Grüne Weihnachten: Der Keinachtsbaum sucht Unterstützer

Jennifer Caprarella
·Freie Autorin
·Lesedauer: 3 Min.

Weihnachtsbäume sind alles andere als umweltfreundlich. Verzichten wollen die meisten darauf jedoch nicht, schließlich handelt es sich dabei um eine der ältesten Weihnachtstraditionen. Ein Start-up aus Osnabrück hat eine vollkommen neue Lösung für dieses Dilemma gefunden - mit dem “echten Weihnachtsbaum, der keiner ist”.

Christmas holiday background. Beautiful fir tree with garland and red ball.
Weihnachten ohne Tannengrün? Kaum vorstellbar - doch dafür muss nicht unbedingt ein Baum gefällt werden (Symbolbild: Getty Images)

Jedes Jahr der gleiche Anblick: An den Straßenrändern stapeln sich im Januar die entsorgten Tannenbäume, um von der Abfallwirtschaft abgeholt zu werden. 30 Millionen Bäume werden jedes Jahr verkauft und nur kurz genutzt, bevor sie entsorgt werden - und dabei sind noch nicht mal diejenigen Exemplare eingerechnet, die aufgrund ihrer Optik nicht verkauft werden können und direkt im Schredder landen.

Die Lösung: Der “wiederbefüllbare” Keinachtsbaum

Auch Nico Stisser ist dieser Umstand ein Dorn im Auge, doch auf die geliebte Tradition verzichten sollte man trotz Umweltbewusstsein nicht, wie der Osnabrücker findet. Also erfand er den Keinachtsbaum - ein modularer Ständer für Tannengrün, der jedes Jahr neu befüllt werden kann. In die zusammenschraubbaren Teile werden Tannenzweige gesteckt, der fertige “Baum” ist von einem echten dann kaum noch zu unterscheiden.

In vier verschiedenen Größen von 1,60 bis 2,20 Metern gibt es den Keinachtsbaum, und auch Leien könnten ihn laut Stisser innerhalb kurzer Zeit zusammenbauen.

Der Baum gleichzeitig im Wohnzimmer und im Wald

Die Idee für den Keinachtsbaum hatte Stissers vierjähriger Sohn, der nicht mehr mitansehen wollte, dass für ihr Weihnachtsfest ein Baum gefällt wird. Also entschied die Familie, selbst einen Baum zu bauen, der zum Prototypen des Keinachtsbaums wurde. Zusammen mit einem befreundeten Schreiner plante Strisser daraufhin, das Produkt auf den Markt zu bringen.

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Schnittgrün, so erklärt Stisser, sei deutlich umweltfreundlich als gefällte Bäume. Es wird entweder von speziellen Schnittgrünplantagen oder aus dem Ausschuss der Weihnachtsbaumproduktion gewonnen. Entscheidend ist, dass kein Baum für die Zweige gefällt werden muss. Die Bäume auf den Plantagen wachsen weiter, produzieren Sauerstoff und ähneln im Großen und Ganzen denen eines natürlichen Nadelwaldes.

Das Start-up sucht Unterstützer

Wenn nur ein Prozent der Weihnachsbaum-Käufer auf einen Keinachtsbaum umsteigen, so die Rechnung des Start-ups, könnte eine Fläche von 70 Fußballfeldern aufgeforstet werden. Um das zu erreichen, hat das Start-up eine Crowdfunding-Kampagne gestartet, um eine Produktion in größerem Stil aufbauen zu können. Je nach Spende erhalten die Unterstützer ein Dankeschön - für 149 Euro gibt es einen Keinachtsbaum der Erstauflage, für weitere 20 Euro erhält man das nötige Schnittgrün, um ihn zu schmücken.

Warum entsorgen? Mit dieser Pflege bleibt der Weihnachtsstern lange frisch

Wenn das Fundingziel bis 3. Oktober erreicht ist, kann die Produktion rechtzeitig fürs diesjährige Fest starten. Da Stisser mit einer kleinen Manufaktur zusammenarbeitet, ist die Zahl der in diesem Jahr verfügbaren Bäume streng limitiert.

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