Hertha reagiert auf Klinsmann: "Art und Weise inakzeptabel"

Ben Barthmann
Sports Editor

Hertha BSC hat am Donnerstagmittag auf den unerwarteten Rückzug von Cheftrainer Jürgen Klinsmann reagiert. Auf der eigens einberufenen Pressekonferenz erklärten Manager Michael Preetz, Präsident Werner Gegenbauer und Investor Lars Windhorst, dass eine weitere Zusammenarbeit im Aufsichtsrat nicht vorstellbar wäre.

Michael Preetz stellte Jürgen Klinsmann im November 2019 als Hertha-Trainer vor. (Bild: Getty Images)

“Aufgrund der Art und Weise wie sich Klinsmann verabschiedet hat, ist eine Zusammenarbeit im Aufsichtsrat nicht vorstellbar. Die Art und Weise war inakzeptabel. Im Sinne des Vereins können wir eine zielführende Zusammenarbeit nicht fortführen”, sagte Windhorst.

Gegenbauer stellte klar, dass Klinsmann bereits mit seiner Aufnahme der Tätigkeit als Cheftrainer das Amt im Aufsichtsrat habe ruhen lassen. Er werde auch nicht wieder einberufen. Der Hertha-Präsident betonte: “Es ist offenbar der Eindruck entstanden, dass Chaos ausgebrochen ist. In meinen Augen wird hier sehr geordnet gearbeitet.”

Der Abgang Klinsmann sei “ein Schock” gewesen: “Der Dank gilt den Mitarbeitern, die einen weiteren Ablauf ohne Störungen ermöglicht haben.” Gegenbauer sprach zudem sein Vertrauen in Manager Preetz aus.

Klinsmann hat sich telefonisch entschuldigt

Auch Windhorst betonte, dass der Rücktritt Klinsmann keine Auswirkungen auf das laufende Projekt haben sollte. Sein Unternehmen sei weiterhin “sehr engagiert”, es habe sich “überhaupt gar nichts geändert.”

Dennoch bedaure er den Rückzug von Klinsmann sehr: “Ich habe mit Klinsmann danach telefoniert, er hat sich entschuldigt, ihm tut das sehr Leid. Ich denke er bereut die Entscheidung. Das war sehr emotional für ihn. Ich denke nach wie vor, dass er ein Gewinn für Hertha BSC war.” Windhorst schob nach: “Diese Reaktion von ihm kann man als Jugendlicher machen, aber als Erwachsener im Geschäftsleben sollte sowas nicht passieren.“

Ebenso wie Preetz sagte Windhorst, dass er sich eine gemeinsame Problemlösung statt einen Rückzug gewünscht hätte. Preetz unterstrich: “Es gab keinerlei Anzeichen.” Auch die Beschwerde Klinsmanns, dass sich Preetz am Spieltag auf der Trainerbank zu sehr einbringe, könnte man nicht nachvollziehen.

Klinsmann wollte mehr Kompetenzen

“Ich bin schon einige Jahre im Fußball dabei und glaube, schon einiges erlebt zu haben. Was am Dienstag passiert ist, war in dieser Form trotzdem neu für mich”, erklärte Preetz. Durchaus aber habe sich Klinsmann mehr Kompetenzen hinter den Kulissen gewünscht, das sei Teil der Gespräche gewesen. Vorerst vertraut die Hertha auf die bisherigen Co-Trainer Alexander Nouri und Markus Feldhoff.

Jürgen Klinsmann hatte am Dienstag überraschend seinen Rücktritt als Cheftrainer von Hertha BSC erklärt. Der ehemalige deutsche Nationaltrainer gab bei Facebook eine Erklärung heraus, die auch den Klub überraschte. Erst nach etwa 45 Minuten reagierten die Berliner auf den Rückzug.

Kommentar zum Klinsmann-Rücktritt: Die Lachnummer der Liga

Klinsmann sprach anschließend in der Bild von unterschiedlichen Vorstellungen. Er bezeichnete das Projekt als “Himmelfahrtskommando”. Am Mittwochabend reagierte er auf die teilweise verärgerten Reaktionen einiger Hertha-Fans und gab in einem Facebook-Livestream weitere Antworten zu seinem Rücktritt.

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Der 55-Jährige hatte die Hertha Ende November 2019 übernommen. In zehn Spielen sammelte er im Schnitt 1,2 Punkte. Zuletzt hatten die Berliner mit 2:3 gegen Schalke im DFB-Pokal und mit 1:3 gegen den 1. FSV Mainz 05 am 21. Spieltag der Bundesliga verloren. In der Liga stehen sie auf Rang 14 mit sechs Punkten Vorsprung auf einen Abstiegsplatz. Die Mannschaft leitet vorerst der einstige Co-Trainer Alexander Nouri.