Hochzeitstraditionen rund um den Globus: Von Kimono und Lehenga bis hin zu Wodka

[Foto: Saori Tanoue/Bureniusz/Denis Butnaru Photography/hocusfocuscaptures]

Es ist Sommer und damit die Zeit für Hitze, Insekten, Grillfeste… und Hochzeiten - und die können von Land zu Land ziemlich verschieden sein.

Wir haben mit vier Bräuten gesprochen, um etwas über die besonderen Hochzeitstraditionen in ihren Ländern zu erfahren:

Japan

Saori betritt mit ihrer Familie den Schrein. [Foto: Saori Tanoue]

Saori Tanoue ist Buchhalterin aus Tokio und wusste schon immer, dass sie traditionell in einem Shinto-Schrein heiraten wollte.

Zuallererst muss man ein geeignetes Datum finden. Japaner sind häufig abergläubisch und das besonders, was derartig wichtige Ereignisse betrifft.

Es gibt einen Prozess namens „Rokuyo“ (sechs Tage), der auf einem System von Glück und Pech basiert und anhand dessen man die besten Tage für eine Hochzeit bestimmt.

“Obwohl wir nicht den Tag bekommen haben, der am meisten Glück bringt, konnten wir immerhin die schlechtesten Tage vermeiden“, erzählte Saori.

Ein Shinto-Priester segnet und reinigt die Familien. [Foto: Saori Tanoue]

“Ich habe mich für eine Hochzeit in einem Schrein entschlossen, weil ich keine Christin bin. Ich wollte schon immer eine Hochzeit in einer Umgebung haben, die mir vertraut ist.

“Außerdem liebe ich die Atmosphäre in einem Schrein und den Shintoglauben “Yaoyorozu no Kami“ (Acht Millionen Götter) - die Vorstellung, dass in allen Dingen auf der Welt Gottheiten existieren. Und ich wollte unbedingt traditionelle japanische Kleidung tragen.

Der “Irouchikake” ist so lang, dass er einen gepolsterten Saum hat. [Foto: Saori Tanoue]

Das Kleidungstück, das sie trägt, hat nicht viel Ähnlichkeit mit einem traditionellen Kimono. Es ist ein “Irouchikake” – eines der förmlichsten Kleidungsstücke in Japan, das nur von Bräuten getragen wird.

Da es aus mehreren Lagen und einem schweren Überwurf besteht, wiegt es insgesamt ungefähr fünf Kilogramm.

Der wichtigste Moment der Hochzeit ist das “San San Kudo“ (drei drei neunmal) – in drei Becher namens “Sakizuku“ wird feierlich dreimal Reiswein eingeschenkt. Dann dürfen Braut und Bräutigam den Becher in drei Schlucken austrinken. Dies soll die Verbindung zwischen den beiden stärken.

Die San San Kudo-Zeremonie. [Foto: Saori Tanoue]

Eine Shinto-Hochzeit ist eine sehr intime Angelegenheit, an der normalerweise nur die engsten Verwandten teilnehmen. Danach kann das Brautpaar allerdings eine Hochzeitsfeier haben, zu der auch Freunde eingeladen werden.

Japanische Hochzeiten fallen in der Regel mit 50 bis 100 Gästen eher klein aus. Soari hatte zu ihrer Hochzeitsfeier insgesamt etwa 80 Gäste geladen.

Eine Hochzeit in Japan kostet im Durchschnitt etwa ¥ 3,575,000 (29.532 Euro).

Polen

Kaja Bronowska in ihrem Brautkleid. [Foto: Bureniusz]

Kaja Bronowska heiratete im Sommer 2017 im Dorf Otomin im Norden Polens.

Obwohl sich polnische Hochzeiten nicht allzu sehr von den in der westlichen Welt üblichen Hochzeiten unterscheiden, gibt es doch einige erwähnenswerte Besonderheiten.

Ein ganz besonderer Brauch ist, dass die Mutter der Braut einen Teller mit Brot, Salz und zwei Gläsern Wodka in der Hand hält und ihre Tochter fragt, wen sie wählt.

Der Brauch mit Brot, Salz und Wodka. [Foto: Bureniusz]

“Das Brot symbolisiert das Leben und das Salz die bevorstehenden Schwierigkeiten. Es soll zeigen, dass das Paar in guten wie in schlechten Zeiten zusammenhalten wird“, erklärte Kaja.

Die Jungvermählten brechen dann ein Stück von dem Brot ab, tauchen es ins Salz, essen es, trinken den Wodka und werfen die Gläser hinter sich. Sie sollen zerbrechen, damit es eine glückliche Ehe wird.

