Hast du häufig Schmerzen beim Sex? Das könnte der Grund dafür sein

Cory Stieg

Wenn deine Vagina penetriert wird und du mitten im Akt Schmerzen verspürst, gehst du wahrscheinlich stillschweigend und sekundenschnell eine Checkliste durch: Ist die Position falsch? Brauchen wir mehr Gleitmittel? Habe ich eine Infektion? Manchmal kann es sich so anfühlen, als wäre deine Vagina ein eigenständiger und überaus mystischer Organismus, der dich dazu verdammt hat, das jetzt durchstehen zu müssen. Musst du aber nicht. Zumal du mit diesen Schmerzen keineswegs alleine bist. Schmerzen beim Sex haben sogar einen medizinischen Namen: Im Fachjargon spricht man auch von Dyspareunie.

Schmerzen beim Sex können viele Ursachen haben

„Bei Dyspareunie handelt es sich um Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, die eine Vielzahl von Symptomen umfassen können“, sagt Dr. Mary Jane Minkin, klinische Professorin für Gynäkologie an der Yale University School of Medicine. Die gute Nachricht: Sobald du Symptome erkennst, gibt es entsprechende Mittel zur Behandlung.

Leider erwähnen viele Menschen gar nicht erst, dass sie während des Geschlechtsverkehrs häufig Schmerzen empfinden. Wir haben Dr. Minkin die wichtigsten Fragen gestellt, damit die Hemmschwelle, zur Ärztin oder zum Arzt zu gehen, nicht mehr ganz so hoch ist:

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Wie fühlt sich Dyspareunie an?

Laut Dr. Minkin solltet ihr euch zu allererst fragen, wo genau der Schmerz liegt. „Ist es ein vaginaler Schmerz, der zustande kommt, wenn die Vagina penetriert wird? Oder ist es ein tief sitzender Schmerz im Becken, der erst dann entsteht, wenn zum Beispiel starke Stöße vollzogen werden?“, so Dr. Minkin. Beide Schmerzarten können unter Dyspareunie fallen, müssen jedoch völlig unterschiedlich behandelt werden.

Allgemein können viele Symptome von Dyspareunie auch durch bloße Penetration ausgelöst werden, beispielsweise schon durch das Einführen eines Tampons. Die Symptome umfassen aber auch Schmerzen oder einen hypersensiblen Bereich um den Schambereich herum, tiefere Schmerzen bei Penetration und Stößen im Bereich des Muttermunds oder des Beckens, brennende oder stechende Gefühle sowie pulsierende Schmerzen nach dem Geschlechtsverkehr.

Was ist die Ursache von Dyspareunie?

Die Liste der Ursachen von Dyspareunie ist verhältnismäßig lang: Von Trockenheit oder Harnwegsinfektionen bis hin zu Pilzen und langfristige nicht-infektiöse Krankheiten wie etwa Endometriose können zu Schmerzen beim Sex führen. Auch diverse sexuell übertragbare Krankheiten können mögliche Übeltäter sein, ebenso wie psychische Gründe, die zu Blockaden und Krämpfen und folglich zu Schmerzen führen. Wenn die Schmerzen beim Sex länger anhalten oder wiederholt auftreten, sollte unbedingt ein ärztlicher Rat eingeholt werden.

Wie häufig kommt Dyspareunie vor?

Grob geschätzt haben laut dieser Studie von 1990 60 Prozent aller Frauen weltweit schon einmal Schmerzen beim Sex gehabt. Eine weitere, allerdings weniger umfangreiche Studie von 1999 fand heraus, dass 45 Prozent der befragten Frauen von Dyspareunie berichteten, nachdem sie Kinder geboren hatten.

Eine genaue Zahl herauszufinden scheint jedoch fast unmöglich, weil unklar ist, wie viele Menschen diese Schmerzen überhaupt benennen und damit zu einem*r Mediziner*in gehen.

Wie lässt sich Dyspareunie behandeln?

Die Behandlungsmethode hängt stark von der Art der Schmerzen ab. Wenn die Schmerzen in Verbindung mit einer Vaginalinfektion stehen, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, die Ursachen mit Antibiotika bekämpfen zu können. Bei Trockenheit bieten sich unterschiedliche, beispielsweise wasserbasierte Gleitmittel an, die eine Penetration vereinfachen. Wenn die Trockenheit mit der Menopause zusammenhängt, kommt nach ärztlicher Absprache möglicherweise eine Hormontherapie in Frage. Wer die Schmerzen jedoch über mehrere Jahre spürt, sollte über eine mögliche Therapie nachdenken und auch hier medizinischen Rat einholen.

Kann man Dyspareunie vorbeugen?

Es gibt definitiv ein paar Methoden, mit denen man den Sexualakt an sich vereinfachen kann, um ultimativ auch Freude daran zu empfinden. Grundsätzlich sind Gleitmittel niemals eine schlechte Idee. Welches das passende ist, muss man ausprobieren, weil die eine oder andere möglicherweise allergisch auf Inhaltsstoffe wie etwa Silikon reagiert.

Ansonsten kann auch mit den Stellungen herumprobiert werden, bis ihr euch rein physisch wohlfühlt.

Doch am allerwichtigsten: Kommuniziert mit eurem*r Partner*in. Vor allem, wenn die Schmerzen psychosomatisch bedingt sind, solltet ihr euch die Zeit nehmen und ausführlich besprechen, was vielleicht vorgefallen ist oder was eure Blockade verursacht, und was euch dabei helfen könnte. Und vergesst niemals: Intimität lässt sich auch ohne Penetration herstellen.

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