Hamburger Polizei warnt mit Video vor Enkeltrick

Johannes Giesler
Freier Autor
Die Betrüger brauchen nur ein Telefon für ihre Masche. Mit dem sogenannten "Enkeltrick" belügen sie Unschuldige und versuchen so, an Geld zu gelangen. Foto: Symbolbild / gettyimages / Tero Vesalainen

Gemeinsam mit dem „Miniatur-Wunderland“ hat die Hamburger Polizei ein Video produziert, das den sogenannten Enkeltrick zeigt. Darauf folgen Tipps, wie man sich gegen diese Betrugs-Masche zur Wehr setzen kann.

Das Video startet mit einem Schriftzug: „Dieses Video stellt brandaktuelle Verbrechen nach!“ Zu sehen sind dann kleine Spielzeug-Polizisten, die zu einem Einsatz gerufen werden. Es wird gebrüllt:

„Einsatz, Jungs!“

„Los geht’s“

„Vorwärts!“

In einer Art Stop-Motion-Animation bewegen sich die Beamten-Figuren über das Polizeigelände, steigen in ihre Einsatzfahrzeuge und fahren los – mit Blaulicht und Sirene.

Nächste Szene: Der Betrug

Zu sehen ist eine Art Call-Center, in dem zahlreiche Betrüger mit Headsets wie am Fließband telefonieren. Jeder Anruf ist dabei der Versuch, einem Unschuldigen oder einer Unschuldigen Geld abzuluchsen. Das erste Szenario klingt dabei so:

„Herr Burgmann, hören Sie genau zu. Es muss jetzt sehr schnell gehen. Zunächst einmal möchte ich Ihnen sagen, dass es mir sehr leid tut.“

Am anderen Ende der Leitung sitzt ein älterer Mann auf seinem senfgelben Sofa. Er ist überrumpelt: „Was tut Ihnen leid?“

„Ihr Sohn hatte einen sehr schweren Verkehrsunfall. Er ist bereits im OP und die Ärzte versuchen alles, um ihn zu retten. Es geht um wirklich jede Sekunde.“

„Oh Gott, der Stefan? Wird er durchkommen?“

„Stefan Burgmann, genau. Aufgrund der Schwere der Verletzungen sind einige lebensrettende OPs nötig, die nicht von der Krankenkasse übernommen werden. Deswegen ist mein Anruf lebenswichtig und extrem dringend. Ihr Sohn wird sterben. Ich benötige sofort eine Überweisung über 12.000 Euro.“

„Oh Gott, oh Gott. Bitte, ja, warten Sie. Ich habe die 12.000 Euro da. Geben Sie mir nur die Bankverbindung.“

Im Hintergrund des Call-Centers steht eine Anzeigetafel, darauf ist eine hohe Geldsumme zu sehen. In diesem Moment drehen sich die Ziffern und zeigen den Gewinn der Betrüger an: + 12.000 Euro.

Das insgesamt vier Minuten lange Video zeigt in der Folge noch weitere Betrugs-Maschen, bis die Polizei die Betrüger im Laufe ihres Polizeieinsatzes festnimmt. Wenig später tritt dann ein kleiner Plastik-Polizeisprecher vor die Presse und erklärt: „Wir haben seit einiger Zeit mit stark steigenden Fallzahlen zu tun. Wir raten Ihnen sehr dringend: Lassen Sie sich niemals auf ein Gespräch ein.“ Dann folgt der zentrale Appell:

„Legen Sie einfach auf!“

Es ist bereits die zweite Zusammenarbeit der Hamburger Polizei mit dem ebenfalls in Hamburg ansässigen „Miniatur-Wunderland“. Im ersten gemeinsamen Video hat das „Miniatur-Wunderland“, das laut Homepage in der Speicherstadt auf 1.499 Quadratmeter Fläche die größte Modelleisenbahn der Welt beheimatet, für die Polizei ein Lern-Video erstellt. Thema: Wie man richtig eine Rettungsgasse auf der Autobahn bildet.

In der zweiten Kooperation nun stellen die „Wunderland“-Betreiber mit ihren Kleinstmodellen den sogenannten Enkeltrick nach. Dabei handelt es sich im Kern um einen Telefon-Betrug. Durch Lügen werden – meist ältere Menschen – dazu gebracht, sofort Geld zu überweisen. Die Polizei schreibt in einer dazugehörigen Pressemitteilung:

„Wie in diesem Video, werden die Angerufenen in abenteuerliche Geschichten von Einbrechern, kriminellen Bankmitarbeitern und korrupten Polizisten verstrickt, um an das Geld ihrer Opfer zu gelangen. Die Anrufe ziehen sich über Tage, teilweise über Wochen hin und setzen die Angerufenen massiv unter Druck.“ Ziel der Betrüger sei es, ihre Opfer dazu zu bringen, ihnen hohe Summen an Bargeld oder Wertsachen zu übergeben.

Technisch ausgestattet und gut organisiert

Die Täter geben sich dabei große Mühe, ihre Geschichte überzeugend darzustellen. So schreibt die Polizei weiter, Teil der Erzählung sei oft, dass örtliche Beamte korrupt seien. So sollen „kritische Nachfragen bei den entsprechenden Stellen im Keim“ erstickt werden.

Die Telefon-Täter sind dazu technisch aufgerüstet. Sie können durch sogenanntes „Call ID-Spoofing“ dafür sorgen, dass die Telefonnummer, mit der sie anrufen, einer offiziellen Dienststelle gleicht. Außerdem bereiten sie sich akribisch vor, studieren etwa Google-Maps, um die Umgebung des Opfers auszukundschaften und täuschen damit Detailwissen zur Umgebung vor.

Die Täter sind mitunter in Banden organisiert und verteilen Sprech-Rollen – so kann es sein, dass „in den Telefonaten mit unterschiedlichsten Personen, wie z.B. angeblichen weiteren Ermittlern, Observationsleitern, Staatsanwälten“ gesprochen wird. Aber: „All diese Personen gehören zu den Betrügerbanden“, warnt die Polizei.

So können Sie sich schützen

Die Polizei rät:

  • Hören Sie auf Ihr Bauchgefühl und lassen Sie sich Zeit, diese Anrufe zu überdenken!

  • Wenden Sie sich an eine Person Ihres Vertrauens – egal, welche Anweisungen Sie vom Anrufer erhalten haben!

  • Kürzen Sie Ihren Vornamen im Telefonbuch ab. Die Täter suchen ihre potentiellen Opfer gezielt nach altmodisch klingenden Vornamen aus.

  • Legen Sie im Zweifel einfach den Telefonhörer auf. Ein gesundes Misstrauen ist keine Unhöflichkeit!

Bedenken Sie:

  • Die Polizei erfragt keine Bankdaten wie Kontonummer, Kontostand oder Inhalt vom Schließfach! Auch fragt sie nicht nach Verstecken von Wertsachen und Geld bei Ihnen zu Hause.

  • Die Polizei setzt Sie niemals unter dem Vorwand, Ermittlungsbehörden unterstützen zu müssen, unter Druck!

  • Die Polizei wird Sie niemals auffordern, Geld von der Bank abzuheben und dies z.B. zur Übergabe vor dem Haus zu deponieren oder an einen vermeintlichen Polizisten zu übergeben!

Das Wichtigste zum Schluss: Wenn Sie einen solchen Anruf erhalten haben, schreibt die Polizei, wählen Sie die 110 oder zeigen Sie den Vorfall bei Ihrem zuständigen Polizeikommissariat an.