telefonieren, Whatsapp und Facebook seien zwar nicht verboten, aber nicht gern gesehen. Außerdem werde das E-Mail-Postfach nur zu Arbeitsbeginn und kurz vor Schluss gecheckt. Ansonsten werde konzentriert und zurückgezogen gearbeitet.

Damit die zwischenmenschlichen Kontakte am Arbeitsplatz nicht auf der Strecke bleiben, werden regelmäßig Treffen außerhalb der Arbeitszeiten organisiert – dann stehen für das 15-köpfige Team Grillen, Beachvolleyball oder ein Besuch im Kletterpark auf dem Plan. Die Teilnahme sei aber freiwillig.

Die Mitarbeiter sind glücklich mit dem neuen Arbeitsmodell. „Perfekt“, findet Janine Kunz, die seit einem Jahr bei Rheingans arbeitet. „Ich habe einen kleinen Sohn und kann mich am Nachmittag voll und ganz und mit freiem Kopf um ihn kümmern, ohne dabei auch noch finanzielle Einbußen zu haben."

Einfach sei die Umstellung jedoch nicht gewesen, gibt Rheingans gegenüber W&V zu. Es komme auch schon mal vor, dass ein Mitarbeiter länger als 13 Uhr arbeite, wenn er sein Pensum nicht schafft. „Grundsätzlich arbeiten wir alle Richtung 25 Stunden in der Woche. Manchmal sind es 30, auch mal 35, aber niemals 40 Stunden. Und das in einem Agenturumfeld, wo auch 60 Stunden nicht unnormal sind.“

Inspirieren ließ sich Rheingans für sein Arbeitsmodell vom Buch des amerikanischen Paddleboard-Produzenten Stephan Aarstol „The Five-Hour-Workday“. Seine Erfahrungen hat er kürzlich in seinem eigenen Buch „Die 5-Stunden-Revolution“ veröffentlicht.

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