Geschäfte und Gefälligkeiten: Wie Stars ihre Kleider für die Oscars auswählen

Es sind meist nur wenige Minuten, die ein Oscar-Look wirklich zu sehen ist. Ein Gang über den roten Teppich, vielleicht eine kurze Rede auf der Bühne, und das war’s. Doch diese Minuten sind entscheidend für Stars und Designer, denn das modische Schaulaufen wird häufig ähnlich diskutiert wie die Preisverleihung selbst. In den Looks steckt deshalb jede Menge Aufwand, Geld - und Politik.

Persönlicher Stil spielt bei den Oscars sicher eine Rolle - vor allem aber Geld, Gefälligkeiten und Geschäfte (Bild: Kevork Djansezian/Getty Images)

So schön und simpel der vollendete Look auf dem Red Carpet der Oscars am Ende aussieht, geht ihm meist ein langwieriger und geschäftlicher Prozess voraus, in den diverse Faktoren und Verhandlungen einfließen.

Entscheidend für den Designer: Darf der Star auf die Bühne oder nicht?

Abgesehen von der Berühmtheit des Stars ist dabei nicht unerheblich, ob der Star nominiert ist oder zumindest einen Oscar überreichen darf, wie Star-Stylistin Emily Sanchez, die schon Promis wie Renee Zellweger, Glenn Close und Naomi Watts einkleidete, der Zeitung “The Independent” erklärt.

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Stylisten kontaktieren die Designer oft schon Wochen vor den Oscars, wie Sanchez erklärt. Wenn der Promi aber nicht gerade auf Werbeplakaten für das neueste Parfum des Hauses prangt oder es sich um einen besonders hochkarätigen Star handelt, gibt es keine Garantien, dass sie sofort eine Zustimmung erhalten.

Die Frage, wie sichtbar der Star letztlich ist, gestalte sich jedoch kompliziert. “Bei Nominierungen ist es nicht immer sicher, wer eine bekommt oder wer dann auch tatsächlich zum Event auftaucht”, sagt Sanchez. Dennoch würden viele Designer die Bekanntgabe erstmal abwarten. “Präsentatoren werden oft erst in der Woche vor der Preisverleihung verkündet, also ist das ein weiterer Knackpunkt, aber Marken haben definitiv Interesse daran, Nominierte und Präsentatoren einzukleiden, weil dabei mehr Presse rausspringt.”

Nicht nominiert, aber mit viel Bühnenpräsenz und Prominenz: Brie Larson, Sigourney Weaver und Gal Gadot dürften bei den Oscars keine Probleme gehabt haben, einen Designer zu finden (Bild: Kevin Winter/Getty Images)

Viel Geld ist im Spiel

Nicht nur die Designer haben jedoch immer das letzte Wort. Je berühmter und exponierter der Star, desto höher ist der Werbeeffekt für das Modehaus - und das lassen sich hochkarätige Promis einiges kosten. Vor einigen Jahren machte Karl Lagerfeld öffentlich, dass Meryl Streep ihm einst eine kurzfristige Absage erteilt hatte, weil er ihr nichts für das Tragen des Kleides zahlen wollte.

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Dem Magazin “WWD” sagte er: “Ich machte eine Skizze, und wir hatten mit dem Kleid schon angefangen, als ich eine Nachricht bekam: ‘Arbeitet nicht weiter an dem Kleid, wir haben jemanden gefunden, der uns bezahlt.’” Wie Jessica Paster, die unter anderem mit Cate Blanchett und Sandra Bullock arbeitet, “The Independent” verrät, ist es sogar absolut üblich, dass Designer die Stars dafür bezahlen, ihre Kreationen vorzuführen.

Der Preis geht oft noch vor dem Modegeschmack der Stars

Der Preis hängt jedoch ganz davon ab, wie das Kleid aussieht. “Wenn das Kleid schrecklich an der Klientin aussieht, ist es das unter 250.000 Dollar nicht wert, es zu tragen”, sagt Paster. Bei manchen Outfits, die nichts als die Frage “Was hat sie sich dabei nur gedacht?” hervorrufen, dürfte so manchem Red-Carpet-Beobachter damit ein Licht aufgehen.

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Schöne Kreationen werden dennoch nicht umsonst gemodelt: “Wenn es toll aussieht und wir uns ohnehin dafür entschieden hätten, warum sollte sie nicht dafür bezahlt werden?”

Was es letztendlich kostet, einen Star komplett für die Oscars einzukleiden, will Sanchez nicht verraten. Laut “The Insider” verschlingt ein kompletter Look für die A-Promis im Schnitt 10 Millionen US-Dollar. Der bislang teuerste war Cate Blanchetts Armani-Outfit im Jahr 2014, der 18,1 Millionen Dollar kostete.

2014 gewann Cate Blanchett den Oscar "Blue Jasmine" - und brach in Armani den Rekord für das teuerste Oscar-Outfit (Bild: Jason Merritt/Getty Images)

Was passiert mit den Kleidern nach der Verleihung?

Selbst die größten Stars dürften die Kleider übrigens nicht immer behalten. Meist handelt es sich auch bei A-Promis nur um eine Leihgabe.

“Manche Marken wollen es für ihre eigenen Archive behalten”, sagt Stylistin Micaela Erlanger, die unter anderem mit Lupita Nyong’o und Meryl Streep arbeitet. “Das entscheidet immer der Designer, und die Klientin ist auch so zufrieden. Ich würde sagen, die Hälfte der Kleider geht zurück.”

Eine Ausnahme bilden Schauspielerinnen, deren Kleider speziell für sie angefertigt würden. Größere Chancen haben außerdem Stars, die den Oscar tatsächlich gewinnen. In solchen Fällen zeigen sich die Designer oft großzügiger. Andernfalls stehen die Stylistinnen am Tag nach der Verleihung auf der Matte, um Kleid, Schmuck und alle anderen Accessoires wieder zurück zu ihrem Besitzer zu bringen.