Heimweh: 6 praktische Tipps gegen Einsamkeit

Molly Longman

Als ich damals für mein Studium in eine andere Stadt gezogen bin, habe ich immer gesagt: „Ich habe kein Heimweh, ich habe Lieblingsmenschenweh“. Es war nicht mein altes Kinderzimmer oder mein Zac Efron-Poster, das ich vermisste. Es waren meine Freund*innen und meine Eltern.

Wenn Menschen sagen, sie hätten Heimweh, sehnen sie sich selten nach dem Elternhaus oder dem Dorf, in dem sie groß geworden sind. Meist geht es ihnen um die zwischenmenschlichen Beziehungen und die Unterstützung, auf die sie sich so lange verlassen konnten. Doch laut der Gründerin von TAO Connect (Therapy Assistance Online) Dr. Sherry Benton sind diese Gefühle ganz normal. „Wenn du anfängst, zu studieren oder für einen neuen Job in eine andere Stadt ziehst, verändert sich jeder Aspekt deines Lebens. Noch mal ganz von vorn anzufangen, sich ein neues soziales Netzwerk aufzubauen und sich an einem neuen Ort so einzuleben, dass man sich wirklich wohlfühlt, kann sehr schwer sein.“

Die Schulpsychologin, Erziehungsexpertin und Vertrauenslehrerin Reena B. Patel sieht das genauso und ergänzt, dass Studierende oftmals zuerst eine Honeymoon-Phase erleben, wenn sie mit der Uni beginnen. Doch ein paar Wochen später überrascht sie meist das Heimweh, wenn die Euphorie der neu gewonnenen Freiheit verflogen und der Reiz des Neuen vorbei ist.

Doch egal wann die Sehnsucht nach dem alten Zuhause zuschlägt – sei es, wenn du als Au Pair oder Erasmusstudent*in in ein fremdes Land gehst oder als Erwachsene*r einfach nur in die nächste Großstadt ziehst –, eines solltest du dir bewusstmachen: Es ist okay, traurig zu sein und deine Mama zu vermissen! Auch wenn du offiziell längst erwachsen bist. Das ist nichts, wofür du dich schämen müsstest!

Am Anfang kann dich das Heimweh ganz schön runterziehen. Wahrscheinlich wirst du dich ziemlich leer und ausgelaugt fühlen. Ein Grund dafür kann laut Benton sein, dass die neue Situation Stress für deinen Körper bedeutet. Und das kann wiederum unser Gehirn, unser Nervensystem, unseren gesamten Körper aus dem Gleichgewicht bringen, so Benton. Zum Glück gibt es aber ein paar Dinge, die du machen kannst, um dem vorzubeugen – oder zumindest diese traurige Phase schneller und besser zu überstehen.

Schließ dich einer Freizeitgruppe an

Ob Buchclub oder Sportverein: Patel rät, sich ein Hobby zu suchen und sich einer Freizeitgruppe anzuschließen. So kannst du schnell neue Freund*innen finden und dich gleichzeitig davon ablenken, was du alles vermisst.

Geh nicht direkt wieder nach Hause

Dieser Tipp bezieht sich auf zwei verschiedene Dinge. Erstens: Solltest du in die Nähe deiner Heimat gezogen sein, denkst du vielleicht, es wäre eine gute Idee, jedes Wochenende zu deinen Eltern und deinen alten Freund*innen zu fahren. Schließlich kann das Heimweh dann ja gar nicht sooogroß werden, richtig? Falsch gedacht! Du erinnerst dich damit selbst regelmäßig daran, was du vermisst und gibst dir gar nicht erst die Chance, dich in deiner neuen Umgebung einzuleben. Also zwing dich dazu, seltener nach Hause zu fahren und stattdessen lieber etwas in deiner neuen Heimat zu unternehmen – zum Beispiel mit anderen Newbies, denen es genauso geht wie dir.

Und zweitens: Ja, es ist verlockend, direkt nach der Uni oder der Arbeit nach Hause zu gehen. Pünktlich zum Feierabend zieht es dich vielleicht auf dein Sofa in deiner neuen Wohnung, doch dort wirst du dich nur noch einsamer fühlen. Also geh am besten direkt eine Runde unter Leute, denn wenn du einmal zu Hause bist, kannst du dich bestimmt nicht noch mal aufraffen.

Finde einen Mittelweg

Niemand sagt, du musst dich komplett von deinem alten Freundeskreis und deiner Family abwenden! Halt den Kontakt zu ihnen, aber sei gleichzeitig offen gegenüber neuen Menschen in deinem Leben. Will heißen: Wenn dir das nächste Mal die Tränen in die Augen schießen, während der Abspann der letzten Folge deiner Lieblingsserie läuft und dieses tiefe Gefühl der Leere aufkommt, darfst du deine Mama anrufen. Aber beim übernächsten Mal, schreibst du deiner neuen Freundin aus dem Fitnessstudio eine Whatsapp und fragst, ob sie Lust auf einen Kaffee hat. Deal?

Plane deinen nächsten Besuch 

Patel sagt, es ist wichtig, frühzeitig den nächsten Besuch in der Heimat zu planen und den Termin dann schwarz auf weiß festzuhalten. Wenn du dir dann das nächste Mal eine Tiefkühlpizza aufwärmst und dich nach Mamas Bolo sehnst, schlägst du den Kalender auf und siehst, dass nur noch ein paar Tage/Wochen durchhalten musst. Vorfreude ist und bleibt nun mal die schönste Freude.

Nimm ein paar Erinnerungen mit

Ob Kindheitsfotos, gesteppte Tagesdecke oder Lichterkette: Patel rät, ein paar Gegenstände mit sentimentalem Wert in die Umzugskartons zu packen. In der neuen Umgebung werden sie dir helfen, dich schneller wie zu Hause zu fühlen. Aber übertreib’s nicht. So ein Umzug ist schließlich der perfekte Grund, mal richtig gründlich auszusortieren und sich von unnötigem Ballast zu trennen.

Konzentriere dich auf’s Positive

In den dunkelsten Momenten kann es sich so anfühlen, als hättest freiwilligdein altes schönes gegen ein neues doofes Leben eingetauscht. Als könntest du nie wieder so glücklich sein wie damals. Doch laut Patel ist es extrem wichtig, positiv über diesen neuen Lebensabschnitt zu denken und darüber, was er alles Aufregendes mit sich bringen könnte: „Du stehst am Anfang einer großen Reise, die dein Leben nur noch wundervoller machen wird“. Also sei stolz auf dich, dass du diesen Schritt gewagt hast, akzeptiere, dass es auch mal traurige Momente gibt und versuche, zuversichtlich in die Zukunft zu schauen. Dann wird schon alles gutgehen. Und wenn nicht, kannst du immer noch nach Hause zurückkehren. Und das hätte dann übrigens nichts mit aufgeben zu tun! Aber das nur nebenbei.

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