Gedankenlesen, Telepathie und Co.: Was steckt hinter diesen psychologischen Tricks?

Wer möchte nicht in der Lage sein, die Zukunft vorherzusagen oder mit den Toten kommunizieren zu können? Einige Leute behaupten, eine besondere Gabe zu besitzen, die Ihnen erlaubt, eine Menge Geld für ihre Dienstleistungen zu beanspruchen. Doch wie ist das möglich? Werden wir nur abgezockt? 

Übersinnliche Wahrnehmung (ESP), auch bekannt als "sechster Sinn", bezeichnet die Erkennung von Informationen, die durch den Geist wahrgenommen werden, anstatt durch die traditionell bekannten fünf Sinne: Sehen, Hören, Riechen, Berühren und Schmecken. Wahrsager behaupten, diese paranormale Kraft zu besitzen.

Das Geschäft mit der Zukunft ist lukrativ. Mit dieser Art von Dienstleistungen kann durchschnittlich 68 Euro pro Stunde verdient werden, kein schlechter Lohn. 

Menschen, die an paranormale Ereignisse glauben, sind in allen sozialen, kulturellen und ökonomischen Schichten vertreten. Der Glaube an paranormale Kräfte hat nichts mit dem Intellekt zu tun. Studien belegen, dass zum Beispiel jeder dritte Amerikaner an etwas "Übernatürliches" glaubt.

Aber warum sind sie so überzeugend?

Wahrsager und Gedankenleser treffen Aussagen, die unheimlich persönlich klingen, sodass die Klienten sich fragen, wie die Hellseher diese Informationen hätten wissen können – wenn sie keine paranormalen Kräfte besitzen. Fachleute verwenden eine breite Palette von Techniken, um Kunden davon zu überzeugen, dass sie Informationen über sie haben.

Geht es um Auftritte auf der Bühne, ist eine mystische Aura immer ein Plus, wenn man Leuten erzählt, was sie hören wollen. Eine große Auswahl an Requisiten verschafft gleichzeitig Glaubwürdigkeit. Wenn die Sitzung privat durchgeführt wird, ist das Zimmer in der Regel gemütlich und mit einer Vielzahl von Requisiten dekoriert. Einige alte Bücher, Kerzen und schwaches Licht können schon beeindrucken. Wenn der Klient eine vorgefertigte Meinung besitzt, dass das Medium glaubwürdig ist, wird es für die "Magier" natürlich umso einfacher.

Hellseher zeigen ihre eigene Show. Ob vor einem Live-Publikum in einem großen Theater oder in einer intimeren Umgebung mit einer kleinen Gruppe von Menschen – oft liefern sie eine großartige Aufführung ab. Und wie es bei jeglicher Show ist, bedarf auch das Hellsehen penibler Vorbereitung. Es gibt die unterschiedlichsten Techniken, mit denen sich die Wahrsager auf ihre Performance vorbereiten.

Heißes Lesen bedeutet, sich vorher Informationen über den Klienten zu beschaffen. Je mehr Wissen ein Medium besitzt, desto genauer können die Aussagen getroffen werden. In der heutigen Zeit ist es einfacher als je zuvor, Informationen über eine Person zu erhalten. Die meisten Menschen geben etwa eine große Menge an persönlichen Informationen auf sozialen Plattformen preis. Dort sind sie für alle leicht zugänglich. Diese können dann verwendet werden, um den Kunden mit Wissen über sich selbst zu begeistern. Vor dem digitalen Zeitalter haben Assistenten die Kunden ausspioniert. Umfassendere Schemata müssen natürlich angewendet werden, wenn die Sitzungen ein größeres Publikum betreffen. 

Dann gibt es Kaltes Lesen. Dies ist eine weitere weit verbreitete Technik. Sie beinhaltet die Analyse von Kunden auf verschiedene Art und Weise im direkten Gespräch. Dazu gehört die Interpretation ihrer Körpersprache, ihres Aussehens, ihrer Rasse, ihrer Religion und anderer Merkmalen. Die Hellseherin verwendet allgemeine Aussagen mit hoher Wahrscheinlichkeit, basierend auf den in kurzer Zeit gesammelten Informationen. Der Grund, warum diese Technik so effektiv ist, ist der kognitiven Verzerrung, auch "Subjektive Validierung" genannt, geschuldet. Dabei weisen die Kunden den Wörtern, die ihnen das Medium sagt, eine Bedeutung zu. Dadurch werden Aussagen persönlich und bedeutungsvoll. 

