Sind deine Haare wirklich trocken – oder haben sie „Protein-Überschuss“?

Wenn deine Haare von Natur aus ziemlich durstig sind, bist du damit nicht allein. Dieser Sommer war bisher wahnsinnig heiß – und mit der intensiven Sonnenstrahlung gehen verdurstende Haare einher. Und natürlich können deine ausgetrockneten, brüchigen Haare auch noch andere Ursachen haben. Dank selfiewürdiger Haartrends wie „Hair Frosting“ oder die gute alte Dauerwelle sei es dir verziehen, wenn du deine Haare in den letzten Monaten ganz schön strapaziert hast. Wenn du dich in den sozialen Netzwerken aber mal so umhörst, scheint bei vielen Leuten noch etwas anderes für strohähnliches Haar verantwortlich zu sein.

Worum geht’s? „Protein overload“ – einen Protein-Überschuss.

Auf TikTok wollen immer mehr Beauty-Fans ihre Follower über die Symptome von „zu viel“ Protein auf der Haaroberfläche aufklären. Einige machen für ihre leblosen, frizzy Locken die Verwendung zu vieler proteinhaltiger Conditioner, Leave-in-Kuren und Stylingprodukte verantwortlich. Andere sehen Haarbruch, eine strohartige Konsistenz und fehlenden Glanz als klassischen Protein-Überschuss-Symptome.

Was ist Protein und was tut es für die Haare?

Der Stylist Tyler Moore vom Salon Live True London erklärt mir, dass Proteine in der Liste der Inhaltsstoffe eines Produkts ganz viele verschiedene Namen haben können. „Manche nennen sich hydrolysiertes Kollagen, Keratin, Hafer, Quinoa oder Aminosäuren“, sagt er. Besonders beliebte proteinbasierte Haarprodukte sind zum Beispiel die virale K18 Leave-In Molecular Repair Hair Mask (29,80 € via CultBeauty) und das ebenso virale Virtue Smooth Shampoo (38,00 € via Niche-Beauty). Obwohl Olaplex-Produkte zwar ein bisschen Protein enthalten, sind es generell keine Protein-Treatments.

Das hauptsächlich im Haar enthaltene Protein ist Keratin, das dabei hilft, die Strähnen zusammenzuhalten, dem Haar Glanz schenkt sowie Frizz reduziert. „Proteine pflegen das Haar und bewahren seine Gesundheit. Jeder Haartyp braucht Proteine, um die Haare zu schützen oder vorübergehend zu reparieren“, erklärt mir die Trichologin Angela Onuoha, Markenbotschafterin von Rhyme & Reason.

Deswegen sind die auf TikTok verbreiteten Behauptungen ein bisschen verwirrend. Haarprodukte, die Proteine wie Keratin enthalten, sollen die Stärke und Gesundheit des Haares verbessern, seine Elastizität steigern und Haarbruch minimieren. Kann es denn hier „zu viel des Guten“ geben?

Kann man zu viel Protein in den Haaren haben?

Die Expert:innenmeinung geht hierbei auseinander. Angela ist der Meinung, ein Protein-Überschuss im Inneren des Haares sei nahezu unmöglich. Ihr zufolge ist es schwierig, das beschädigte haareigene Protein mit dem Protein aus solchen Produkten zu „ersetzen“, da das haareigene Protein sehr individuell ist. Das bedeutet aber eben auch, dass sich das Produkt-Protein wie ein Film auf den Haarsträhnen ablagert, anstatt direkt einzudringen. Aber kann das beeinflussen, wie die Haare äußerlich aussehen und sich anfühlen?

Woran erkenne ich, dass ich zu viel Protein in den Haaren habe?

Protein-Ablagerungen entstehen höchstwahrscheinlich nicht von selbst, meint Tyler. Die Trichologin und Haarwachstumsspezialistin Hannah Gaboardi warnt jedoch davor, dass es dazu durchaus kommen kann, wenn durchgehend proteinbasierte Haarprodukte verwendet werden. In diesem Fall fühlt sich dein Haar dann womöglich sehr trocken an und sieht leblos und matt aus. Vielleicht verknotet es sich auch schnell und lässt sich daher nur schwer föhnen, stylen und kämmen.

Tyler stimmt zu: „Zu viel Protein auf der Haaroberfläche kann dafür sorgen, dass Wasser und andere Produkte dem Haar wirklich Feuchtigkeit spenden können. Dadurch wird das Haar trocken und brüchig“, erklärt er. „Wenn sich dein Haar anfühlt wie Stroh und Kuren oder andere pflegende Produkte nicht zu helfen scheinen, liegt das vermutlich an Protein-Ablagerungen.“

Verwirrenderweise lässt sich der Unterschied zwischen trockenem Haar durch einen Protein-Überschuss und trockenem Haar durch Hitze- oder Stylingschäden nicht so leicht erkennen, meint Tyler. Zumindest, bis du es aktiv zu pflegen versuchst. „Wenn dein Haar durch Hitze oder Farbe beschädigt wurde, wird etwas wie Olaplex seine Textur wahrscheinlich verbessern. Bei zu viel Protein bleibt das Haar danach vermutlich immer noch sehr trocken“, erklärt er.

Was kann ich gegen Protein-Ablagerungen im Haar tun?

Da sind sich Tyler und Hannah einig: Wenn du immer wieder Protein-Treatments verwendest, die deine Haare aber immer weiter auszutrocknen scheinen, solltest du eine Weile lang darauf verzichten. Beide Expert:innen empfehlen, dir ein sanftes tiefenreinigendes Shampoo zuzulegen, um das überschüssige Protein von der Haaroberfläche zu lösen. Wir empfehlen das Olaplex No. 4C Clarifying Shampoo (29,95 € via Olaplex – das haben wir auch selbst schon getestet). Hannah rät dazu, danach eine tiefenpflegende Maske aufzutragen – wie den Dizziak Deep Conditioner (24,80 € via CultBeauty) oder ein Kursachet vom HASK Argan Oil (2,95 € via dm). Beide verleihen trockenem Haar neues Leben.

Sollte ich komplett auf Protein-Haarprodukte verzichten?

Nicht unbedingt. Wenn Protein-Produkte für dich funktionieren und du mit dem Zustand deiner Haare glücklich bist, ist das toll. Angela betont allerdings, dass dein Haar womöglich Feuchtigkeit brauchst, wenn dir auffällt, dass es sich trocken oder brüchig anfühlt oder sogar abbricht. Dann kannst du es beispielsweise mit dem Moroccanoil Shampoo & Conditioner Bundle (69,90 € via Kaufland) pflegen, das Arganöl und Vitamin E enthält. Oder nimm das für sehr trockenes Haar entwickelte Kérastase Nutritive Irisome Bain Satin 2 Shampoo (31,95 € via Flaconi).

Vor allem, wenn deine Haare sehr trocken sind, lohnt es sich, das Haar danach mit einem Haarserum zu „versiegeln“ – zum Beispiel mit dem Olaplex No.9 Bond Protector Nourishing Hair Serum (26,95 € via Flaconi) oder dem Andrew Fitzsimons Serum Virgin Repair (9,95 € via Müller).

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