Ein Homöopath hat mir geholfen – trotzdem ist er ein Verbrecher

Maren Urner
Der “Münsteraner Kreis” fordert, die Zusatzbezeichnung “Homöopathie” für Ärzte abzuschaffen.

Die kleinen Pusteln auf meinem Dekolleté waren so schnell gekommen, wie das Eis unter der italienischen Sonne dahinschmolz.

Ob ich während des Roadtrips mit Freunden plötzlich eine Sonnenallergie entwickelt hatte oder der Grund für die juckenden Rötungen ein anderer war, interessierte mich nicht. Ich wollte sie loswerden und den Sommer genießen.

Das Abitur frisch in der Tasche fand ich mich zurück in Deutschland auf einem angenehm gepolsterten Stuhl gegenüber einem Homöopathen wieder.

Eine Stunde sollte ich einplanen für die Erstanamnese, während der ich in einem Zen-Garten beim Plätschern eines Wasserspiels über Kindheitserfahrungen, Speichelfluss und die bevorzugte Temperatur von Getränken ausgefragt wurde.

60 Prozent der Deutschen haben schon einmal Globuli eingenommen

Ich bin mit Globuli groß geworden. Als junge Frau habe ich das “richtige” homöopathische Mittel für meine Leiden identifiziert, indem ich verschiedene Ampullen fest in meiner Hand einschloss und darauf wartete, dass sie ein Kribbeln in meiner Hand auslösten.

14 Jahre später: Beim diesjährigen Ärztetag im Mai forderte der “Münsteraner Kreis” aus 20 Wissenschaftlern, Juristen, Medizinern, Philosophen und Ethikern, die Zusatzbezeichnung “Homöopathie” für Ärzte abzuschaffen.

Initiatorin und Medizinethikerin Bettina Schöne-Seifert begründet das so:

“Wir wollten ausloten, wie ein solidarisches Gesundheitswesen verantwortlich und fair mit dem Clash zwischen gefährlicher Pseudowissenschaft und Selbstbestimmung umgehen sollte.

Um es deutlich zu sagen: Wir wollten den gegenwärtigen Irrsinn nicht länger hinnehmen.” 

7.000 deutsche Ärzte tragen aktuell die Zusatzbezeichnung “Homöopath”. Auch wenn die Verkaufszahlen homöopathischer Präparate im Jahr 2017 leicht sanken, boomt die Homöopathie nach wie vor.

Mehr zum Thema: Forscher erklären, warum Umarmungen so wichtig sind wie Essen und Trinken

Mittlerweile übernehmen zwei...

Weiterlesen auf HuffPost