Danach wird gegessen, wobei alle Gäste an einer langen Tafel zusammensitzen.

Die Gäste beim gemeinsamen Essen. [Foto: Bureniusz]

“Das Essen, das serviert wird, ist typisches polnisches Sonntagsessen“, erklärte Kaja. “Fleisch, Kartoffeln und viele Suppen, wie zum Beispiel Borschtsch. Dazu gibt es viel Wodka. Ich musste meinen britischen Freunden sagen, dass sie es nicht übertreiben dürfen.“

Dann folgen bekannte Dinge wie Hochzeitsreden und der erste Hochzeitstanz nach dem Essen. Danach geht die Party erst so richtig los.

Die Hochzeitsgäste feiern ausgelassen auf der Tanzfläche. [Foto: Bureniusz]

Im Laufe der Feierlichkeiten treten Braut und Bräutigam nach vorne und tragen Reden vor, in denen sie ihren Eltern danken und sie mit aufmerksamen Geschenken überraschen.

Kaja erzählte: “Einer der schönsten Momente war für mich, meinen Eltern ein Album mit Kinderfotos von mir und meinem Mann zu geben und ihnen damit für alles zu danken, was sie für mich getan haben.“

Ein anderer Programmpunkt, auf den sich alle freuen, ist der “Tanzwettbewerb“.

Die Gäste stürmen in die erste Reihe, um Braut oder Bräutigam einmal herumzuwirbeln. Aber bevor sie das dürfen, müssen sie erst bezahlen. Allerdings geht es um keine hohen Beträge. Normal sind etwa 1 bis 5 zł (22 Cent bis 1,09 Euro). Gewinner ist der- oder diejenige, der oder die am meisten Geld gesammelt hat.

Das Mädchen mit dem Geldkorb steht rechts. [Foto: Bureniusz]

Selbst das Werfen des Brautstraußes ist in Polen ein bisschen anders.

Die Braut wirft ihn um Mitternacht hinter sich, wonach der Bräutigam seine Fliege von sich wirft. Die beiden Gäste, die die Gegenstände fangen, werden das “ganz neue Brautpaar“ und dürfen miteinander tanzen.

Während der Feier werden Hochzeitsspiele gespielt und Lieder gesungen, die “ziemlich schmalzig sind, aber das muss einfach so sein“, sagt Kaja.

“Es gibt ein ganz besonderes Lied, in dem die Gäste zusammen singen, dass der Wodka bitter ist und dass man ihn nur durch Küsse des Brautpaars verbessern kann, die das Getränk süßer machen sollen.”

Brautstrauß und Fliege werden geworfen. [Foto: Bureniusz]

„Wir haben nur 76 Gäste eingeladen. Normal sind zwischen 60 und 150 Personen. Wir haben außerdem Kosten gespart, indem wir auf dem Land und nicht in der Stadt geheiratet haben. Meine besten Freunde haben die ganze Dekoration selbst gemacht, das Essen war einfach und dann waren da ja auch noch die Geschenke der Gäste.“

Anstelle von Geschenken geben die Gäste dem Brautpaar Geld, und zwar den Betrag, von dem sie annehmen, dass er ihre Kosten für die Feier deckt.

Die Trauung und der Empfang finden tagsüber statt und die Feierlichkeiten dauern meist bis spät in die Nacht an. Am folgenden Tag gibt es eine etwas gemäßigtere Veranstaltung, bei der aber oft auch noch kräftig gefeiert wird – Kaja hatte zum Beispiel eine Grillfeier.

“Wir haben mit der Trauung um halb vier nachmittags begonnen und ich glaube, wir sind um halb sieben am nächsten Morgen ins Bett gegangen.

Insgesamt haben sie etwa 40.000 zł (9.262 Euro) ausgegeben. Kaja sagt, dass dieser Betrag eher gering ist.

Indien

Braut und Bräutigam mit seiner Familie. [Foto: hocusfocuscaptures]

Abhilasha Daga Lakhani (30) ist PR- und Eventberaterin aus Mumbai und heiratete Anfang des Jahres den Börsenhändler Aniruddha Lakhani (31).

Die Ehe wurde zwar arrangiert, aber es war Abhilasha wichtig, mit einigen Irrtümern zu dem Thema aufzuräumen.

