Grillkohle und Co.: Mit diesen Produkten zerstören wir den Regenwald

Ann-Catherin Karg
Freie Journalistin

Durch die massiven Brände in Brasilien ist die Wichtigkeit des Regenwalds für das weltweite Klima gerade erst wieder ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt. Dabei nutzen fast alle Menschen mehr oder weniger regelmäßig Produkte, für die der Regenwald systematisch abgeholzt wird. Manchmal auch, ohne es zu wissen.

Holzkohle enthält häufig Tropenholz, das nicht immer auf der Verpackung deklariert ist (Bild: Getty Images)

Für 2019 ist die Hochphase der Grillsaison vorbei und auch dieses Jahr landete wieder massenweise Holzkohle mit Tropenholz auf den Grills der Nation. Bei einer Untersuchung der Stiftung Warentest enthielten fünf von 17 getesteten Säcken Tropenholz, das auf den Verpackungen nicht deklariert war. Ein Hersteller war besonders dreist und versah seine Grillkohle mit einem falschen FSC-Siegel um den Verbrauchern vorzugaukeln, es handele sich um Holzkohle aus nachhaltiger Landwirtschaft.

Kein unbekanntes Problem, auf das die Umweltorganisation WWF schon seit Jahren immer wieder hingewiesen hat. Dass trotzdem noch so viel Tropenholz zum Brutzeln von Fleisch, Würstchen und dem ein oder anderen Halloumi-Käse in den Grills landet, liegt schlicht an der Gesetzeslage. Denn die 850.000 Tonnen an Grillkohle, die die EU-Länder jährlich importieren, unterliegen keinerlei Auflagen, Beschränkungen oder Kontrollen. Dabei ist bekannt, dass ein Großteil des Tropenholzes aus Ländern wie Nigeria und Paraguay kommt, in denen die Bäume ohne Kontrollen und oft illegal gefällt und nicht nachgepflanzt werden. Allein in Nigeria sollen durch die Holzkohle jedes Jahr 400.000 Hektar fruchtbares Land zerstört werden.

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Fleisch und Soja

Die größte Rinderherde der Welt steht in Brasilien. 180 Millionen Rinder brauchen eine Menge Platz, den sie oft auf Weideflächen finden, auf denen früher die Bäume des Amazonas-Regenwalds standen. Seit 2005 ist Brasilien der größte Exporteur von Rindfleisch und die Fleischproduktion mit 65 Prozent der häufigste Grund für die Rodung von Regenwald.

Regenwälder müssen großflächigen Soja-Plantagen weichen (Bild: Getty Images)

Doch die vielen Tiere müssen nicht nur einen Platz haben, sie müssen auch fressen, womit gleich ein weiteres Problem einhergeht. Als Futtermittel wird oft Soja angebaut, dass aufgrund seines hohen Eiweiß- und Energiehaushalts besonders gut geeignet ist. Für die Soja-Felder wird ebenfalls der Tropenwald des Amazonas-Gebiets abgeholzt, und der Bedarf konzentriert sich längst nicht nur auf den heimischen Markt.

Über 80 Prozent des Sojas, das in die EU importiert und dort in der Massentierhaltung eingesetzt wird, kommt aus Südamerika. Wer als Fleischfan jetzt meint, den Zeigefinger auch auf Vegetarier oder Veganer richten zu können, die ebenfalls Soja-Produkte verzehren, irrt. Für Produkte wie Sojamilch und Tofu wird nur ein ganz geringer Prozentsatz des Sojas verwendet, das zudem meistens innerhalb der EU angebaut wird.

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Palmöl

Dass Palmöl ein Hauptbestandteil von Nutella ist, dürfte sich mittlerweile an den meisten Frühstückstischen herumgesprochen haben. Tatsächlich kommt das Palmöl in so vielen Produkten zum Einsatz, dass man kaum vermeiden kann, es tagtäglich quasi zwangsweise zu konsumieren. Es befindet sich in zahlreichen Fertigprodukten wie Tiefkühlpizza ebenso wie in Keksen, Tütensuppen, Margarine, Kerzen, Lippenstiften, Seifen, Waschmitteln, Cremes und vielem mehr.

Die Beliebtheit des Palmöls bei den Herstellern ist maßgeblich darauf zurückzuführen, dass die Ölpalmen weit mehr Ertrag bringen als andere Pflanzen wie Soja oder Raps und es unter anderem auch deswegen das billigste Pflanzenöl auf dem Weltmarkt ist.

Der weltweite Bedarf an Palmöl ist enorm (Bild: Getty Images)

Weltweit liegt die jährliche Produktion bei rund 65 Millionen Tonnen, wobei 90 Prozent des Palmöls aus Indonesien und Malaysia kommen. Laut der Umweltorganisation Sawit Watch erstrecken sich allein die indonesischen Ölpalm-Plantagen auf eine Fläche von 18 Millionen Hektar. Platz, der allzu oft erst entsteht, wenn der Regenwald, der in Indonesien eine besondere Artenvielfalt aufweist, beseitigt ist.

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Aluminium

Gegen das Benutzen von Alufolie sprechen sowohl gesundheitliche als auch ökologische Gründe, doch so ganz vermeiden lässt sich Aluminium schwer. Es findet sich in Joghurtdeckeln ebenso wie in Kaffeekapseln, Senf- oder Mayonnaise-Tuben, Kaugummiverpackungen, Konserven- und Getränkedosen und sogar in Deos. Dazu wird es sowohl beim Bau von Autos wie von Flugzeugen eingesetzt.

Der Rohstoff, aus dem Aluminium erst hergestellt wird, ist Bauxit. Ein Erz, das vor allem im Tropengürtel rund um den Äquator vorkommt. Gerade in Brasilien werden massenweise Tropenhölzer des Regenwalds gefällt, um an die dünne Schicht Bauxit zu kommen, die sich im Boden darunter befindet. Im Schnitt verbraucht jeder Deutsche 31,6 Kilogramm Aluminium im Jahr, womit Deutschland im internationalen Vergleich unrühmlicherweise ganz vorne liegt.

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