Frauen aufgepasst: Die Iren haben eine besondere Tradition für Schaltjahre

Jennifer Caprarella
Freie Autorin

Bei einigen Paaren herrscht ein gewisses Ungleichgewicht, was das Thema Heiraten betrifft. Sie würde gerne, er ja auch so ein bisschen - aber auf den Antrag kann sie trotzdem lange warten. Oder sie nimmt die Sache selbst in die Hand. Was normalerweise immer noch eine gesellschaftliche Ausnahmeerscheinung ist, ist alle vier Jahre erlaubt - zumindest nach irischer Tradition.

Normalerweise macht der Mann den Antrag - eine irische Tradition erlaubt jedoch Ausnahmen (Symbolbild: Getty Images)

Denn 2020 ist mal wieder ein Schaltjahr, also ein Jahr, in dem der Februar 29 Tage anstatt 28 hat. in Irland, einem Land voller wundersamer und wunderlicher Traditionen, ist es ein bekannter Brauch, dass in einem Schaltjahr, also einem Jahr mit 366 Tagen, Frauen den Männern einen Heiratsantrag machen können.

Nun leben wir in einem Zeitalter, in dem das sowieso erlaubt ist. Gleichberechtigung und so. Doch obwohl es in einer Ära der Emanzipation also gang und gäbe sein sollte, dass ebenso viele Frauen die Initiative in Sachen Heiraten ergreifen, halten die meisten doch an dem alteingesessenen Rollenmuster fest, dass der Mann vor der Frau auf die Knie zu gehen hat.

Grundsatzfrage: Darf man auf einer Hochzeit einen Heiratsantrag machen?

Nicht so in Irland - zumindest nicht in Schaltjahren, denn auch wenn es sich um einen recht altbackenen Brauch handelt, nutzen nicht wenige Frauen die Gunst der Stunde. Die Zeitung “Metro” zitierte eine kürzliche Studie, derzufolge 52 Prozent der Irinnen am 29. Februar geneigter wären, sich ein Herz und einen Ring zu nehmen.

Ein Brauch, der bis ins fünfte Jahrhundert reicht

Doch woher stammt die Tradition? Darüber ist sich die irische Folklore nicht ganz einig. Die bekannteste Folklore besagt, dass die heilige Saint Bridget mit Saint Patrick im fünften Jahrhundert einen Deal geschlossen hat: Damit Frauen nicht mehr eine halbe Ewigkeit auf einen Heiratsantrag von ihrem Liebsten warten müssten, dürften sie ihn an einem besonderen Tag selbst übernehmen - aber eben nur alle vier Jahre.

Frischverlobte Frau zeigt stolz ihren Ring - und erntet Spott

Später sei der Brauch nach Schottland überliefert worden, wo im 13. Jahrhundert von Queen Margaret ein Gesetz erlassen wurde, dass Frauen in einem Schaltjahr - übrigens das ganze Jahr über - den Antrag übernehmen dürfen. Sie verfügte außerdem, dass die Männer, sollten sie ihn ablehnen, eine Entschädigung zahlen sollten.

In dieser Form also eine Win-Win-Situation für Frauen. Erst im 20. Jahrhundert mit der Kommerzialisierung von Hochzeit und Anträgen nahm der etwas verstaubte Brauch wieder Fahrt auf. In Irland ist nach wie vor ausschließlich der 29. Februar für das Frauenpower-Proposal vorgesehen, und eine Entschädigung gibt es auch nicht. Wer aber seinem Freund etwas Dampf machen will, kann in diesem Jahr vielleicht auch abseits vom St. Patricks Day etwas irische Tradition nach Deutschland bringen. Die nächste Gelegenheit gibt es erst wieder in vier Jahren.