Früher war ich Erzieherin, jetzt bin ich Curvy-Model auf Onlyfans — darum habe ich diesen Schritt nie bereut

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Dieser Artikel basiert auf einem Gespräch mit Danielle Zavala, einem Model aus der Gegend von New Orleans. Er wurde aus Gründen der Länge und Klarheit überarbeitet.

Hätte man mich vor fünf Jahren gefragt – ich hätte nicht gedacht, dass ich einmal ein OnlyFans-Model werden würde. Ich habe meinen Beruf gewechselt, nachdem ich zunächst zwei Jahre lang als Kindermädchen und fünf Jahre lang als Erzieherin in der Vorschule gearbeitet hatte. Ich habe es geliebt, mit Kindern zu arbeiten, und die Arbeit als Erzieherin war der beste Job, den ich je hatte.

Aber die Arbeitszeiten waren lang. Ich arbeitete etwa 40 Stunden pro Woche und fühlte mich langsam etwas ausgebrannt. Als 2020 die Pandemie ausbrach, hatte ich das Gefühl, dass alles außer Kontrolle geriet. Mein Kindergarten wurde ein paar Mal wegen Corona-Fällen geschlossen, und ich fühlte mich dort weder sicher noch gut aufgehoben.

Wir Erzieher und Erzieherinnen gerieten ständig mit der Leitung aneinander, weil unsere Sicherheitsbedenken für uns und die Kinder nicht ernst genommen wurden. Obwohl wir während der Pandemie viel härter arbeiten mussten und mehr Stress hatten, fühlten wir uns nicht wertgeschätzt – und verdienten auch kein zusätzliches Geld.

Ich verdiente sogar weniger, als ich zuvor als Kindermädchen verdient hatte. Mein Gehalt war zwar nicht der Hauptgrund für meine Kündigung. Aber es war ein Faktor, der mir zu schaffen machte. Also kündigte ich im Mai 2020 meinen Job – vor allem aus Sorge, mich mit dem Coronavirus anzustecken – und konzentrierte mich auf das Modeln. Bereits Ende März hatte ich angefangen, mit dem Modeln Geld zu verdienen. Zuerst war ich mir nicht sicher, welchen Weg ich einschlagen sollte. Ich dachte, ich könnte zwar etwas machen, das "sexy" ist, aber dass ich dafür erst abnehmen müsste.

Kontrolle über Karriere, Verdienst und Zeitplan

Nachdem ich dann angefangen hatte, auf Instagram zu posten, wurde mir klar, dass es ein riesiges Publikum gibt, das meinen Körper so liebt, wie er ist. Mir wurde klar, dass es einen Markt gibt, den ich erreichen konnte, indem ich einfach ich selbst war. Also beschloss ich, mich unter dem Namen Devi Thikk als sogenanntes Big-Beautiful-Women (BBW) Model zu versuchen.

Ich nutze jetzt OnlyFans und eine BBW-Seite namens Curvage dafür. OnlyFans und Curvage sind Webdienste, die kostenpflichtig vorwiegend erotische oder pornografische Fotos und Videos bereitstellen. Manchmal bekomme ich auch Zuschüsse über Cash App, eine App, mit der man einfach und direkt Geld an Leute verschicken kann. Ich arbeite jetzt etwa 20 Stunden pro Woche, verdiene aber mehr Geld als vorher an der Schule. (Business Insider hat Unterlagen eingesehen, die Zavalas Bruttoverdienst belegen. Sie verdiente im Oktober etwa 50 Prozent mehr durch OnlyFans, Curvage und Cash App, als in vier Wochen im April und Mai an ihrer Schule).

Außerdem habe ich die Kontrolle über meine Karriere und meinen Verdienst. Ich kann meinen Zeitplan selbst bestimmen und muss mir keine Sorgen machen, dass ich mich mit dem Coronavirus anstecke. Im Herbst hatte ich auch kurz einen Job in einem Bastelgeschäft, um ein wenig Geld dazuzuverdienen. Aber ich habe nach einem Monat wieder gekündigt. Sie waren dort unterbesetzt und versuchten, mit mir die Lücken zu füllen. Ich habe zu viel gearbeitet und musste mich mit einigen unhöflichen Kunden herumschlagen.

Am selben Tag, an dem ich den Job im Einzelhandel kündigte, sagte mir jemand, dass er die Online-Sexarbeit für „Selbstausbeutung“ halte. Ich sehe die Arbeit nicht als ausbeuterisch – vor allem nicht im Vergleich zu diesen Niedriglohnjobs, bei denen die Angestellten ausgenutzt und schlecht behandelt werden. In meinem Job muss ich nicht dulden, dass man mich schlecht behandelt. Ich kann Grenzen gegenüber Kunden setzen, und wenn diese überschritten werden, muss ich keine Geschäfte mit ihnen machen. Ich werde nicht nur weiterhin Online-Sexarbeit leisten, sondern plane sogar meine Stundenzahl zu erhöhen, damit ich mir ein Auto kaufen kann.

Langfristig denke ich darüber nach, wieder zur Uni zu gehen, um vielleicht Biologie zu studieren oder mein eigenes Seifengeschäft zu gründen. Aber egal, was ich später mache: Ich möchte nie wieder einen Job im Einzelhandel, in der Dienstleistungsbranche oder im Büro annehmen. Ich möchte einfach weiter meinen Interessen nachgehen – und Dingen, die mir Spaß machen.

Dieser Text wurde von Mascha Wolf aus dem Englischen übersetzt. Das Original findet ihr hier.

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