Hoeneß dreht nochmal auf: Die letzte Woche beim FC Bayern

Ben Barthmann
freier Sportjournalist

Uli Hoeneß wird am Freitag seine Ämter als Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender des FC Bayern aufgeben und zukünftig als normales Aufsichtsratsmitglied tätig sein. Doch zuvor lässt er es nochmal krachen - und wird auch nach Freitag nicht schweigen.

Uli Hoeneß geht in seine letzte Woche als Boss des FC Bayern. (Bild: Getty Images)

Schon am vergangenen Wochenende machte Hoeneß deutlich, dass er auch wenige Tage vor dem Ende seiner immensen Ära beim FC Bayern nicht an einen stillschweigenden Abschied denkt.

Am Samstag hatte der 67-Jährige im ZDF erst “nichts sagen” wollen, dann machte er doch öffentlich, dass sich mehrere Spieler aus dem aktuellen FCB-Kader gegen Trainer Niko Kovac gestellt hatten. Am Sonntagvormittag dann klingelte er bei Sport1 durch ließ sich in den Doppelpass schalten.

Es folgte eine selten dagewesene Schelte für die anwesenden Experten und ein flammendes Plädoyer für Sportdirektor Hasan Salihamidzic. Am Sonntagnachmittag schließlich legte Hoeneß beim Spiel der Münchner Basketballer nochmals nach und kündigte an, die “Abteilung Attacke” wieder mit neuem Leben füllen zu wollen.

Hoeneß stellt in der letzten Woche noch wichtige Weichen

Auch am Montag wird Hoeneß nicht ruhen. Schon am Sonntag im Doppelpass machte er bekannt, dass sich zum Wochenauftakt der Aufsichtsrat zur Sache Salihamidzic beraten würde. Der bisherige Sportdirektor soll befördert werden.

Hoeneß hat hier nochmals die Chance, entscheidende Weichen zu stellen, bevor er den Klub verlässt. Genauso auch bei der Suche nach einem neuen Cheftrainer, bezüglich derer Hoeneß erst auf Karl-Heinz Rummenigge und Co. verwies, dann aber doch meinte: “Spätestens bis es in den Aufsichtsrat kommt, werde ich auch dabei sein."

Ab Mittwoch schließlich beginnen laut Hoeneß selbst die schlaflosen Tage: Am Freitag steht die Verabschiedung in der Olympiahalle an. Schon jetzt haben sich eine Menge Fans angekündigt, insgesamt wird die Halle mit 10.000 Besuchern wohl wieder bis auf den letzten Platz gefüllt sein.

Seinen Nachfolger hat Hoeneß selbst installiert

Eine Rede bereite er übrigens nicht vor, sagte Hoeneß. Vielmehr stelle er sich der letzten große Ansage als Macher des FC Bayern ohne Vorbereitung. Anschließend wird - mit sehr großer Wahrscheinlichkeit - Herbert Hainer zu seinem Nachfolger gewählt. Auch hier hat Hoeneß die Finger im Spiel, er installierte den ehemaligen adidas-Boss.

“Es ist übrigens eine grandiose Leistung, selbst für seine Nachfolge zu sorgen. Das gibt es in der Politik selten, ebenso in der Wirtschaft. Mit Hainer hat Uli den Richtigen gefunden”, erklärte Aufsichtsrat Edmund Stoiber im Gespräch mit der Abendzeitung.

Somit wird auch die Zeit nach Hoeneß sehr stark geprägt vom vielleicht einflussreichsten Funktionär in der Geschichte des deutschen Fußballs bleiben. Zumal Hoeneß selbst nicht plant, sich einfach zurückzuziehen.

Die Ära Hoeneß ist nicht ganz vorbei - sie wandelt sich nur

Vielmehr kündigte er bereits an, sich “wie eine Glucke” vor den FC Bayern zu stellen, sollte dieser in “unsachliche” Kritik geraten. Da der Begriff “unsachlich” für Hoeneß bekanntlich vielfältig interpretierbar ist, kann sich Fußball-Deutschland auch in Zukunft auf hochemotionale Ansagen gefasst machen.

Als “ein bisschen loslassen, aber doch dabei zu bleiben in der großen Familie des FC Bayern”, beschrieb Stoiber den neuen Weg von Hoeneß. Das ist unbestritten. Gänzlich verschwinden wird Hoeneß nicht von der Bildfläche.