Feuchtigkeitscremes mit Lichtschutzfaktor: Wie effektiv sind sie wirklich?

In einer aktuellen Studie schützte klassische Sonnencreme die Haut besser vor UV-Strahlung als Feuchtigskeitscreme mit Lichtschutzfaktor. (Bild: Getty Images)

Es hört sich perfekt an: Eine Tagescreme, die Feuchtigkeit spendet, die Haut glättet und sie ganz nebenbei auch noch vor der Sonne schützt. Doch halten die Moisturising-Produkte mit Lichtschutzfaktor wirklich, was sie versprechen?

Den Ergebnissen einer neuen Studie zufolge ist Feuchtigkeitscreme mit Lichtschutzfaktor nicht die effektivste Lösung gegen schädliche UV-Strahlung. Zu dieser Erkenntnis kamen die Forscher der University of Liverpool, indem sie spezielle UV-Kameras nutzten, deren Aufnahmen sichtbar machen, wie viel UV-Licht von der Haut absorbiert wird.

Zunächst wurden zwei separate Tests durchgeführt. Im ersten wandten die Probanden klassische Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor 30 (LSF 30) an, im zweiten benutzten die Teilnehmer Feuchtigkeitscreme mit dem gleichen LSF.

Das Ergebnis überraschte die Forscher. Die Aufnahmen der eingesetzten Spezialkameras zeigten, dass die klassische Sonnencreme die Haut besser vor UV-Strahlen schützte als das Feuchtigkeitsprodukt mit dem identischen LSF. Grund sei dabei aber offenbar ein Anwendungsproblem: Bei der jährlichen Konferenz der British Association of Dermatologists erklärten die Wissenschaftler, dass die Teilnehmer mit der Feuchtigkeitscreme nachlässiger vorgegangen waren – im Durchschnitt seien 16 Prozent des Gesichts nicht eingecremt worden, insbesondere rund um die Augen sei die Haut ungeschützt gewesen. Mit der Sonnencreme wurde hingegen weniger sparsam umgegangen. Hier wurden nur elf Prozent der Gesichtshaut nicht oder nur nachlässig eingecremt.

Auch beim Rest des Körpers zeigten sich ähnliche Ergebnisse. Diesen cremten die Teilnehmer mit Feuchtigkeitscreme mit einer weitaus dünneren Schicht ein, als es bei klassischer Sonnencreme der Fall war. Und das habe immense Auswirkungen, so die Experten. „Weniger LSF aufzutragen, verringert den Schutz erheblich“, so Austin McCormick, Chirurg und einer der Studienleiter. Wer nur die Hälfte der erforderlichen Menge an Sonnenschutz auftrage, könne den Schutz um ganze zwei Drittel reduzieren.

Der Grund für die unterschiedlichen Anwendungsarten liege in den unterschiedlichen „Zielen“ beider Produkte, vermutet Dermatologe Sejal Shah im Interview mit „Allure“. Bei Feuchtigkeitscremes erwarten die Anwender ein softes und leicht erfrischtes Gefühl auf der Haut, ohne einen fettigen Film – und das sei schon mit einer kleinen Menge erreicht. Hier ist, wie die Studie belegt, die Gefahr allerdings groß, ganze Hautpartien zu vergessen oder zu dünn einzucremen.

Doch eine Frage lässt die Studie offen: Wären Feuchtigkeitscremes mit LSF genauso effektiv wie Sonnencreme, würde man beide gleich großzügig auftragen? Dies muss noch weiter erforscht werden. Wer also Gesicht und Körper bestmöglich vor den schädlichen Auswirkungen der UV-Strahlen schützen möchte, sollte auf Sonnencreme setzen – und diese großzügig auftragen. Und ganz wichtig, betonen die Experten: Nach dem Baden, Schwitzen oder Abtrocknen eine neue Schicht auftragen. Auch bei wasserfesten Produkten.