Good News des Tages: Was die kleine Schwester mit einer Schere so anstellen kann

Die 14-jährige Courtney möchte das Abschlussballkleid ihrer großen Schwester Mikayla entwerfen und schneidern. Foto: Symbolbild / gettyimages / grinvalds

Der Abschlussball steht vor der Tür und damit die Suche nach dem perfekten Kleid. Die 18-jährige Mikayla Lewis aus Washington hat dafür alles auf eine Karte gesetzt. Genauer: Auf die Fähigkeiten ihrer 14-jährigen Schwester.

Am Ende jedes Schuljahres steht einer der wichtigsten Abende für Highschool-Schülerinnen und Highschool-Schüler an: Die „Prom-Night“ – der Abschlussball. Meist steht der festliche Abend unter einem Motto, dazu passend gibt es eine Kleidungsordnung, ein reichhaltiges Buffet steht bereit, außerdem spielt eine Band Live-Musik, das Finale bildet die Wahl zum „Prom Prince“ und zur „Prom Princess“. So weit, so bekannt aus Hollywood. Und tatsächlich zerbrechen sich viele Highschooler schon Monate vorher die Köpfe, was sie Passendes tragen können. Keine Ausnahme macht da die 18-jährige Mikayla Lewis aus Washington. Sie sucht das perfekte Kleid. Bis sie von ungewöhnlicher Seit ein Angebot bekommt.

Es ist etwa ein halbes Jahr her, so berichtet es das Gesellschaftsmagazin „People“, da fragt ihre vier Jahre jüngere Schwester Courtney, ob nicht sie Mikaylas Abschlussball-Kleid schneidern dürfe. Courtney besucht Design- und Technik-Kurse an der „Duke Ellington“-Kunsthochschule – es wäre daher eine willkommene Übung und sie könnte anhand des maßangefertigten Stücks unter Beweis zu stellen, was sie in ihrer Schulausbildung schon alles gelernt hätte. Im Gespräch mit dem Regionalsender „KTTV“ sagt Mikyala: „Meine erste Reaktion war: ‚Ich möchte nicht gemein sein und ablehnen. Deshalb: na gut.‘ Aber zur Sicherheit wollte ich in der Hinterhand ein Kleid suchen, das ich im Notfall schnell noch kaufen konnte.“

„Habt Vertrauen in eure Fähigkeiten“

Doch das sollte nicht nötig sein. Im Gegenteil: Denn Courtney machte sich umgehend an die Arbeit, fünf Monate lange nahm sie Maß, suchte Materialien, Farben und Schnitte, probierte herum und passte an, änderte und verwarf Ideen. Arbeitsaufwand: hunderte Stunden. So erzählt es Syreeta Herbert, eine befreundete Schneiderin, die Courtney während des ganzen kreativen und handwerklichen Prozesses unterstützte: „Vom ersten Design über die Herstellung bis zur Fertigstellung habe ich sie angeleitet. Und das Kleid hat am Ende jeden umgehauen. Für mich spiegelt es zudem Mikyala absolut wider.“

Vor drei Wochen war es dann soweit, am 26. April sah Mikayla ihr fertiges Kleid zum ersten Mal. Sie lachte vor Glück und fühlte sich darin „wie eine Prinzessin“. Courtney, stolz auf sich, ihr Werk und ihre Schwester, sagt: „Ich sah meine Schwester in meinem Kleid und, ganz ehrlich, ich wollte weinen. Weil ich das alles geschafft hatte.“

Die Mutter der beiden, Crystal, hat auf Instagram ein Bild von Mikyala in ihrem Kleid veröffentlicht. Darunter schreibt sie: „Meine 14-jährige Tochter erzählt allen, dass sie Puppenkleider designen möchte, wenn sie groß ist. Das mag für viele nach einem komischen Berufswunsch klingen. Aber ich kenne meine Tochter, sie wird eines Tages Puppenkleider designen und sie wird fantastisch darin sein. Denn sie erzählte auch, dass sie für ihre ältere Schwester ein Abschlussball-Kleid schneidern würde – das hielt sogar ich anfangs für einen Scherz. Das ist immerhin ein großes Event. Ich legte sogar etwas Geld zur Seite, nur für den Fall. Dann aber entschied ich mich, Vertrauen zu haben und gab das Geld aus. Habt Vertrauen in eure Fähigkeiten! Und lasst euch von niemand vorschreiben, wie ihr euren Weg beschreiten sollt.“

Vom Entstehungsprozess gibt es noch einen zweiten Beitrag auf Instagram, Urheberin ist Syreeta. Sie schreibt dazu, dass es sich um eine klassische Silhouette handle, der Rücken frei sei, dass Mikayla, wie ihre Mutter ebenfalls, Glitzer liebe und das fertige Abendkleid bestimmt noch zu zahlreichen Anlassen in der Zukunft tragen könne.

Noch zu jung und zu unerfahren für die viele Aufträge

Weil die Geschichte um Mikaylas Kleid und Courtneys Werk von zahlreichen amerikanischen Medien aufgegriffen wurde, hat sie 14-Jährige übrigens in wenigen Tagen über 50 Anfragen erhalten – nach maßangefertigten Stücken. Weil Courtney aber noch zur Schule gehe und ebenfalls noch an ihrer Technik feile, das schreibt ihre Mutter auf Instagram, habe sie alle Anfragen abgelehnt. Sie fühle sich aber sehr geschmeichelt.