Frauen im Film: Sexobjekt trotz Führungsposition?

Jennifer Lawrence war 2018 im Thriller "Red Sparrow" zu sehen. (Foto: Fox)

Frauen in Führungspositionen sind im Film nicht mehr die absolute Ausnahme. Immerhin hatte in den neueren 007-Filmen selbst James Bond eine Frau als Vorgesetzte. Dann hat sich die Sache mit der mangelnden Gleichberechtigung also zumindest im Kino erledigt, oder? Keinesfalls, wie die Zahlen einer neuen Untersuchung nahelegen.

Eine Kolumne von Carlos Corbelle

Ob nun Politik oder Wirtschaft: Frauen in Führungspositionen werden auf der Leinwand nur allzu gern als Sex-Objekte porträtiert, die dabei auch mal gern nackt durchs Bild laufen. So lautet der Befund einer gemeinsamen Untersuchung von Plan International, einer Organisation, die sich für die Gleichberechtigung von Mädchen einsetzt, und dem Geena Davis Institute on Gender in Media, das auf Stereotypen und Sexismus in Medien aufmerksam macht.

Unterfüttert wird das Ganze durch Zahlen, die sich durch den Blick auf die 56 finanziell erfolgreichsten Filme in 20 Ländern im vergangenen Jahr ergeben: Frauen in Führungspositionen sind dabei viermal öfter in freizügiger Kleidung zu sehen als Männer (30% im Vergleich zu 7%), fast doppelt so oft halbnackt (15% im Vergleich zu 8%) und viermal so oft komplett nackt (2% im Vergleich zu 0.5%).

Nun sagt das natürlich erstmal nur etwas über die Häufigkeit aus und nicht über einen möglicherweise guten dramaturgischen Grund in den jeweiligen Szenen. Nacktheit per se ist nämlich erstmal nicht das Problem, das Problem ergibt sich durch den Kontext, die Art der Darstellung und die Haltung, die dahinter zum Vorschein kommt. Dennoch ist es schon bezeichnend, dass bei Frauen offenbar viel öfter der Drang vorhanden zu sein scheint, sie mehr oder weniger nackt zu zeigen - kennt man ja, die ganzen Frauen in Führungspositionen, die den halben Tag lang nackig rumlaufen. Girls just wanna have fun und so.

Zu wenig Frauen hinter der Kamera

"Die Ergebnisse sind nicht überraschend, wenn man bedenkt, dass 2018 nicht ein einziger Top-10-Film aus 20 Ländern von einer Frau inszeniert wurde, nur ein Viertel der Filme eine weibliche Produzentin und nur einer von 10 Filmen eine Frau im Autoren-Team hatte", sagt Anne-Birgitte Albrectsen, CEO von Plan International.

Die Heldin übernimmt selbst das Steuer: Hailee Steinfeld in "Bumblebee". (Foto: Paramount)

Recht hat sie! Die Untersuchung ist auch deshalb interessant, weil sie zeigt, dass es nicht ausreicht, Frauen in Machtpositionen zu zeigen. Es kommt auch wesentlich darauf an, wie man sie zeigt. Der voyeuristische Blick von "Transformers"-Regisseur Michael Bay auf Megan Fox ist eben etwas völlig anderes als der Blick auf Hailee Steinfeld im "Transformers"-Ableger "Bumblebee", bei dem Travis Knight die Regie übernahm. Um nur ein Beispiel aus der Blockbuster-Welt zu nennen.

Übrigens war erst gestern eine Kandidatin bei "Wer wird Millionär?" zu sehen, die einst beim Bond-Film "Ein Quantum Trost" als Statistin mitspielte. "Der Traum von Millionen Frauen auf der ganzen Welt", klärte Moderator Günther Jauch auf. "Einmal Bond-Girl sein".

Diese Art der Wahrnehmung ist Teil des Problems. So ist der "Traum von Millionen Frauen" wohl eher, selbst die coole Geheimagentin zu sein. Also Protagonistin ihrer eigenen Geschichte statt bloß hübsches Beiwerk des Helden.

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