Hilfreich ist auch der Barnum-Effekt, auch als Forer-Effekt bekannt. Es handelt sich um ein psychologisches Phänomen, das auftritt, wenn Menschen Aussagen, die über sie getroffen werden, als korrekt akzeptieren und validieren. Diese sind jedoch in der Regel vage getroffen und können für viele Menschen gelten. Dies kann ein Grund dafür sein, weshalb so viele Menschen an Horoskope glauben.

Es gibt einige typische Beispiele von Formulierungen, wie diese Sätze klingen könnten, hier kommen einige davon.

Was ist, wenn jemand zu Ihnen sagt, dass "Sie manchmal ziemlich kritisch gegenüber sich selbst sind" oder dass "Sie sich manchmal nicht sicher sind, ob Sie die richtige Entscheidung getroffen haben?" Klingt vertraut, oder? Aus diesem Grund funktionieren diese Verallgemeinerungen. Es geht um die Erkennung des Selbst. Menschen sind auch hervorragend im selektiven Denken. Dies bezeichnet die – meist unbewusste – Technik, sich nur noch auf die Informationen konzentrieren, von denen sie glauben, dass sie auf sie anwendbar sind – alle anderen werden ignoriert.

Bei größeren Gruppen sind solche Aussagen natürlich schwerer zu treffen, aber auch hier gibt es Möglichkeiten. Diese heißen Schrotflint-Aussagen. Die Personen werden vorher gescreent und es wird untersucht, wie ein Publikum das Erlebnis erfährt. Viele Standard-Statements treffen immer zu. Zum Beispiel reagiert ein Publikum mittleren Alters eher positiv auf Aussagen wie "Ich weiß, dass jemand in diesem Raum in letzter Zeit einen nahestehenden Menschen verloren hat".

Möglich ist auch eine Zeitverschiebung. Dies geschieht, wenn das Medium dem Klienten eine Frage stellt und nach einer Pause sagt, dass der Geist eines geliebten Menschen ihnen die gleiche Information gegeben hat. Dies verstärkt die Illusion, dass das Medium Informationen von der "anderen Seite" erhält.

Ein Medium kann auch Negativ-Fragen nutzen. Wenn der Klient zum Beispiel sichtbar außer Form ist, kann er etwas sagen wie "Sie mögen es nicht zu trainieren, oder?" Der Kunde validiert die Aussage wahrscheinlich. 

So kann jegliche Information, die die Kunden preisgeben – egal ob durch direkte Aussagen oder die Körpersprache – vom Medium zum eigenen Vorteil genutzt werden. Sie werden die Aussagen in wichtigen Momenten an die Kunden zurückgeben, so dass der Eindruck entsteht, die Experten hätten dies die ganze Zeit über gewusst.

Manchmal verstehen Hellseher Dinge aber natürlich auch falsch. Deswegen sagen sie den Kunden normalerweise, dass ihre Einschätzungen nicht zu 100% richtig sind und umgehen so Misstrauen.  

Fortschrittlichere Techniken werden inzwischen ebenfalls von Experten verwendet, wie Gedankengang-Techniken. Häufig verwendet ist die neurolinguistische Programmierung, auch bekannt als NLP. Dies ist eine Technik, die verwendet wird, um den Geist zu beeinflussen und folglich das Verhalten von Personen zu verändern. Diese Technik wird unter anderem in der Selbsthilfe-Industrie sowie im Vertrieb verwendet. Klingt nach etwas, dass Hellseher gut gebrauchen können, oder? Die Idee ist, dass neurologische Sprach- und Verhaltensprozesse miteinander verknüpft sind und daher Verhaltensmuster programmiert werden können.

Und wie vermeidet man es, betrogen zu werden? Nun, seien Sie skeptisch. Wenn Menschen die Fähigkeit hätten, die Zukunft vorherzusagen oder mit den Toten zu kommunizieren, würden dann nicht vermisste Menschen gefunden werden? Und größere Verbrechen und Katastrophen vermeidbar sein? Ganz zu schweigen von den ganzen Casinos, die pleite gehen würden!