Ich habe 1000 Tage am Stück bei Duolingo gelernt: Was ich über Ausdauer, Sprache und mich selbst erfahren habe

·Lesedauer: 4 Min.
Autorin Madleen Kamrath schaffte es, 1000 Tage in Folge mit Duolingo Sprachen zu lernen.
Autorin Madleen Kamrath schaffte es, 1000 Tage in Folge mit Duolingo Sprachen zu lernen.

Ein Streak von 1000 Tagen. Das sind 2 Jahre und 8 Monate. Als ich diesen Meilenstein erreichte, war die Luft erstmal raus. Wofür lernte ich überhaupt eine fremde Sprache? Für mich oder für die App? Oder für das Erfolgsgefühl, 1000 Tage geschafft zu haben? Ernüchternde Erkenntnis: Für mich ganz klar Letzteres – denn die Sprachen kann ich immer noch nicht fließend sprechen.

Als ich Ende 2018 anfing, mit der Sprachlern-App Duolingo Koreanisch zu lernen, war ich voller Begeisterung. Gerade am Anfang rannte ich durch die Lektionen. Grammatik war kein Problem. Schließlich hatte ich mich in der Schule schon durch Latein gemüht und später noch durch Englisch und Spanisch. So wählte ich auch den Kurs Englisch-Koreanisch, da es Deutsch-Koreanisch nicht gibt. Sprachen lernen fällt mir relativ leicht, solange ich nicht zu viel auswendig lernen muss. Und für das Auswendiglernen bietet Duolingo je Lektion genügend Wiederholungen. Später wurde es kniffliger und mein Streak riss ab. Damit war gleichzeitig mein Kampfgeist geweckt.

Die Lektionen in der App werden farbig gekennzeichnet – je nach Erfolg.
Die Lektionen in der App werden farbig gekennzeichnet – je nach Erfolg.

Duolingo treibt Gamification auf die Spitze

Mit Duolingo eine Sprache zu lernen, ist wie Spielen. Gamification nennt sich das und wirkt offenbar besonders gut bei ehrgeizigen Leuten wie mir. Jeder Kreis bedeutet eine neue Lektion à 5 Wiederholungen mit neuer Grammatik oder besonderen neuen Vokabeln. Schaffe ich es, jeden Tag eine Einheit abzuschließen, was oft nicht länger als 5 Minuten dauert, geht mein Streak weiter. Ist die komplette Lektion abgeschlossen, wird sie golden. Zusätzlich werden Erfahrungspunkte gesammelt, die genau wie in der Gaming-Welt „XP“ genannt werden, und man reiht sich damit zwischen andere anonyme Lernende in einer Rangliste ein. Wer am Ende einer Woche oben steht, kommt in eine höhere Liga. Ich wollte immer Erste sein.

Verschiedene Elemente in der App treiben immer wieder die Motivation an
Verschiedene Elemente in der App treiben immer wieder die Motivation an

Nach dem Endboss in Koreanisch ging es mit Französisch weiter

Mein Anreiz: das Ding durchzuspielen! Genauso wie ich als Teenager Stunden am Stück ausgewählte RPGs an der Playstation 2 durchlief, wollte ich alle Lektionen zu Gold machen und nach dem Finale die Sprache beherrschen. Rund anderthalb Jahre später war der Endboss für Koreanisch besiegt. Sprechen ging nicht, verstehen konnte ich meine Lieblings-TV-Dramas auf Netflix auch nur wortweise und mein Streak war erst bei etwas über 500. Zu nah an der 1000, um aufzugeben.

Um die nächsten anderthalb Jahre nun nicht nur ständig dasselbe Koreanisch wiederholen zu müssen, suchte ich ein neues Game: Japanisch. Das klappte nicht so gut. Problem: Mein Thema mit dem Auswendiglernen. Stattdessen: Französisch. Viel einfacher. Mein Wortschatz übersteigt mittlerweile deutlich „Voulez-vous“ und „Baguette“, es gibt allerdings auch viel mehr Lektionen und Möglichkeiten hier in der App zu lernen. Audio-Stories sind da und ständig soll ich ins Telefon sprechen. Der Druck ist groß.

Es lohnt sich, immer wieder in abgeschlossene Kurse zu schauen: Es kann Neuigkeiten geben.
Es lohnt sich, immer wieder in abgeschlossene Kurse zu schauen: Es kann Neuigkeiten geben.

Meine Ausdauer mit der App ist keine nachhaltige Ausdauer. Sie beruht auf dem Wunsch, zu gewinnen. Müsste ich jeden Tag Lektionen in einem Buch lesen und üben, würde ich das nicht hinbekommen. Erstens dauert es zu lange und zweitens kann man hier die Ergebnisse so schlecht bei Instagram teilen. Auf den Streak kann ich stolz sein – und das bin ich auch. Und in meinem Lebenslauf schreibe ich zukünftig „Koreanisch: Basic“.

Ziel „Sprache meistern“ klar verfehlt

Das Ergebnis „eine Sprache meistern“ habe ich bei meinem Koreanisch-Kurs allerdings klar verfehlt. Gerade bei Sprachen, die der eigenen sehr fern sind, ist es unabdingbar, sie auch in den Mund zu nehmen und selbst Sätze zu formen, die nicht durch Textbausteine vorgegeben sind. Oder sie zu schreiben – meine koreanische Rechtschreibung ist furchtbar. Bei meinem aktuellen Französisch-Kurs läuft es deutlich besser. Auch hier müsste ich öfter Übung beim Reden haben, aber es fällt mir sehr viel leichter, Sätze in meinem Kopf zu formen. Bricht mein Streak nun jedoch irgendwann ab, denke ich nicht, dass ich so regelmäßig in der App vorbeischauen werde.

Es gibt viele mobile Apps, die mit Streaks arbeiten, Spiele vor allem. Je länger der Streak, desto höher die Belohnungen. Das macht süchtig. Ich weiß noch, als ich mal einen Streak abbrechen ließ und ein Spiel von da an nicht mehr Teil meiner täglichen Routine war. Es war eine unglaublich Befreiung. Wann ich nun den Duolingo-Streak abreißen lasse? Mal sehen – ich hoffe immer noch, dass ich für meinen unglaublichen Ehrgeiz belohnt werde.

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