“Unsere Familien kannten sich bereits sehr gut, wir waren also keine ganz Fremden. Falls sich herausgestellt hätte, dass wir uns nicht mögen, hätten wir jederzeit das Recht gehabt, das Ganze abzusagen. Sowohl meine Eltern als auch meine Schwiegereltern wollten sichergehen, dass wir auch glücklich sind.“

Der Körper des Bräutigams ist mit Haldi beschmiert. [Foto: hocusfocuscaptures]

Gelbwurz, oder “Haldi” auf Hindi, gilt als etwas ganz Besonderes. Ein ganzes Ritual vor der Trauung ist ihm gewidmet.

Das Gewürz wird mit Wasser, Milch oder Rosenwasser vermischt und zu einer Paste geformt. Vor der Trauung werden die Körper von Braut und Bräutigam damit eingerieben.

Abhilasha und Aniruddha heirateten in Igatprui, einer Stadt und Bergstation, die drei Stunden von Mumbai entfernt liegt. Die gesamte Feier dauerte vier Tage lang an.

Die Familie der Braut versammelt sich um die heilige Flamme. [Foto: hocusfocuscaptures]

Und die Anzahl der Gäste? 500!

“Das sind tatsächlich eher wenig Leute. Mein Bruder hatte bei seiner Hochzeit 1.500 Gäste”, erzählte Abhilasha.

500 Gäste zu bewirten war keine einfache Aufgabe: Eine ganze auf Hochzeiten spezialisierte Cateringfirma mit etwa 80 Köchen und Kellnern arbeitete exklusiv für ihre Feier.

Um den Ort der Hochzeit entsprechend zu schmücken und herzurichten, brauchten sie außerdem mindestens 40 Dekorateure.

Abhilasha mit ihrer Familie. [Foto: hocusfocuscaptures]

“Am Ende war ich total erschöpft. Nicht nur, weil es so viele Bräuche gab, sondern auch, weil die ganze Aussteuer so unglaublich schwer war. Das Kleid alleine wog ungefähr sechs Kilogramm. Und dann kam dazu noch der Schmuck für Körper und Haar.“

Das Brautkleid war eine wunderschöne rote, mit Goldfäden bestickte “Lehenga“. Das ist allerdings nicht das einzige Kleid, das die Braut trägt. Tatsächlich kann sie bis zu sechs oder sieben weitere Kleider für verschiedene Feierlichkeiten und Bräuche parat haben.

Abhilasha trägt eine Hochzeits-Lehenga. [Foto: hocusfocuscaptures]

Ein wichtiger Teil der Zeremonie ist der “Kanyadan“, bei dem der Brautvater die Füße seines Schwiegersohnes mit Milch wäscht und seine Tochter ihrem Ehemann anvertraut.

Da beide Familien in Indien der linguistischen Maheshwari-Marwadi-Minderheit angehören, hatten sie ihre ganz eigenen Bräuche für die Feier.

Der zentrale Brauch ist “Mama Phera”. Hier geht es darum, dass die Braut ihrem Bräutigam Blütenblätter ins Gesicht wirft, während ein Familienmitglied des Bräutigams dessen Gesicht mit einem Schild schützt. Wenn eines der Blütenblätter sein Gesicht berührt, bedeutet das, dass die Braut den dominanten Part in der Ehe spielen wird.

Mama Phera. [Foto: hocusfocuscaptures]

Und zu guter Letzt sind da noch die “Saat Phere“ – eines der wichtigsten Elemente einer Hindu-Hochzeit: Das Brautpaar geht dabei siebenmal um eine heilige Flamme herum und betet bei jeder Runde zu Gott, um um Glück zu bitten und Eide zu schwören, die ihr Leben lang halten sollen.

“Ich habe keine Ahnung, was meine Hochzeit gekostet hat. Die Väter von Braut und Bräutigam zahlen alles“, sagte Abhilasha.

Laut EventsWedo, einer Internetseite zur Planung indischer Hochzeiten, kostet so eine Hochzeit durchschnittlich 3.330.000 INR (43.456 Euro).

Israel

„Wir haben immer davon geträumt, unter dem Sternenhimmel zu heiraten”, erzählte Cara Lever. [Foto: Denis Butnaru Photography]

Kunsttherapeutin Cara und Web-Designer und Toastmaster Josh Lever heirateten in Pardes Hanna, einer Stadt im Norden Israels.

“Es war einfach, sich für eine Hochzeit in Israel zu entscheiden. Mein Mann und ich sind beide jüdisch und spüren eine Verbindung zu dem Land, das eine sehr starke Energie in sich trägt“, sagte Cara.

