Für eine nachhaltige Digitalisierung: Umweltministerin will schlechtere Qualität bei Handys und Co.

Willy Flemmer
Freier Autor für Yahoo

Fernsehen, Handys und Computer sind große Umweltsünder, weil die immer besser werdenden Geräte immer mehr Strom verbrauchen. Aus diesem Grund fordert Umweltministerin Svenja Schulze eine energieeffiziente Digitalisierung. Einer ihrer Vorschläge: Die Qualität der Endgeräte sollte gemindert werden.

Soll das Internet der Umwelt zuliebe langsamer werden und Endgeräte wie das Smartphone qualitativ schlechter? (Bild: Getty Images)

Die Digitalisierung ist nicht mehr aufzuhalten. Zumal sie immer schneller voranschreitet und schon so fortgeschritten ist, dass eine Umkehr kaum mehr möglich ist. Aber sie kann immerhin abgebremst werden.

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Die Prozessoren, Motoren und Maschinen, die das System immer mehr beschleunigen, können und sollten gedrosselt werden. Das jedenfalls ist die Meinung von Svenja Schulze. Die Bundesumweltministerin will sich für eine nachhaltigere Digitalisierung einsetzen und fordert unter anderem eine Minderung der Qualität unserer digitalen Geräte.

Streaming-Qualität drosseln und damit Strom sparen

"Wenn wir permanent am Handy streamen, dann kostet das Energie. Das sind Rechenleistungen, die dahinter stecken", sagt Schulze im Polit-Talk "Die richtigen Fragen" der Zeitung Bild. Deshalb sollte die Streaming-Qualität und die Bild- und Tonstandards bei Handys und Konsorten überdacht werden, empfiehlt die SPD-Politikerin. "Muss eigentlich für jedes Handy die Bildschirmauflösung für Filme so hoch sein?", fragt sie, um festzustellen: "Wir können das mit dem menschlichen Auge gar nicht wahrnehmen. Kann man das nicht ein wenig runtersetzen? Dann haben wir das gleiche Erlebnis am Handy, aber es wird weniger Strom verbraucht".

Müssen Videos auf dem Handy in so hoher Qualität gestreamt werden? (Bild: Florian Gaertner/Getty Images)

Anfang einer Debatte?

Schulzes Lösungsvorschlag hat Potenzial für eine Debatte. Es würden Pros auf Kontras prallen. Fakt ist indes, dass die Digitalisierung tatsächlich mit einem immensen Stromverbrauch einhergeht. Allein in Deutschland hat das Internet im Jahr 2018 rund 55 Terawattstunden Energie verbraucht, wie die Bild berichtet. 80 Prozent davon entfällt auf das Videostreaming. Rund sieben Prozent des weltweiten Stromverbrauchs gehen auf die Konten von IT und Internet.

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In puncto Stromsparen dürfte Schulze mit ihrem Vorschlag bei den Verantwortlichen der Digital-Konzerne auf offene Ohren stoßen. Da ihre Rechenzentren viel Strom verbrauchen, lassen sich Google, Apple, Facebook und Co. ohnehin einiges einfallen, um ihren Verbrauch und damit die Kosten möglichst gering zu halten. Viele Unternehmen denken dabei sogar an die Umwelt, indem sie zur Stromerzeugung auf erneuerbare Energien setzen. Ob sie allerdings freiwillig die Qualität ihrer Angebote mindern und damit riskieren würden, ihre Kunden zu vergraulen, darf getrost angezweifelt werden.

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