Mit Hühnerkot klimaneutral - Kraftstoff aus Bio-LNG-Anlage

Güstrow (dpa) - In Güstrow ist die nach Betreiber- und Branchenangaben bundesweit größte Verflüssigungsanlage für Bio-LNG offiziell eröffnet worden. Sie stellt klimaneutralen Kraftstoff als Flüssiggas unter anderem aus Hühnertrockenkot für den Lkw-Verkehr her. «Wir sind mehr als stolz», sagte Olaf von Lehmden, Vorstandschef der Envitec Biogas AG, am Donnerstag.

Nach Firmenangaben kann die Anlage in Mecklenburg-Vorpommern künftig rund 9600 Tonnen Bio-LNG pro Jahr produzieren. Das reiche aus, damit Lkw im Jahr 50 Millionen Kilometer fahren. Als Rohstoff soll auch Mais verwendet werden.

Umbau soll mehr als 50 Millionen Euro gekostet haben

Das Unternehmen hatte den Standort nach eigenen Angaben für mehr als 50 Millionen Euro umgebaut. Die Neuausrichtung soll zum einen für mehr Nachhaltigkeit sorgen, da nun weniger nachwachsende Rohstoffe und mehr Hühnertrockenkot verwendet würden. Außerdem habe es an Verflüssigungskapazitäten für den Verkehrssektor gefehlt, hieß es.

«Gasmobilität ist die einzige verfügbare Technologie, die im Schwerlastverkehr sofortige Einsparung von Treibhausgasemissionen erzielt», ist Timm Kehler, Vorstand des Branchenverbandes Zukunft Gas, überzeugt. Die CO2-Emissionen des Güterverkehrs stiegen Jahr um Jahr. Die Transportmengen hätten sich seit 1990 verdoppelt. «Mit Bio-LNG, also verflüssigtem Biogas, lassen sich nahezu klimaneutrale Transporte im Schwerlastverkehr realisieren.» Die dafür benötigten Produktionsanlagen befänden sich im Markthochlauf. Ab 2024 seien signifikante Mengen an deutschen Bio-LNG-Tankstellen erhältlich.

Nach Angaben des Verbandes ist bislang eine kleinere entsprechende Anlage im niedersächsischen Darchau in Betrieb. Eine vom Energiekonzern Shell geplante Anlage bei Köln soll noch größer als die Anlage in Güstrow werden, ist aber noch nicht in Betrieb.

100.000 Tonnen Hühnertrockenkot für Güstrow

Nach Angaben der Biogas-Vereinigung NGVA gibt es in Deutschland mehr als 180 LNG-Tankstellen. Zukunft Gas geht derzeit von 6000 LNG-Lkw in Deutschland aus. Wenn Voraussetzungen wie Mautvergünstigungen und CO2-Einstufungen passten, seien 40.000 realistisch - also zehn Prozent der entsprechenden Fahrzeugklasse.

Für die Produktion in Güstrow kommen nach Firmenangaben 100.000 Tonnen Hühnertrockenkot aus Geflügelanlagen und 40.000 Tonnen nachwachsende Rohstoffe zum Einsatz. Zudem werde vor Ort CO2 verflüssigt, so dass es etwa in der Getränkeindustrie oder in Gewächshäusern genutzt werden könne. Durch die Bio-LNG-Produktion und die CO2-Verflüssigung werden laut Envitec 100.000 Tonnen CO2 eingespart. Außerdem werde mit anfallenden Gasen in Blockheizkraftwerken Strom erzeugt.