Feminismus & Self-Love: Die Namen dieser Insta-Girls solltet ihr euch merken

Sarah Neven

Hate Speech, Fat-Shaming, Homophobie, Rassismus, Trolling: Bullshit hat heutzutage viele Synonyme. Und sie alle sind zwischen den Avocado-Toasts und den lustigen Memes auch bei Instagram weit verbreitet. Zwei Influencerinnen halten dagegen, sagen Bullshit in jeder Form den Kampf an. Und zwar mit jeder Menge Body-Positivity, Feminismus und Self-Love.

Stacey Louidor ist 25, kommt aus Haiti und lebt in Florida, La'Shaunae Steward ist 21 und wohnt in South Carolina. Mit ihren insgesamt über 100.000 Followern teilen sie nicht nur ihren coolen Stil, sondern gleichzeitig auch jede Menge Liebe. Denn in ihren Bildunterschriften platzieren sie statt nichtssagender Hashtags lieber ehrliche Worte. Wir haben mit Stacey und La’Shaunae über die Modebranche, Selbstbewusstsein und den richtigen Umgang mit Hatern gesprochen.

Ihr habt beide einen fantastischen Stil. Was bedeutet euch Mode?

Stacey: „Meine Existenz. Meinen eigenen Stil zu entwickeln, hat mich durchs Leben gebracht. Für manche mag das übertrieben klingen, aber mir bedeutet es alles.“

La’Shaunae: „Ich zeige der Welt durch meine Kleidung eine Seite von fetten, schwarzen Mädchen, die sie unangenehm findet: Selbstbewusstsein. Ich bin ein fettes, schwarzes Mädchen, das alles trägt, was es will und sich nicht versteckt.”

Und was läuft falsch in der Mode?

Stacey: „Die Branche hat eine Fett-Phobie. Es ist so schwer, schöne Kleidung in Übergröße zu finden. Wenn ich in einen Laden gehe und es überhaupt eine Plus-Size-Abteilung gibt, hängen dort langweilige Sachen, die ich nicht tragen will. Und jede Menge abstrakte Prints. Hässlich.“

La’Shaunae: „Ich werde mal mit der Diversität beginnen. Marken holen sich Models wie Ashley Graham und denken dann, sie würden ganz oben auf dem Vielfalt-Treppchen stehen. Die Frauen mit Übergröße, die momentan gefeiert werden, haben höchstens einen dicken Hintern. Sie können tragen, was sie wollen, und werden sofort als inspirierend bezeichnet. Aber wenn ich irgendetwas anziehe, werden alle möglichen Menschen plötzlich zu Gesundheitsexperten.”

Denkt ihr, ihr könnt mit euren Posts etwas dagegen tun?

La’Shaunae: „Ich hoffe einfach, andere dicke Menschen dazu zu inspirieren, aus sich herauszukommen. Ihren eigenen Stil zu tragen. Ich weiß, dass viele Mädchen einige Dinge nur anziehen, um sich vor Leuten zu verstecken, die fette Körper nicht akzeptieren. Und ich hoffe, Model-Agenturen aufzufallen, die dicke Mädchen wie mich nicht wollen. Eines Tages möchte ich meine eigene Agentur haben. Ich werde Mädchen aufnehmen, die mindestens eine Größe 44 tragen und keine perfekten Kurven haben. Mädchen mit breiten Hüften, kleinen Hintern und dicken Bäuchen.”

Stacey: „Und ich will Menschen dazu bringen, weniger Angst zu haben. Deine Kleidergröße darf niemals festlegen, was du mit deinem Körper machst.“

Bei Instagram läuft aber auch einiges schief.

La’Shaunae: „Absolut. Das Mobbing dort ist ein Problem. Ich werde belästigt und mit Beleidigungen vollgespamt, weil einige Menschen denken, es sei lustig, mich dazu zu bringen, mich schrecklich zu fühlen. Wenn du nicht in den Stereotypen des Instagram-Baddie passt, machen sie dich schlecht und behandeln dich, als wärst du eklig.”

Stacey: „Ja, ein fetter Mensch bei Instagram zu sein, kann furchtbar sein. Man bekommt so viel Hass ab. Und es gibt diese Doppelmoral, die so durchschaubar ist, dass es weh tut: Eine füllige Frau mit Sanduhr-Figur, die irgendetwas trägt: Fünftausend Likes. Eine Frau mit Bauchspeck: ‚Oh mein Gott, hör auf, Fettleibigkeit zu promoten, nimm mal ab, du bist echt ungesund!’“

Wie geht ihr mit Hatern um?

La’Shaunae: „Der Block-Button ist mein bester Freund. Einige Trolle sind stolz darauf, geblockt zu werden, weil sie wissen, dass ihre Beschränktheit dich so sehr genervt hat, dass du dir die zwei Sekunden Zeit genommen hast, um sie zu blocken. Aber zumindest sehen sie meine Posts dann nicht mehr. Ich schenke diesen Menschen eigentlich keine große Aufmerksamkeit, aber ich screenshoote sie meistens beim Arschloch-Sein.”

Stacey: „Es ist wirklich hart. Es gibt Tage, an denen ich denke: Vielleicht haben sie recht. Aber dann denke ich wieder: Wisst ihr was? Ich ziehe einfach weiter mein Ding durch.“

Was würdet ihr jungen Mädchen und Jungs sagen, die nicht so selbstbewusst sind wie ihr?

Stacey: „Ich kriege tatsächlich viele Nachrichten von jungen Menschen, die mich um Rat fragen. Aber alles, was ich ihnen wirklich sagen kann, ist: Wenn du anfängst, deinen Körper zu lieben, wird dich nichts aufhalten.“

La’Shaunae: „Bitte seid nett zu euch selbst. Hört Musik, die euch glücklich macht, und tanzt dazu. Ich selbst liebe es, mein Make-up zu machen und dazu RuPaul zu hören. Oder zu Blood Orange oder FKA twigs zu voguen. Es ist unfassbar schwer, selbstbewusst zu sein, wenn so viele Menschen nicht wollen, dass du es bist. Aber du musst irgendwo anfangen: Trag ein T-Shirt anstatt langer Ärmel, zeig deine Arme. Oder zieh diesen Rock an, der schon seit Jahren ganz hinten im Schrank hängt. Ich weiß, dass es angsteinflößend sein kann, aber vertrau mir, es tut so gut, endlich etwas zu tun, was du dir schon lange vorgenommen hast. Ich glaube an dich!“

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