Good News des Tages: US-Gesundheitsbehörde schickt erstmals Laboräffchen in Rente

Maria Timtschenko
Freie Journalistin
Possierliche Totenkopfäffchen wie auf diesem Symbolbild wurden nun erstmals von der US-Gesundheitsbehörde in den Ruhestand geschickt. (Foto: GettyImages/Kryssia Campos)

Es geschieht zum ersten Mal in der Geschichte der US-Gesundheitsbehörde FDA: Nach dem Tod von vier Laboraffen im Januar wird eine Studie beendet und die restlichen 26 Affen dürfen in Rente gehen. Den meisten geht es gut, einer allerdings leidet unter rheumatischer Arthritis. Trotzdem: ein Schritt in die richtige Richtung.

Sie heißen Poppit und Pixel, Gizmo und Oak – und sie sind nun im Ruhestand. Vorher war ihr Job: Laboraffe. In einer Studie der Food and Drug Administration (Behörde für Lebensmittel- und Arzneimittelsicherheit) wurde an ihnen getestet, welche Rolle unterschiedliche Nikotinspiegel auf die Entstehung einer Sucht bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen haben.

Was genau die Affen während ihrer Zeit im Labor durchmachen mussten, ist nicht bekannt. Fest steht aber: Vier der Versuchstiere starben im Januar. Dadurch geriet die Studie besonders bei Tierschützern in starke Kritik und wurde beendet. Zusätzlich richtete die FDA einen Tierschutzrat ein, der alle Tierversuche der Behörde im Blick haben soll, damit so etwas nicht noch einmal vorkommt.

Jungle Friends hat schon über 300 Affen aufgenommen

Die 26 verbliebenen Affen aus der Nikotinstudie wurden nun in den Ruhestand geschickt – zum ersten Mal in der Geschichte der FDA. Sie leben seit Mitte November in einem Zufluchtsheim für Primaten. Jungle Friends heißt die Organisation, die die Äffchen aufgenommen hat und sich in Gainesville, Florida befindet.

Jungle Friends gibt es bereits seit 1996. Bis heute wurden mehr als 300 Affen aufgenommen. Poppit, Pixel und Co. dürfen dort nun bis zu ihrem Lebensende bleiben. Bis auf Oak sind alle in einem sehr guten Gesundheitszustand. Oak leidet jedoch mit seinen fünf Jahren an rheumatischer Arthritis – höchst ungewöhnlich für einen Affen, noch dazu in diesem jungen Alter. Der kleine Patient bekommt nun eine spezielle medizinische Behandlung.

Kari Bagnall, Gründerin und Direktorin von Jungle Friends, erklärt die Besonderheit der Situation so: “Alle diese Affen sind im Käfig geboren. Sie waren niemals draußen, haben niemals die Sonne auf ihrem Gesicht gespürt oder das Gras unter ihren Füßen oder Regen oder Wind. Alles wird für sie eine neue Erfahrung sein und, weil sie alle unterschiedlich und individuell sind, werden sie darauf unterschiedlich reagieren.”

Zu denken, die Affen könnten sich sofort an ihrer neu gewonnen Freiheit erfreuen, wäre falsch. Affen, die nur das Labor kennen, haben häufig Angst ins Freie zu gehen oder sind zumindest nervös. Deswegen versuchen die Pfleger von Jungle Friends sie langsam an die neue Umgebung zu gewöhnen: Sie legen immer wieder Dinge in die Gehege, denen die Affen draußen begegnen werden, wie zum Beispiel Bananenblätter, Bambus und Kiefernnadeln. Im Frühling dürfen die Tierchen dann wirklich ins Freigehege.

Lesen Sie auch: Frau lässt Hündin hungern – diese Strafe erhält die Besitzerin

Mehr als 75.000 Laboraffen gibt es noch

In den USA werden weiterhin 75.825 Affen in Laboren als Versuchstiere gehalten. Weitere 34.369 sind in Gehegen untergebracht, werden aber nicht zu Studienzwecken genutzt. In Amerika ist das Verhältnis zu Tierversuchen gespalten. 52 Prozent sind der Meinung, Tierversuche seien nicht nötig, 47 Prozent der Bevölkerung halten sie für sinnvoll. Nachdem die Totenkopfäffchen in Rente gegangen sind, nehmen nun einige Forscher an, dass die Forderung nach dem Ende von Tierversuchen insgesamt wieder lauter werden könnte.

Andere argumentieren, dass der Stand der Technik bereits so weit ist, dass man auf Tierversuche größtenteils verzichten kann, sie durch Computermodelle ersetzen könne. Inwieweit das wirklich praktikabel ist, bleibt für den Laien unklar. Umso klarer dagegen ist, dass Tierversuche für die meisten darunter leidenden Lebewesen schmerzlich und gefährlich sind. Sobald sie abgeschafft werden können, sollte man das auch tun. In Florida ist nun der erste Schritt in die richtige Richtung geschehen.

Auch diese “Good News” könnten Ihnen gefallen: