Good News des Tages: Polizist stellt Verkehrssünder keinen Strafzettel aus, sondern fährt ihn zum Bewerbungsgespräch

Johannes Giesler
Freier Autor
Bei einer Verkehrskontrolle fällt dem Polizisten auf, dass sowohl Kennzeichen als auch Führerschein abgelaufen sind. Dennoch stellt er keinen Strafzettel aus. Foto: Symbild / Getty Images / TriggerPhoto

Verkehrspolizist Roger Gemoules müsste dem jungen Mann eigentlich einen Strafzettel verpassen, vielleicht sogar sein Auto abschleppen lassen. Immerhin fährt der ohne Versicherungsschutz und ohne Führerschein. Stattdessen hört sich Gemoules die Geschichte in aller Ruhe an und trifft eine bemerkenswerte Entscheidung.

Facebook hat viele Schattenseiten, dazu zählen Datenskandale oder der Wildwuchs an Falschaussagen. Gleichzeitig schafft es das soziale Netzwerk aber wie kein anderes Medium, Menschen auf der ganzen Welt näher zusammenzubringen. Immer dann, wenn Menschen unterschiedlicher Sprachen, Kulturen und Hintergründe die gleiche Nachricht kommentieren und weiterempfehlen, dann kann eine einzelne gute Tat Millionen auf der ganzen Welt erreichen und inspirieren. Und genau dafür hat das soziale Netzwerk vergangene Woche gesorgt: Medien aus zahlreichen Ländern auf unterschiedlichen Kontinenten sind über Facebook auf Ka’Shawn Baldwin und die gute Tat des Polizisten Roger Gemoules aufmerksam geworden.

Die Geschichte der beiden klingt so: Am Mittwoch fährt der 22-jährige Baldwin durch die Gemeinde Cahokia in East. St. Loius, einer Stadt im amerikanischen Illinois, zu einem Bewerbungsgespräch. Das Auto, in dem er sitzt, hat er sich von einem Freund geliehen. Da winkt ihn der Streifenpolizist Gemoules zur Kontrolle heraus. Gemoules arbeitet eigentlich in einer High School und sorgt dort für Ordnung und Sicherheit. Weil an Spring Break aber schulfrei ist, schiebt er stattdessen Streifendienst. Bei der Routinekontrolle fällt Gemoules auf, dass die Kennzeichen des Wagens abgelaufen sind. Zudem besitzt Baldwin keinen gültigen Führerschein.

Auto weg, Führerschein weg, Gefängnis?

Im Gespräch mit „NBC News“ sagt Baldwin später über diesen Moment: „Ich war sehr nervös. Ich dachte mir, jetzt bekomme ich einen Strafzettel und eine Geldstrafe, die ich mir nicht leisten kann oder er lässt gleich das Auto abschleppen und steckt mich ins Gefängnis.“

Doch Gemoules hört sich in Ruhe Baldwins Aussage an. Der erzählt, dass er gerade auf dem Weg zu einem Bewerbungsgespräch ist. Er weiß zwar, dass er ohne Führerschein und damit illegal unterwegs ist, aber er muss zu einem abgelegenen Areal von FedEx und hat keine andere Möglichkeit, dorthin zu gelangen. Baldwin, der in seinem beruflichen Alltag zahlreiche Ausreden dieser Art hört, hakt immer wieder nach. Und kommt zu dem Schluss, dass er Baldwin Glauben schenkt. Dennoch: Das Auto kann so nicht mehr am Straßenverehr teilnehmen. Baldwin fragt den Polizisten daraufhin verzweifelt, ob der ihn nicht zu seiner Bewerbung fahren kann. Klar, sagt Gemoules.

Mit Mitgefühl und Empathie

Zunächst folgt er Baldwin nach Hause, wo der sein Auto abstellt. Anschließend bringt er ihn zu seinem Bewerbungsgespräch. „Er war sehr höflich, als ich ihn angehalten habe. Er ist ein guter Junge, deshalb wollte ich ihm diese Chance nicht nehmen“, sagt Gemoules später im Gespräch mit dem Regionalsender „KSDK“. „Ich wusste, wenn ich ihm einen Strafzettel ausstelle und sein Auto abschleppen lasse, würde er da so schnell nicht mehr rauskommen.“

Und nun zum besten Teil der Geschichte: Baldwin, der zur Zeit noch bei McDonald‘s jobbt, bekommt die Zusage von FedEx und bedankt sich daraufhin via Facebook bei Gemoules für dessen gute Tat. Der Beitrag geht schnell viral, selbst der Bürgermeister von Cahokia erfährt davon. Daraufhin schreibt dessen Assistentin Francesca Jackson – ebenfalls auf Facebook:

„Im Namen des Bürgermeisters Curtis McCall Jr. möchte ich Officer Gemoules für sein großes Mitgefühl danken. Er ist ein großartiges Vorbild für eine am Gemeinwesen orientierte Polizeiarbeit.“ Seit diesem Beitrag ist Jackson damit beschäftigt, die vielen Medienmeldungen aus den unterschiedlichsten Ländern über die gute Tat Gemoules zu verbreiten. Sie kommen aus den USA, Italien, Norwegen, China, Polen, dem Vereinigten Königreich und Japan. Jackson schreibt anschließend, dass es für sie eine schöne Abwechslung sei, dass Mitgefühl und Empathie eine so große Rolle in dieser Welt spielen könne.

Viele Polizisten leisten jeden Tag Großes

Zuletzt meldet sich auch noch Gemoules selbst über Facebook zu Wort. Er schreibt: „Ich freue mich sehr über die zahlreichen positiven Reaktionen, die Menschen zu mir gesagt oder mir geschrieben haben. Ich habe das alles nicht erwartet. Es gibt viele Polizisten, die jeden Tag Großes leisten. Diese eine Geschichte ging durch Zufall viral. Ich danke Gott dafür und wünsche dem jungen Mann, dass er das positive Momentum für sich und seine Familie beibehält. Mein Lieblingssatz aus der ganzen Zeit stammt übrigens von meinem Sohn. Er meinte, dass wir nicht in der Öffentlichkeit stehen können. Wieso?, fragte ich ihn. Weil er nicht mit den vielen Reportern im Stau stecken will.“

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