Frauen, die uns inspirieren: Die Non-Stop-Reise von Laura

Wind im Haar, Sand an den Füßen: Laura Link genießt jeden Tag ihrer Reise. (Bild: Placeless)


Eine Weltreise machen – für viele Menschen ein Lebenstraum. Laura Link hatte keine Lust mehr, nur zu träumen. Sie kündigte ihren Job, verkaufte ihr Auto und stieg in den Flieger. Ohne Rückflugticket. Ihre Erfahrungen teilt sie auf Facebook und auf ihrem Blog „Placeless“. Und das nicht nur aus Lust am Schreiben, sondern vor allem, um andere Menschen mit ihrem Tatendrang anzustecken.

Palmen, türkisfarbenes Meer, Cocktails am Strand – ganz schön gemein, wenn reisende Facebook-Freunde uns ständig unter die Nase reiben, dass wir selbst gerade im kalten Deutschland am Schreibtisch sitzen. Vor allem, weil man doch so gerne selbst eine ganz lange Reise machen würde … Solchen Gedanken hat Laura nur eine Antwort entgegenzusetzen: „Nicht quatschen, machen!“ Seit Juli 2016 ist die Gelsenkirchenerin auf Weltreise. Vor allem Asien hat es ihr angetan, aktuell postet sie begeistert Fotos aus Kambodscha und schwärmt auf ihrem Blog von der Schönheit des Landes. Doch ist es wirklich so einfach, solch eine Reise „einfach zu machen“?

Auch bei der 28-Jährigen kam diese Einsicht nicht von einem Tag auf den anderen. Vor allem, weil ihr Alltag kaum Raum ließ für den Gedanken, das Land auf unbestimmte Zeit zu verlassen. „Ich habe fünf Jahre lang studiert, habe meinen Master gemacht, einen guten Job angenommen, hatte eine hübsche Wohnung und einen süßen Mini. Wahrscheinlich war ich so etwas wie der Vorzeigebürger“, sagt sie. Doch schon damals sei all ihr Geld in Reisen geflossen, von denen sie eigentlich nie zurückkommen wollte. Ihr Gefühl sei immer dasselbe gewesen: „Ich hatte diesen Traum. Einfach frei zu sein und auf Reisen sagen zu können, ich bleibe noch ein bisschen.“ Und zwar nicht, weil sie vor irgendetwas fliehen wolle. Die Welt entdecken, neue Kulturen und Menschen kennenlernen, unterwegs sein. Das sei ihr Ziel, das mache sie glücklich.

Leben, wo andere Urlaub machen: Vor allem Asien hat es Laura angetan. (Bild: Placeless)


Die Unzufriedenheit mit dem vermeintlich perfekten Leben in Essen wuchs. Den Gedanken, eine Weltreise zu machen, habe sie lange nicht kommuniziert. Heute sagt sie: „Meine größte Hürde war ich selbst.“ Denn so groß der Wunsch, so groß waren auch die Zweifel. Wie würden die „Lieblingsmenschen“, wie Laura Freunde und Familie nennt, reagieren? Sie zu enttäuschen, das war ihre größte Angst. Doch die reagierten nach vielen langen Gesprächen sehr positiv. Nachdem Laura ihre Wohnung vermietet hatte, konnte sie bis zur Abreise bei ihrer Mutter wohnen. Der Vater hat für Heimatbesuche extra ein Gästezimmer eingerichtet. „Sie unterstützen mich total.“

Viele Fragen musste Laura auch zu ihren Vorstellungen von Job und Geld beantworten. „Natürlich hatte ich auch große Zweifel bezüglich des Jobs, aber ich glaube auch nur, weil mein Handeln so anders war als das der anderen Menschen in meinem Umfeld.“ Ihr sei klar gewesen, dass sie mit der Kündigung nicht nur den Job, sondern auch ihre Karriere aufgäbe. Doch der Wunsch zu reisen war stärker. „Zur Not mache ich nach meiner Rückkehr erstmal zwei Minijobs, um mich über Wasser zu halten.“

Vier Stunden im Hotel jobben, dann an den Strand: So finanziert Laura ihre Reise. (Bild: Placeless)


Auch die Finanzierung, für viele ein Hauptargument, eine Weltreise als nicht realisierbar zu verwerfen, war für Laura kein Argument. Und das, obwohl sie nie ein dickes Sparbuch besaß. Das Startkapital brachte ihr der Verkauf des Autos ein. In Asien angekommen wurde Laura selbst aktiv. „Wichtiger als das Geld ist die Motivation. Ich hätte es mir nie leisten können, einen Monat in einem Strandbungalow zu wohnen. Also habe ich kurzerhand in der Hotelanlage mit angepackt. Vier Stunden Arbeit am Tag für eine kostenlose Unterkunft.“ Weitere Jobs sowie der Verzicht auf Luxus ermöglichen ihr bis heute das Leben im Ausland ohne viel Geld.

Und der Blog? Für Laura die perfekte Möglichkeit, sich mit anderen Reisenden zu vernetzen – und all jenen, die sich bisher noch nicht getraut haben, die Koffer zu packen, ihre Zweifel zu nehmen. Ihr geht es um den Erfahrungsaustausch, sagt sie. Sie habe auf diesem Wege schon viele tolle Menschen mit ähnlicher Reisebegeisterung kennengelernt und ein paar sogar schon unterwegs getroffen.

Genauso wie unzählige andere Backpacker und Einheimische, mit denen die alleinreisende Laura ihre Erlebnisse teilt. Klar, ihre Lieblingsmenschen vermisse sie schon. Doch sie habe ihre Entscheidung noch keinen Tag bereut. Stattdessen sprudeln die Geschichten über ihre großartigen Erlebnisse nur so aus ihr heraus. „Wir waren zum Beispiel am Waihi Beach in Neuseeland. Wir hielten dort mit unserem Auto, kochten mit dem Gaskocher unser Frühstück, während die Surfer auf die Jagd nach Wellen gingen. Die Atmosphäre war berauschend. Oder als zwei kleine Jungs mich durch den Dschungel in Laos führten und ich am Rande des Dschungels in einer stockdunklen Höhle schwimmen durfte. Die Natur verzaubert mich, die Kulturen begeistern mich.“

Mit einheimischen Kindern geheime Orte entdecken: Laura auf Laos. (Bild: Getty Images)


Echte Rückschläge habe es bisher keine gegeben, und auch die Sorge, als Frau allein unterwegs zu sein, teilt Laura nur bedingt. „Ist es nicht immer im Leben so, dass man Risiken eingehen muss, wenn man nicht den einfachsten Weg wählt?“ Natürlich solle niemand leichtsinnig reisen und sich vorher über den Zielort informieren. Aber: „Wer als Frau einmal alleine reist, wird es wieder tun.“

Laura tut es noch, und zwar mit open end. „Ich habe meiner Familie gesagt, dass ich zwischen drei Monaten und drei Jahren unterwegs bleiben werde. Ob das stimmt? Keine Ahnung.“ Regelmäßig ändert sie ihre Pläne ganz spontan. Auch das ist für sie Teil der Freiheit, nach der sie strebt. Ihr Tipp für alle Unentschlossenen: „Die beste Entscheidung ist eine gute Entscheidung und die schlechteste Entscheidung ist gar keine. So oder so, entscheide dich und sorge danach dafür, dass deine Entscheidung zu einer guten Entscheidung wird. Du hast es in der Hand!“