Drei Nächte vor der Hochzeit gingen Cara und Josh getrennte Wege, um Zeit mit ihren engsten Freunden und Verwandten zu verbringen. Außerdem sollte dadurch die Spannung bis zu dem Moment gesteigert werden, in dem die beiden sich wieder bei ihrer Hochzeit sehen dürfen. Es gilt als gutes Omen, wenn das Paar einander vermisst.

Laut Cara hatten sie eine israelische Hochzeit „im kleinen Kreis“ – mit nur 200 Gästen. Normalerweise kommen zu Hochzeiten in der Region bis zu 600 Gäste.

Der Vertrag wird unterschrieben. [Foto: Denis Butnaru Photography]

Der Tag beginnt mit dem “Tisch”, bei dem die männlichen Freunde des Bräutigams und das Familienoberhaupt als Zeugen beim Unterschreiben der “Ketubba“, dem jüdischen Ehevertrag, anwesend sind. Hier werden die Verpflichtungen der Bräutigams gegenüber der Braut festgehalten.

Danach folgt die “Bedenken“-Zeremonie, bei der der Bräutigam den Schleier der Braut lüftet und sich die beiden zum ersten Mal vor Beginn der Trauung zu sehen bekommen. In der Regel ist das ein eher intimer Brauch, bei dem nur Freunde und Familie anwesend sind. Cara und Josh haben sich aber nicht ganz so streng an diese Tradition gehalten.

“Wir beschlossen, es am Altar zu machen, damit die Gäste an diesem intimen, emotionalen Moment teilhaben konnten. Anstatt meines Vaters allein haben mich meine beiden Eltern zum Altar geführt.“

Der Brautschleier wird gelüftet. [Foto: Denis Butnaru Photography]

Die Trauung findet unter einer “Chuppah”, einem von vier Stangen gehaltenen Baldachin, statt. Caras Cousin Rabbi Yosef Richards traute das Paar.

Darauf folgen die “sieben Kreise“, bei denen Braut und Bräutigam einander umkreisen. Dies symbolisiert die Gleichberechtigung in ihrer Beziehung und das Versprechen, sich aneinander zu binden.

Bei einer traditionellen Hochzeit macht das nur die Braut, aber Cara und Josh wünschten sich eine modernere Version.

“Unser Rabbi riet uns dazu, einander bei jeder der sieben Runden ein stilles Gelübde zu geben. Das war wundervoll und half mir außerdem dabei, beim Zählen der Runden nicht durcheinanderzugeraten“, fügte Cara hinzu.

Braut und Bräutigam trinken anschließend aus einem Becher Wein und symbolisieren damit die lebenslange Treue, die sie einander für die Zukunft versprechen. Der Bräutigam steckt der Braut den Ring an den rechten Zeigefinger, da dieser eine besondere Verbindung direkt zum Herzen haben soll.

Beim Trinken des Weins. [Foto: Denis Butnaru Photography]

Danach folgen die sieben Segen, auch “Shevat Brachot“ genannt, die für Braut und Bräutigam vorgetragen werden.

Um die Zeremonie abzuschließen, zerbricht der Bräutigam ein Glas unter seinem Schuh. Damit erinnert er alle Anwesenden daran, trotz Eheschließung niemals die Zerstörung des Heiligen Tempels in Jerusalem zu vergessen.

Wenn das Glas zerbricht, ist es üblich, dass die Hochzeitsgäste “Mazel tov!“ rufen, um damit dem Brautpaar zu gratulieren und Glück zu wünschen.

Das Zerbrechen des Glases. [Foto: Denis Butnaru Photography]

Nach der Trauung verbringen Braut und Bräutigam die ersten Augenblicke ihrer Ehe allein zusammen, bevor sie sich zu den Gästen gesellen und mit Unmengen von Essen und viel Tanz feiern.

Wenn die Party in vollem Gange ist, ist es Brauch, dass das Paar auf hölzernen Stühlen sitzend in die Luft gehoben wird, während die Gäste um sie herumtanzen. Um miteinander verbunden zu bleiben, halten beide den Rand eines Taschentuches fest.

Das Paar sitzt auf Stühlen und wird in die Luft gehoben. [Foto: Denis Butnaru Photography]

In Israel kann eine Hochzeit im kleinen Kreis £ 10,000 (10.938 Euro) kosten, was die Miete der Räumlichkeiten, Catering und Bar einschließt. Größere Feiern mit Band und Dekorationen können bis zu £ 70,000 (76.565 Euro) ausmachen.

Stephanie Ayako Karaki Harris