Frau aus Utah droht Haft, weil Stiefkinder sie oben ohne sahen

Die angeklagte Tilli Buchanan liest sich neben ihrem Anwalt Randy Richards während eines früheren Gerichtstermins noch einmal die Akte durch. (Bild: Leah Hogsten/The Salt Lake Tribune via AP)

Der US-Bundesstaat Utah gilt als hochmoralisch auch dank seiner mormonischen Bevölkerung. Jetzt sorgt ein Fall für Aufsehen, bei dem eine Frau angeklagt wurde, weil sie oben ohne von ihren eigenen Stiefkindern gesehen wurde.

Für europäische Beobachter wirkt der Fall hanebüchen: Tilli Buchanan und ihr Mann hatten eine Wand in ihrer eigenen Garage verputzt und dabei ihre T-Shirts ausgezogen, damit diese nicht schmutzig werden. Bei der Arbeit kamen zufällig die drei Kinder des Mannes im Alter zwischen neun und 13 Jahren in die Garage und sahen die beiden oben ohne. Die leibliche Mutter der Kinder - die bereits in einer anderen Angelegenheit in eine rechtliche Auseinandersetzung mit ihrem Exmann verwickelt ist - meldete den Zwischenfall an die Sozialbehörde, die diesen dann zur Anzeige brachten. Buchanan muss sich nun wegen eines geringfügigen Vergehens gegen das sogenannte “Lewdness Law” - das Gesetz gegen Anzüglichkeit - vor Gericht verantworten, ihr Mann wurde nicht angezeigt. Buchanan wollte die Anzeige nicht auf sich sitzen lassen und legte Widerspruch gegen diese Auslegung des Gesetzes ein.

Die Strafe, die sie möglicherweise erwartet, sollte es zu einem Verfahren kommen, wirkt absurd. Die Mutter könnte nicht nur für ihren halbnackten Auftritt für ein Jahr ins Gefängnis wandern, sie müsste sich nach amerikanischen Gesetz für zehn Jahre als “Sex Offender” registrieren, also als Sexualstraftäterin. In vielen Staaten ist dieses Datenbank öffentlich einsehbar, die Folgen beinhalten, dass man sich keiner Schule und keinem Kindergarten nähern darf und vermutlich würde sie auch das Sorgerecht verlieren. Es ist also nicht verwunderlich, dass Buchanan und ihr Anwalt die Anklage anfochten.

Richterin Kara Pettit hält die Anklage weiter für berechtigt (Bild: Leah Hogsten/The Salt Lake Tribune via AP)

Doch am Dienstag entschied die Richterin Kara Pettit, dass die Anklage rechtmäßig sei. Das Verhalten von Buchanan habe gegen eben dieses Anzüglichkeitsgesetz des Staates Utah verstoßen, so Pettit in ihrer Begründung. Buchanan und ihr Anwalt Randy Richards hatten versucht, das ursprüngliche Urteil anzufechten, indem sie es als diskriminierend darstellten. Das Gesetz, nach dem das Zeigen von nackten Oberkörpern anstößig ist, gilt nämlich nur für Frauen.

Davon wollte Richterin Pettit aber nichts wissen und stellte klar, dass es in den USA eine “allgemeine Übereinkunft” darüber gebe, dass eben nur weibliche Brüste anzüglich seien. Buchanan hatte sich auf eine Entscheidung im Nachbarstaat Colorado berufen, wo ein erfolgreicher Präzedenzfall unter anderem durch die Kampagne “Free the Nipple” zu einer Lockerung des dortigen Oben-ohne-Verbots geführt hatte. Hier liege der Fall jedoch anders, weil Kinder involviert seien, so die Begründung des Gerichtes in Utah.

Buchanan sagte dem Lokalsender FOX13 Salt Lake City, sie bezeichne sich selbst als Feministin. Es sei ihr auch darum gegangen, für das Recht einzustehen, dass jeder sich in seinem eigenen Haus frei und wie er wolle bewegen können sollte, so Buchanan weiter. Die Richterin sah dies offensichtlich anders. Es ist noch nicht klar, ob Buchanan in einer höheren Instanz Widerspruch einlegen wird. Tut sie das nicht, wäre der Weg für den Prozess gegen Buchanan wegen des Anzüglichkeitsverstoßes frei.