Fotografin dokumentiert jeden der 12.795 Gegenstände in ihrem Haus

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Nach ihrer Scheidung beschloss die Künstlerin Barbara Iweins, eine Inventur ihres Lebens zu machen. Und zwar auch von allem Materiellem, was es darin gibt.

Barbara Iweins hat ein intimes Selbstportrait erstellt - mit über 12.000 Fotos. (Symbolbild. Getty Images)
Barbara Iweins hat ein intimes Selbstportrait erstellt - mit über 12.000 Fotos. (Symbolbild. Getty Images)

Wie die Belgierin gegenüber CNN erzählte, arbeitete sie sich fast fünf Jahre lang, 15 Stunden die Woche von Raum zu Raum, um jeden einzelnen Gegenstand zu fotografieren und katalogisieren. Von einzelnen Lego-Steinen über Fernbedienungen bis hin zu Kleidung und Küchenutensilien – 12.795 Gegenstände waren es am Ende.

Das Projekt versteht Iweins als Antithese zur geschönten Darstellung des Lebens, beispielsweise in den sozialen Medien. "Alle versuchen sich zu schützen, indem sie eine idealisierte Version ihres Lebens zeigen", sagt sie: "Also habe ich mir gedacht: 'Okay, ich zeige alles. Es muss echt sein.'" So finden sich unter den fotografierten Dingen auch persönliche Gegenstände wie ein Vibrator oder drei Abdruck ihrer Zähne nach einem Zahnarztbesuch.

Die abertausenden Gegenstände wurden dabei nicht nur mit der Kamera festgehalten, sondern auch katalogisiert und geordnet – nach Farbe, Material und Häufigkeit der Benutzung. So fand Iweins zum Beispiel heraus, das blau die dominanteste Farbe in ihrem Haus ist, 43 Prozent ihrer Bad-Utensilien aus Plastik sind und 19 Prozent ihrer Bücher nie gelesen wurden.

"Jetzt kann ich anfangen, zu leben"

Iweins schätzt, für ihre Besitztümer über 121.000 Euro ausgegeben zu haben, einen sentimentalen Wert habe aber nur ein Prozent der Dinge. Dennoch fühle sie eine "Verbindung" mit ihren Sachen – und auch, wenn sie von ihren reisebegeisterten Mitmenschen dafür sogar etwas bemitleidet werde, geben ihr diese materiellen Dinge "Sicherheit".

Das Buch zur Fotoserie trägt den Namen "Katalog" und zeigt auf 368 Seiten ein intimes Porträt, das nach Iweins Scheidung und dem Tod ihres Partners für sie selbst zu einer Art "Therapie" und einem "Akt des Selbstschutzes" wurde: "Jetzt, da das Projekt fertig ist und ich herausgefunden habe, welche die wertvollen Dinge für mich sind, kann ich anfangen, zu leben."

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