Forscher entdecken verlorenen Kontinent in Europa

Wer dachte, dass alle Kontinente und Länder dieser Erde bereits erschlossen und kartiert wurden, wird nun eines Besseren belehrt. Unter Europa liegt ein weiterer, lange verschollener Kontinent verborgen.

Teile des Taurusgebirge in der Türkei sind tatsächlich Überreste eines Kontinents namens Greater Adria (Bild: DeAgostini/Getty Images)

Greater Adria nannten Forscher ihren Fund, der etwa die Größe von Grönland hat und in – beziehungsweise unter – Südeuropa entdeckt wurde. Nach mehr als zehn Jahren Arbeit hat ein Team an Geologen die Spuren der tektonischen Region analysiert und vergangene Woche schließlich Greater Adria in dem Fachmagazin “Gondwana Research” vorgestellt.

Wie konnte ein ganzer Kontinent verschwinden?

Für die “brutale, komplizierte Geschichte” von Greater Adria, wie Douwen van Hinsbergen von der Universität Utrecht sie im “Science Magazine” nennt, muss man weit in die Vergangenheit blicken. Vor vielen hundert Millionen Jahren bestand die Landmasse der Erde noch aus einem einzigen, riesigen Urkontinent, der schließlich in zwei Teile aufspaltete. Aus der nördlichen Hälfte, Laurasia, bildeten sich die Regionen, die heute als Europa, Nordamerika und Asien bekannt sind, und aus dem südlichen Gondwana wurden Afrika, die Antarktis, Südamerika und Australien.

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Doch, wie sich nun herausstellte, trennte sich vor rund 240 Millionen Jahren ein weiterer Kontinent von dem Teil Gondwandas, der heute Frankreich, Spanien und Nordafrika bildet, ab. Lange Zeit driftete die geologische Masse durch tropische Meere, bis sie schließlich mit dem heutigen Europa kollidierte. Bei diesen Kollisionen bildeten sich durch das Aufeinanderstoßen riesiger Gesteins- und Erdmassen normalerweise unsere heutigen Gebirge. Der Großteil des bereits halb untergetauchten Greater Adria schob sich hingegen unter die Landformation, die schließlich zu Europa wurde.

Warum dauerte die Entdeckung so lange?

Auch die Felsmassen Greater Adrias, die nicht unter Europa verschwanden, trugen zu Gebirgsketten in den Alpen, dem Balkan, Griechenland und der Türkei bei. Doch, wie van Hinsbergen erklärt, ist die Mittelmeer-Region ein “geologisches Durcheinander”. Die Spuren – und damit auch die Daten – von Greater Adria liegen über 30 Länder verteilt, was die Erforschung enorm erschwerte. Zudem gab es die nötige Technologie und Software-Programme, die für die Forschung notwendig war, bis vor etwa einem Jahrzehnt noch nicht.

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