Die gruselige Klinik vor den Toren Berlins

Verlassene Orte umgibt oft ein besonderer Zauber. Sie erinnern nicht nur an eine längst vergangene Zeit, sondern können auch Gesichten erzählen. Könnten Wände sprechen, würden sie uns Geschichten von den Vorfällen und Dramen erzählen, die sich direkt vor ihnen abspielten. Die Beelitz-Heilstätten, ein verlassener Krankenhauskomplex vor den Toren Berlins, hätten wohl von besonders grausamen Vorkommnissen zu berichten. In dem ehemaligen Krankenhaus ließ sich zum Beispiel Hitler persönlich behandeln. Außerdem wird der Ort mit einigen Morden und übernatürlichen Erscheinungen in Verbindung gebracht.

Die Überreste des Krankenhauskomplexes erinnern heute an die Kulisse eines Horrorfilms. Und nicht zu Unrecht. Die Geschichte des verlassenen Ortes ist voll von schaurigen Ereignissen.

Die Beelitz-Heilstätten sind Teil der Stadt Beelitz, die circa 50 Kilometer südwestlich von Berlin liegt. Die Heilstätten wurden außerhalb von Beelitz errichtet, direkt an der Bahnstrecke nach Berlin. Heute sind von dem ehemaligen Komplex nur noch Ruinen erhalten. Der Komplex besteht aus 60 denkmalgeschützten Gebäuden, die zwischen 1898 und 1930 entstanden sind. Er teilte sich in die Lungenheilstätten, in den zum Beispiel Tuberkulose behandelt wurde, und die Sanatorien zur Behandlung nicht ansteckender Krankheiten. Die Lage bei Beelitz wurde gewählt, weil sich die Kliniken dadurch in der Nähe von Berlin befanden und die Patienten von der frischen Landluft profitieren konnten.

Im Ersten Weltkrieg wurden Teile der Heilstätten in ein Militärlazarett umgewandelt, in dem verwundete Soldaten versorgt wurden. Zu den dort verpflegten Soldaten gehörte auch der Gefreite Adolf Hitler, der bei der Schlacht an der Somme verwundet wurde.

Der Gebäudekomplex bestand nicht nur aus dem Lazarett und den Heilstätten. Neben den Krankenhausbauten entstanden zahlreiche Gebäude zur Versorgung des Betriebs, Wohnhäuser für Angestellte und Unterhaltungsmöglichkeiten wie Restaurants. 

In der Zeit der Weimarer Republik führte die Weltwirtschaftskrise dazu, dass große Bereiche des Komplexes geschlossen werden mussten. Dabei war die Klinik damals als eine der fortschrittlichsten Einrichtungen zur Behandlung von Tuberkulose angesehen.

Während des Zweiten Weltkriegs wurden die Heilstätten zum Teil schwer beschädigt. Ab 1945 wurde sie von der Roten Armee übernommen und diente bis in die 1990er-Jahre als Militärhospital. Nach dem Abzug der Roten Armee wurde das Gelände aufgegeben. Heute ist der Großteil der Einrichtung verschwunden und von den Wänden blättert der Putz – was zu der gruseligen Atmosphäre des Ortes beiträgt.

Der Ort wirkt wie eine Filmkulisse. Und in der Tat wurde er öfter für Dreharbeiten genutzt. In den Heilstätten wurden zum Beispiel Teile des Films „Der Pianist“ von Roman Polanski gedreht, in dem Adrien Brody die Hauptrolle spielte. Polanski ist nicht der einzige Regisseur, der den Ort als Kulisse nutzte. Auch Szenen des Films „Operation Walküre – Das Stauffenberg-Attentat“ (2008) mit Tom Cruise entstanden dort.

Doch auch im wahren Leben sind die Heilstätten bekannt für eine Reihe seltsame Vorkommnisse. Die Beelitz-Heilstätten waren schon der Schauplatz einiger Verbrechen.

Eines davon war ein Mord, der sich im Jahr 2008 ereignete, als der Fotograf Michael K. die Heilstätten mit einem Model besuchte. Das Fotoshooting ging tödlich aus: Die junge Frau wurde brutal ermordet.

Ein weiterer Vorfall rankt sich um den Serienmörder Wolfgang Schmidt, der auch als „Rosa Riese“ oder die „Bestie von Beelitz“ bekannt wurde. Anfang der 1990er-Jahre lockt er in der Nähe des Krankenhauses die Frau eines sowjetischen Arztes und ihren Sohn in den Wald. Dort erwürgt er sie mit einem Büstenhalter und tötet anschließend das Kind. Er tötete auch noch vier weitere Frauen. Diese Taten brachten dem Serienmörder den Beinamen „Bestie von Beelitz“ ein.

Andere Legenden, die sich um den Ort ranken, handeln von übernatürlichen Erscheinungen. Die Website "The Paranormal Guide" berichtet zum Beispiel von einer Gruppe Freunde, die zusammen das verlassene Krankenhaus besuchten. Während des Besuchs hörte ein Mädchen mit dem Namen Anne eine Stimme, die sie um ein Skalpell bat. Als sie sich umdrehte, bemerkte sie, dass ihre Freunde bereits weitergegangen waren. Doch wer hatte sie dann um das Skalpell gebeten?

Dieser Vorfall stammt natürlich aus dem Reich der Legenden. Allerdings konnte bis heute nicht geklärt werden, ob mehr dahinter steckt. Trotz all diese Vorfälle sind die Beelitz-Heilstätten heute ein beliebtes Ausflugsziel bei Berlinern und Leuten aus der Umgebung und wurde sogar schon in einem Film verwendet.

"Heilstätten" kam 2018 in die Kinos und nimmt eindeutig Bezug auf Beelitz, wenn die auch niemals explizit ausgesprochen wird. Es wird aber beispielsweise "Rosa Riese" erwähnt. Interessanter Fakt: Der Film wurde gar nicht in Beelitz, sonder in der Heilstätte Grabowsee in Oranienburg gedreht.