Greenwashing-Tricks: Verbraucherzentrale hat Kosmetikhersteller im Visier

Sandra Alter
Freiberufliche Journalistin
Marktcheck der Verbraucherzentrale entlarvt Greenwashing-Tricks der Kosmetikhersteller. (Bild: Verbraucherzentrale Hamburg)

Naturkosmetik, die keine ist: Pflegeartikel mit grünem Image verkaufen sich gut. Viele Hersteller greifen deshalb zu Tricks, um ihre Produkte besser dastehen zu lassen, als sie wirklich sind. Die Verbraucherzentrale Hamburg kritisiert das Vorgehen der Kosmetikbranche scharf und erklärt wie Verbraucher getäuscht werden sollen.

Mehr Schein als Sein: Um von der wachsenden Kauflust an Bioprodukten zu profitieren, stecken viele Kosmetikhersteller ihre Produkte in eine „grüne Verkleidung“. Sie verpassen ihren Pflegeartikeln eine Naturoptik und setzen Begriffe ein, die nach Bio klingen, ohne sich jedoch an die Standards der Naturkosmetikbranche zu halten.

Die Verbraucherzentrale Hamburg hat nun die Etiketten solcher vermeintlicher Naturprodukte wie Cremes, Lotions und Shampoos stichprobenartig überprüft. Ergebnis: Drin stecken oft flüssige Kunststoffe und synthetische Inhaltsstoffe.

„Greenwashing bei Kosmetik ist nicht neu, doch mit dem wachsenden Markt gibt es immer mehr Trittbrettfahrer“, sagt Silke Schwartau von der Verbraucherzentrale Hamburg. „In vielen Produkten, die natürlich und biologisch daherkommen, stecken Mineralölbestandteile, Parabene oder Silikone.“ Laut Einschätzung der Verbraucherschützerin sind drei Greenwashing-Tricks bei den Herstellern besonders beliebt:

Trick 1: „Bio“ im Namen

Wo Bio draufsteht, ist nicht immer Bio drin – das ist nicht neu. Trotzdem lassen sich viele Verbraucher mit der Bezeichnung täuschen. Deshalb wird sie oft im Markennamen oder der Werbung verwendet, auch wenn Artikel nicht natürlichen Ursprungs sind. Teilweise verweisen die Anbieter sogar darauf, dass „der Gesetzgeber BioKosmetik nicht weiter reguliert“ und sie daher freie Handhabe hätten, so die Verbraucherzentrale.

Trick 2: Pflanzliche Inhaltsstoffe

Viele Hersteller schrauben an der Optik der Verpackungen, um über synthetische Inhaltsstoffe hinwegzutäuschen. Besonders beliebt seien grün schimmernde Flaschen, angedeutete Blätter und Früchte und groß ausgelobte natürliche Pflegeöle, so die Verbraucherschützer.

Da die Liste der Inhaltsstoffe, die sogenannte INCI-Liste, für Laien nur schwer zu entziffern sei, hätten Anbieter ein leichtes Spiel. Besonders oft würden sogenannte „frei von“-Deklarationen verwendet, die jedoch selten vollständig seien. Ein Hersteller habe argumentiert, dass es sich bei seinem Produkt nicht um eine „zertifizierte Naturkosmetikmarke handele, sondern um eine von der Natur inspirierte, positive Lifestyle-Marke“.

Trick 3: „Natürliches Wasser“

Die Schummelei mit dem Wasseranteil: Laut einer europaweiten Iso-Norm, die 2017 auf den Weg gebracht wurde, dürfen Kosmetikhersteller seither die Zutat Wasser den natürlichen Inhaltsstoffen zuordnen. Viele Anbieter würden sich das zunutze und die Zutaten natürlichen Ursprungs auf diese Weise in die Höhe treiben, so die Marktbeobachter. So sei es möglich, die Prozentanteile werbewirksam auf der Verpackung auszuloben. Eine Feuchtigkeitspflege, die 63 Prozent Wasser enthält, werde so beispielsweise mit „97 % Inhaltsstoffen natürlichen Ursprungs“ beworben.

Der Gesetzgeber muss eingreifen

Die Hamburger Verbraucherzentrale fordert nun gesetzliche Vorgaben, um die Täuschmanöver vieler Kosmetikhersteller zu unterbinden.

„Wir müssen der Täuschung im Drogeriemarkt ein Ende setzen!“, fordert Verbraucherschützerin Schwartau. „Der Gesetzgeber ist gefordert, in Form eines unabhängigen, kontrollierten Labels, rechtsverbindliche und einheitliche Vorgaben für Naturkosmetik zu schaffen. Nur wenn Natur oder Bio drin sind, darf es auch draufstehen.“

Ein vertrauenswürdiges Label könne Verbrauchern beim Einkauf von Kosmetik- und Pflegeprodukten helfen, nicht auf die Maschen der Hersteller hereinzufallen. Das Wirrwarr der derzeit rund 30 unterschiedlichen privaten Siegel für Naturkosmetik hingegen sei für viele Kunden kaum Orientierung.

Bekannte und etablierte Siegel sind laut der Verbraucherzentrale Hamburg beispielsweise „NaTrue“, „Cosmos“ oder „Ecocert“.

Die konkreten Ergebnisse des Marktchecks mit zahlreichen Produktbeispielen zum Greenwashing bei Kosmetik finden Sie auf der Internetseite der Verbraucherzentrale Hamburg.

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