Gleichgeschlechtliche Küsse: Russischer Politiker geht gegen D&G-Kampagne vor

·Freie Journalistin
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Weil sich in einem Werbespot des italienischen Modeunternehmens Dolce & Gabbana Frauen und Männer untereinander küssen, fordert die Staatsanwaltschaft von Sankt Petersburg das Aus der Kampagne "Love is love".

Homosexuelle Paare sehen sich in Russland immer öfter Hass und Hetze ausgesetzt. (Symbolbild: Getty Images)
Homosexuelle Paare sehen sich in Russland immer öfter Hass und Hetze ausgesetzt. (Symbolbild: Getty Images)

In Russland hat ein Politiker namens Mikhail Romanow, Mitglied der Regierungspartei "Einiges Russland", ein Verbot bestimmter Werbespots von Dolce & Gabbana gefordert. Konkret geht es um die Kampagne "Love is love", die rund um den Valentinstag 2021 Diversität gefeiert und dabei gleichgeschlechtliche Paare gezeigt hatte, die sich küssen. Romanow ist unter anderem laut der Nachrichtenagentur "Reuters" der Ansicht, die in den sozialen Medien geteilten Videos enthielten Bilder, "die Familienwerte verleugnen und nicht-traditionelle sexuelle Beziehungen fördern".

Dolce & Gabbana veröffentlichte im Rahmen der
Dolce & Gabbana veröffentlichte im Rahmen der "Love is Love"-Kampagne auf Instagram Videos von homosexuellen Pärchen. (Screenshot via Reuters)

Die Staatsanwaltschaft teilt die Ansicht des Politikers

Die Beschwerde liegt nun bei der Sankt Petersburger Staatsanwaltschaft, die die Bedenken des homophoben Politikers offenbar teilt. Dass die Spots aktuell noch zu sehen sind, hat formale Gründe und liegt vor allem an noch nicht eingereichten Dokumenten, die die Anschuldigungen belegen sollen. Wie es mit dem Fall weitergeht, solle am 7. Juni bekanntgegeben werden.

Mit der Kampagne wollte D&G die Diversität und Liebe unter gleichgeschlechtlichen Paaren feiern. (Bild: Screenshot via Reuters)
Mit der Kampagne wollte D&G die Diversität und Liebe unter gleichgeschlechtlichen Paaren feiern. (Bild: Screenshot via Reuters)

Ablehnung statt Toleranz

In Russland sind gleichgeschlechtliche Beziehungen nicht offiziell verboten. Allerdings gibt es seit 2013 ein Gesetz, wonach das Zeigen gleichgeschlechtlicher Liebe oder auch nur das Reden darüber in Anwesenheit von Minderjährigen unter Strafe gestellt ist. Menschenrechtsorganisationen und LGBT-Aktivisten weisen immer wieder auf zunehmenden Hass und Hetze hin, auch tätliche Angriffe gegen die Community sind keine Seltenheit. 

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Wie der "Tagesspiegel" im Sommer 2020 berichtete, war zu diesem Zeitpunkt jeder fünfte befragte Russe der Meinung, dass LGBT "liquidiert" werden sollten.

Manchen geht schon Regenbogen-Eiscreme zu weit

Dolce & Gabbana hat sich bisher nicht zu dem Fall geäußert. Welch absurde Formen die Ablehnung bestimmter Werbungen in Russland annehmen kann, hatte 2020 die Vorsitzende der russischen Frauenunion, Jekaterina Lachowa, gezeigt. Sie forderte damals, bunte Eiscreme mit dem Namen "Regenbogen" zu verbieten. Durch solche Werbung würden schon "Kinder gezwungen, sich an diese Flagge zu gewöhnen."

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