Hat Facebooks Lösch-Verhalten überhaupt ein System?

Willy Flemmer
Freier Autor für Yahoo

Facebook löscht rigoros Kommentare, Bilder und Videos mit sexualisierten Inhalten. Manches eindeutig Obszöne übersieht das soziale Netzwerk aber offenbar. Das ist nun auch der Zeitung Bild aufgefallen, die sich mit einem angeblich eindeutigen Beispiel an Facebook wandte.

Steckt hinter Facebooks willkürlicher Löschpraxis überhaupt ein System? (Bild:ddp/ZUMA)

Facebook ist in den letzten Jahren ziemlich prüde geworden. Das soziale Netzwerk löscht rigoros nahezu alle sexualisierten Inhalte. Das können Bilder und Videos sein, in denen Nacktheit oder sexuelle Handlungen vorkommen, oder anzügliche Kommentare – seien es explizite oder auch nur angedeutete. Mit dem Vorgehen setzt der Konzern seine so genannten "Gemeinschaftsstandards" um. Mehr als die prüde Haltung, die in der Lösch-Manie zum Ausdruck kommt, kritisiert so mancher Beobachter die scheinbar willkürliche Umsetzung dieser Standards. Der Vorwurf: Facebook setze hier allzu empfindlich den Rotstift an, lasse dort aber eindeutig sexualisierte Inhalte online. Das ist auch der Tageszeitung Bild aufgefallen, die sich zuletzt mit einem angeblich eindeutigen Beispiel an den Konzern gewandt hatte.

Video mit "sexueller Aktivität"

Bild ist auf Facebook ein Video aufgefallen, in dem ein Mann und eine Frau miteinander Geschlechtsverkehr haben sollen. Der Tatort ist offenbar das gemeinsame Bett. Der Mann tauche unter die Bettdecke und befriedige die junge Frau oral, heißt es in einem bei Bild veröffentlichten Artikel. Anschließend würde sie vor ihm knien und sie hätten Sex. Der Clip soll auf Facebook bereits mehr als 2.400 Mal geteilt und von 2,3 Millionen Usern angeklickt worden sein. Nur den Mitarbeitern von Facebook sei er offenbar entgangen. Oder haben sie mit dem Inhalt kein Problem, fragt Bild. Um Antworten zu finden, hat die Zeitung das Video wegen "sexueller Aktivität" bei Facebook gemeldet. Das Ergebnis: "Das soziale Netzwerk konnte an diesem Fall nichts Anstößiges finden", so das Blatt.

Daumen nach unten für Facebooks Lösch-Praktiken? (Bild: Getty Images)

Das Video verstoße laut Facebook nicht gegen die Gemeinschaftsstandards des Konzerns. Bild verlangte eine "nochmalige Prüfung" – mit ähnlichem Ergebnis. "Ein Experte aus unserem Team hat das Video erneut überprüft", und es verstoße "nicht gegen unsere Standards zu Nacktheit und sexueller Aktivität", zitiert die Zeitung das soziale Netzwerk. Dabei ist sich Bild sicher: Das “Sexfilmchen“ ist sehr wohl ein Verstoß gegen einen wichtigen Punkt in den "Gemeinschaftsstandards", nämlich das Verbot, "Stimulierung von Genitalien oder After” zu zeigen, “auch wenn diese durch die Kleidung hindurch oder darunter stattfindet". Das Versäumnis von Facebook sei daher "ein weiteres Beispiel in einer ganzen Reihe unverständlicher Entscheidungen im Zusammenhang mit den Regeln des Netzwerks".