Handy-Verbot! Immer mehr Musiker wollen keine Smartphones auf ihren Konzerten

Angelika Zahn
Freie Journalistin

Künstler wie Bob Dylan, Alicia Keys oder Jack White sind davon genervt, bei ihren Auftritten ständig gefilmt zu werden. Aber lässt sich ein Smartphone-Verbot bei Musik-Events wirklich durchsetzen?

Die meisten Konzertbesucher nehmen die Shows nur noch durchs Handy-Display wahr (Symbolbild: Getty Images)

Früher wurden bei einem Konzert höchstens einmal Feuerzeuge in die Luft gereckt, wenn es besonders romantisch wurde. Heute blicken die Künstler von der Bühne aus auf ein Meer von Smartphones. Eine Tatsache, die nicht nur dafür sorgt, dass die Fans das Musikerlebnis gar nicht mehr real und mit allen Sinnen, sondern nur noch durchs Handydisplay wahrnehmen.

Auch immer mehr Künstler sind davon mehr als genervt. Schließlich landen hinterher dann Hunderte oder Tausende verwackelte Handy-Videos von der Show in mieser Qualität auf YouTube oder Instagram. Und wir wissen ja: Das Internet vergisst nie! Deshalb setzen sich jetzt mehr und mehr Stars dafür ein, dass die Smartphones während ihres Auftritts in der Tasche bleiben müssen.

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Bob Dylan möchte keine Smartphones auf seinen Konzerten (Bild: Getty Images)

Bob-Dylan-Konzert funktionierte handyfrei

Das klappt mal besser und mal schlechter. Ein positives Beispiel: Das Konzert von Songwriter-Legende Bob Dylan kürzlich in der Hamburger Barclaycard Arena war vollständig handyfrei – nicht ganz freiwillig und mit einer Menge organisatorischem Aufwand: Am Eingang waren Schilder mit einem Smartphone-Verbot aufgebaut, es gab mehrere Durchsagen und falls es doch jemand wagte, das Handy herauszuholen, war postwendend ein Ordner zur Stelle, der höflich darum bat, das bitte zu unterlassen. Bei einer zweiten Verwarnung gäbe es einen Platzverweis. Die Fans berichteten hinterher von einer überaus entspannten Erfahrung.

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Ob das wohl so gut funktionierte, weil im Publikum überwiegend Gäste älteren Semesters zu finden waren? Fakt ist: Erwachsene tun sich oft leichter, mal ein oder zwei Stunden nicht aufs Handy zu schauen.

Junge YouTube-Stars freuen sich eher über Zusatz-PR

Jüngere Musikfans, sogenannte “Digital Natives“, die mit dem Internet aufwachsen, tun sich damit offenbar schwerer und wollen das Erlebte in Echtzeit mit ihren Freunden teilen. Oft besuchen sie aber sowieso Konzerte von ebenso jungen Musikern, die ihren Erfolg YouTube zu verdanken haben und die sich über die zusätzliche Öffentlichkeit freuen, die ihnen Insta-Stories und Co. bringen.

Stars wie Jack White von den White Stripes, Guns N’Roses oder Alicia Keys dagegen halten es wie Bob Dylan und pfeifen auf den PR-Effekt von Handyvideos: Sie bitten nicht nur darum, bei ihren Konzerten auf Smartphones zu verzichten, sie wollen auf Nummer sicher gehen: Die Besucher müssen ihre Geräte vorab in einen “Yondr“ packen, das sind Neopren-Beutel, die sich für die Dauer des Auftritts nicht öffnen lassen.

Aber ist das nicht ein Eingriff in die persönliche Freiheit? Viele Fans werden darüber zumindest nicht besonders erfreut sein. Aber wenigstens können sie ihren Unmut darüber nicht sofort mit der (Internet-)Welt teilen...

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