Filmfestspiele in Venedig: Polanski-Film feiert ohne Polanski Premiere

Ann-Catherin Karg
Freie Journalistin

Dass bei den 76. Filmfestspielen in Venedig der Film „J´accuse“ („An Officer and a Spy“) von Roman Polanski Premiere feiert, hat zu Kontroversen geführt. Weil er eine Verhaftung fürchtet, sobald er seine französische Heimat verlässt, kam der Regisseur nicht nach Italien.

Seit 1977 hat Roman Polanski die USA nicht mehr betreten. (Bild: Getty Images)

In „J'accuse“ („An Officer and a Spy)“ erzählt der französisch-polnische Regisseur Roman Polanski die Geschichte der sogenannten Dreyfus-Affäre. Ende des 19. Jahrhunderts wurde ein französischer Hauptmann wegen Landesverrats verurteilt – ein Justizirrtum, wie sich später herausstellte und sich zum Skandal entwickelte.

Polanski versteckt sich noch immer vor der US-Justiz

Bei den Filmfestspielen in Venedig sehen nicht wenige den Skandal in der Tatsache begründet, dass Polanskis Film überhaupt eingeladen wurde. In den USA läuft noch immer ein Missbrauchsverfahren gegen den 86-jährige Regisseur, der 1977 Sex mit einer 13-Jährigen hatte. Ob der Sex einvernehmlich oder eine Vergewaltigung war, konnte in dem Verfahren nicht geklärt werden. Vor der möglichen Verurteilung floh Polanski aus den USA, die er seitdem nie mehr betreten hat. Erst 2017 hatte ein Richter sein Gesuch abgelehnt, das Verfahren nach 40 Jahren einzustellen. Ein Jahr später verlor Polanski im Zuge der #MeeTo-Bewegung auch seinen Sitz in der Oscar-Akademie. Verlässt er seine französische Heimat, droht ihm eine Verhaftung, weshalb er auch nicht nach Venedig gereist war.

„Der Film muss für sich selbst sprechen“

Die Jury-Präsidentin Lucrecia Martel wird darüber nicht gerade traurig gewesen sein. Im Vorfeld hatte sie gesagt, sie halte es zwar für richtig, dass „J'accuse“ im Wettbewerb laufe und werde ihn beurteilen, wie alle anderen auch. Sie könne das Werk aber nicht vom Autor trennen und lege keinen Wert darauf, Polanski beim Filmfestival zu feiern. Bei der Pressekonferenz hatte der Produzent Luca Barbareschi erwidert, der mit Louis Garrel, Jean Dujardin, Mathieu Amalric und Polanskis Frau Emmanuelle Seigner hochkarätig besetzte Film müsse für sich selbst sprechen können und würde letztendlich vom Publikum beurteilt.