Wie gesund ist Hafermilch wirklich?

Lydia Wang
·Lesedauer: 4 Min.

Aus irgendwelchen Gründen wird Hafermilch – eine eigentlich ziemlich unspektakuläre, nachhaltige und inzwischen weit verbreitete Milchalternative – immer wieder zur Zielscheibe für Kontroversen und Hass. Diesmal auf Twitter, wo sich einige fragen, ob der Hafermilch-Gigant Oatly seine Kund:innen mit falschen Gesundheitsversprechen in die Irre führen will.

Das Ganze fing an, als eine Userin vor einer Woche einen Link zu einem Blogpost aus dem August 2020 postete. Der trägt den Namen „Oatly: The New Coke“ (z. Dt.: „Oatly: Die neue Cola“), und sein Autor, Nat Eliason, kritisiert darin nicht nur die Marketing-Taktik der Firma, sondern auch den angeblich hohen Zuckergehalt von Oatly-Produkten. „Es erstaunt mich immer noch, dass Oatly einen Super-Zucker-Getreide-Saft entwickelt, Rapsöl reingemischt und dann mit (grandiosem) Marketing alle überzeugt hat: Das ist gut für euch“, twitterte @keccers zusammen mit einem Ausschnitt aus Eliasons Artikel.

In dem Zitat behauptet Eliason, dass beim Prozess der Haferverarbeitung eine natürliche Zuckerform namens Maltose entstehe. Wer also rund 350 Milliliter Oatly in ein Getränk kippe, schreibt er, könnte demnach genauso gut einen Esslöffel Zucker reingeben. Dieses Argument hat aber ein paar irreführende Schwachstellen: Zuallererst mal kippen durchschnittliche Oatly-Trinker:innen wahrscheinlich nicht gleich so viel Hafermilch auf einmal in den Kaffee. Und obwohl einige Menschen vielleicht durchaus so viel auf einmal trinken – und hey, ein großer Latte Macchiato braucht ja auch ordentlich Milch(-alternative) –, ist Zucker nicht gleich Grund zur Panik. Wie auch jemand unter dem Post kommentierte: „Wenn du deinen Kaffee ohnehin nur mit Zucker trinkst, klingt ein Esslöffel davon in einer normalen Kaffeetasse eigentlich ziemlich normal.“

Dazu kommt: Hafermilch (oder „Haferdrink“) hat eindeutige gesundheitliche Pluspunkte. Sie ist zum Beispiel eine tolle Quelle für Kalzium, Vitamin D und Vitamin B. Und wie auch im Fall von Kohlenhydraten, Fett und vielen anderen Substanzen, die im Zusammenhang mit Ernährung und Diäten immer wieder erwähnt werden, ist allein die Existenz von Zucker kein Beweis dafür, dass ein Produkt oder Gericht automatisch „schlecht“ oder „ungesund“ ist. Diese weit verbreitete Panik sorgt nur dafür, dass sich Leute, die eigentlich sehr gesund leben, für ihren Zuckerkonsum schämen oder sich darüber Sorgen machen. Und Fakt ist: Selbst wenn du dir darüber den Kopf zerbrichst, macht ein Schuss Hafermilch kaum einen Unterschied.

Die meisten Leute wechseln aber nicht ausschließlich von Kuh- zu Hafermilch (oder anderen Alternativen), um ihre Ernährung umzustellen. Schließlich ist Hafermilch vor allem für Leute mit Nuss- oder Sojaallergien bzw. Laktoseintoleranz eine tolle Option; noch dazu gilt Hafermilch als die nachhaltigste und somit als umweltfreundlichste Milchalternative. Alle pflanzenbasierten Milchalternativen produzieren deutlich weniger Treibhausgase, aber zum Beispiel verglichen mit Mandelmilch erfordert die Hafermilchproduktion deutlich weniger Wasser. Und das weiß auch Oatly selbst. 2018 erklärte Oatlys Präsident Mike Messersmith die Ziele der Marke: „Oatly wurde gegründet, um eine pflanzenbasierte Ernährung voranzutreiben, die sich hinsichtlich Nachhaltigkeit und Klimawandel auf jeden Fall lohnt“, erzählte er gegenüber BuzzFeed.

Klingt alles erstmal traumhaft – allerdings ist Oatlys Weste auch nicht ganz rein. Zu kritisieren wäre da zum Beispiel die kontroverse Partnerschaft der Marke mit der amerikanischen Investmentgesellschaft Blackstone Group, die in der Vergangenheit in eine brasilianische Firma investiert hat, die angeblich zur Zerstörung des Amazonas-Regenwaldes beitragen soll. Nachdem viele treue Kund:innen danach anfingen, Oatly zu boykottieren und als heuchlerisch zu bezeichnen, veröffentlichte Oatly ein Statement.

„Wenn wir jemals eine Chance haben wollen, die globalen Klimaziele zu erreichen, die Treibhausgasemissionen vor 2030 um 50 Prozent zu reduzieren und bis 2050 Netto-Null-Emissionen zu erreichen, müssen wir eine Sprache sprechen, die auch die Markte verstehen“, schrieb die Brand. „Wir haben hart dafür gearbeitet, damit eine Firma wie Blackstone in uns investiert, um unserem Planeten so viel Gutes wie möglich zu tun.“ In einem Statement an Refinery29 erklärte die Blackstone Group außerdem, die Anschuldigungen gegen Hidrovias do Brasil – die brasilianische Firma, die der Regenwaldzerstörung beschuldigt wird – „komplett ausgedacht“ seien.

Oatly hin oder her: Viele Leute lieben Hafermilch, und das aus gutem Grund. Sie ist allergenfreundlich, vegan, und die umweltfreundlichste Wahl. Und selbst wenn du nur ein Fan bist, weil sie – mal ehrlich – super schmeckt, ist das auch völlig okay. Dein Latte Macchiato wird dich dafür nicht gleich umbringen.

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