Wie sich Hamilton vom Coronavirus abgeschirmt hatte

Jonathan Noble
·Lesedauer: 3 Min.

Der positive Coronatest von Lewis Hamilton kommt überraschend. Es wird das erste Mal seit seinem Formel-1-Debüt 2007 der Fall sein, dass der Brite ein Rennen verpassen wird. Eigentlich galt der Mercedes-Pilot als einer, der die Regeln bezüglich Isolation am striktesten aller Fahrer eingehalten hat. So wohnte er etwa nie im Hotel, sondern nur in seinem Motorhome.

Zudem gab es auch mit den Teammitgliedern nur minimalen Kontakt. Selbst die Meetings wurden über die Videoplattform Zoom vorgenommen, um das Risiko einer Infektion zu minimieren.

"Die Fahrer sind die abgeschottetsten Leute des gesamten Teams", sagt Motorsportchef Toto Wolff. "Für sie ist es natürlich keine tolle Situation, weil du fast wie ein Einsiedler leben musst - und das tun sie. Sie bleiben zuhause, gehen nicht zum Abendessen und treffen keine anderen Leute."

Hamilton hat versucht, sich in diesem Jahr so gut es geht zurückzunehmen, wenn er zuhause in Monaco war. Von seinem vorherigen Lifestyle, bei dem er rund um die Welt reiste, hat er sich erst einmal verabschiedet.

Zuhause in Monaco statt zuhause in der Welt

"Dieses Jahr ist das erste Jahr, in dem ich so viel Zeit zu Hause verbringe. Ich war sonst nie so viel zu Hause", sagt er. "Im Winter gehe ich in die Berge, was ich als mein eigentliches Zuhause sehe. Weil das ein Haus ist, voller Liebe und voller Erinnerungen an die Menschen, die dort jedes Jahr zusammenkommen."

"Monaco ist ein Ort, an den ich immer wieder zurückkehre und wo ich viel Zeit verbringe, aber natürlich nicht mit den gleichen Erinnerungen. Ich bin immer nur kurz dort. Das war nicht so leicht. Dieses Jahr war ich nach einem Rennen zum ersten Mal eine ganze Woche am selben Ort. Das hatte ich so noch nie, aber das hat mir wirklich gutgetan. Auch wenn es eine Herausforderung war."

"Es gab auch Zeiten, da wäre mir fast die Decke auf den Kopf gefallen. Aber ich weiß, das geht vielen Menschen auf der ganzen Welt so. Ich hatte jedenfalls viele Dinge, auf die ich mich so konzentrieren konnte. Ich habe zu mir selbst gefunden, habe Frieden gefunden, meine Mitte. Ich bin einfach glücklich. Und so konnte ich mich in meinem Training darauf konzentrieren, an meinen Schwächen zu arbeiten."

Angela Cullen als Bezugsperson

Hamiltons Blase bestand im Grunde aus sich selbst und seiner Physiotherapeutin Angela Cullen. Selbst sein langjähriger Assistent Marc Hynes hat nicht viel Zeit in seiner Nähe verbracht. "Es war vor allem mit Angela. Marc fährt immer nach Hause und war nicht wirklich in meiner Blase", erzählt er. "Ich danke Gott für Angela!"

Häufig versuchte er sie davon zu überzeugen, zu ihrer Familie zu reisen, doch sie bestand darauf, bei ihm zu bleiben und ihm zu helfen: "Sie hat ja eine Familie. Ich habe versucht, ihr so viel Zeit wie möglich mit ihrer Familie zu ermöglichen. Ich glaube, es ist nicht einfach, so viel Zeit mit einer Person zu verbringen, aber wir sind Zimmerkollegen und ziemlich beste Freunde."

Angela Cullen verbrachte eine Menge Zeit mit dem Formel-1-Weltmeister

Angela Cullen verbrachte eine Menge Zeit mit dem Formel-1-Weltmeister<span class="copyright">Motorsport Images</span>
Angela Cullen verbrachte eine Menge Zeit mit dem Formel-1-WeltmeisterMotorsport Images

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"Wir arbeiten gut zusammen, und wir machen fast alles gemeinsam. Wir gehen zusammen Fallschirmspringen, Surfen, Laufen, ins Fitnessstudio - einfach alles. Wir machen gemeinsam Yoga, meditieren. Wir sind auf einer Wellenlänge, was uns gefällt und was uns nicht gefällt. Wir ernähren uns beide rein pflanzlich und lernen da viel voneinander. Es gibt Dinge, die habe ich eingebracht, die kannte sie nicht, und umgekehrt."

Doch trotz aller Vorkehrungen - Wolff verzichtete sogar auf einen Besuch in Monaco - hat COVID-19 nun auch Hamilton erwischt.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.