Für die Tiger: Ein britischer Zoo bittet um Parfüm-Spenden

Ein britischer Zoo hat diese Woche seine Gäste dazu aufgerufen, Parfüm-Reste zu spenden. Weil die Tiger und Löwen angeblich total auf die feinen Gerüche abfahren. Was steckt hinter dieser Obsession?

Um den Alltag im Zoo etwas spannender zu gestalten, sprühen Wärterinnen und Wärter gern ein bisschen Parfüm in den Gehegen der Großkatzen aus. (Symbolbild: gettyimages / Petra Invernizzi)

Lästigen Körpergeruch überdecken wir Menschen gerne mit feinen Düften: Deos, Seifen oder Parfüm. Und was unseren menschlichen Nasen schmeichelt – das wissen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler schon seit Jahren – wirkt auch auf Großkatzen wie Tiger, Löwen und Jaguare überaus anziehend. Vor allem für „Obsession“ von Calvin Klein haben die Tiere eine besondere Obsession.

Das hat bereits vor Jahren ein Experiment im New Yorker Zoo gezeigt. Dabei haben Forschende im Geparden-Gehege eine Kamerafalle mit 23 verschiedenen Düften besprüht. Wie das Reportagemagazin Geo dazu schreibt, ließen die meisten Düfte die Katzen nur wenige Sekunden verweilen, einige wenige rochen immerhin minutenlang interessant. Am längsten beschäftigten sich die Geparden aber mit „Obsession“ – ganze elf Minuten. Der Grund liegt in der Rezeptur des Parfüms: Die extrem geruchsempfindlichen Geparden erschnuppern den enthaltenen Zusatzstoff Zibeton – die Duftmarke der Afrikanischen Zibetkatze, ein Lockstoff.

Eine andere Meldung über einen Zoo sorgt für Entsetzen: Erschreckender Zustand von Löwen in sudanesischem Zoo

Mit Parfüm auf der Jagd

Die immense Anziehungskraft des Parfüms haben 2018 indische Ranger im Bundesstaat Maharashtra sogar dazu genutzt, eine wilde Tiger-Dame anzulocken und zu erschießen. Sie stand unter Verdacht, 13 Menschen getötet zu haben. Dafür wurde sie ganze sechs Monate lang von hunderten Soldaten, Planierraupen, Scharfschützen, Geländewagen, einer Drohne mit wärmesensibler Kamera und sogar fünf Elefanten gejagt. Glücklos. Erst ein paar Spritzer des Parfüms hatten das Tier laut der New York Times aus seinem Versteck geholt.

Moschus, Zitrone, Zibeton: Die Tiere lieben es

Seit dieser Woche nun ist die Vorliebe von Großkatzen für Parfüm wieder in den Medien, dank eines Berichts der britischen BBC über den Banham Zoo in Norfolk. Der hat am Dienstag auf Twitter seine Gäste zu Spenden aufgerufen: „Unsere Großkatzen würden sich über euer altes Parfüm freuen! Unseren Tierpflegerinnen und Tierpflegern ist aufgefallen, dass sich die Bestände dem Ende neigen.“ Laut dem Zoodirektor Mike Woolham sei natürlich Calvin Klein immer gern gesehen, aber seine Tiere würden eine ganze Bandbreite an Düften lieben. Vor allem die mit Moschus.

Vor einiger Zeit hat die Presseagentur AP berichtet, dass in dem US-Bundesstaat Carolina in einer Tiger-Auffangstation „Axe Body Spray“ sehr gut ankomme. Nur ein Leopard, wohl eher die Ausnahme, bevorzuge fruchtige zitronige Gerüche.

Tierexperten und Tierexpertinnen auf der ganzen Welt, auch zahlreiche Zoos, nutzen gern Düfte für die Arbeit mit Großkatzen. Aber auch, um den Alltag hinter Gittern etwas aufzupeppen. Die Tiere beschäftigen sich dann eingehend mit den besprühten Stellen in ihrem Gehege, was sie körperlich und geistig fordert. Außerdem rollen sie sich darin herum, vermutlich um ihren eigenen Geruch zu überdecken - ein Grund, den auch der Mensch nur allzu gut nachvollziehen kann.

Und zum Schluss noch ein Video, an dem man sich nicht sattsehen sehen kann: Letztes Jahr wurden diese zwei weißen Löwenbabys geboren - süßer geht’s kaum: