Impossible Burger: Brauchen Vegetarier wirklich nachgeahmtes Fleisch?

Er heißt zwar “Impossible Burger“, macht Unmögliches aber möglich: Denn dieser Veggie-Burger soll auch Fleischesser überzeugen. Er sieht optisch nämlich nicht nur aus wie ein herkömmlicher Burger mit Rindfleisch, er schmeckt auch angeblich so. Das Highlight: Wenn man hineinbeißt, schimmert der Burger Patty rötlich und blutet wie echtes Fleisch. Doch einen Haken hat der fleischlose Burger trotzdem.

So sieht der “Impossible Burger” aus (Bild: Getty Images)

Was unterscheidet den “Impossible Burger“ eigentlich von anderen Veggie-Burgern und ist er wirklich besser als herkömmliche Burger mit Rindfleisch? Die Gründer von “Impossible Foods“ sind echte Fleischfans und haben eine Mission: “richtig leckeres Fleisch herzustellen, das gut für die Menschen und gut für die Umwelt ist.“ Jahrelang tüftelten die Unternehmer daran, Hackfleisch zu erfinden, das keines ist. Lediglich das Aussehen, der Geruch, die Textur und der Geschmack sollten auch Fleischliebhaber jubeln lassen.

Einen ökonomischen Vorteil hat der “Impossible Burger“ schon mal verglichen mit Fleisch-Burgern. Für die Herstellung werden 95 Prozent weniger landwirtschaftliche Fläche und 74 Prozent weniger Wasser verbraucht. Ebenfalls werden 87 Prozent weniger Treibhausgase produziert. Ein weiteres Plus: Der Veggie-Burger kommt komplett ohne Hormone und Antibiotika aus. Das gilt allerdings auch für die meisten anderen pflanzlichen Burger.

Doch der “Impossible Burger“ soll auch geschmacklich überzeugen. Auf einer Pressekonferenz, auf der das Produkt serviert wurde, sagte eine Journalistin: “Nach dem ersten Bissen fühlte ich mich, als hätte ich meine sechs Jahre andauernde Fleischpause beendet.“ Der Burger Patty sei gut angebraten gewesen und habe einen leicht salzigen und fettigen Geschmack gehabt, den sie nur von Fleisch kannte.

Und auch die Leute im Netz sind verrückt danach. “Der Geschmack hat mich total umgehauen“, “Ich wünschte alle veganen Gerichte wären so gut“ oder “Kein Unterschied zum normalen Burger“ sind nur einige der vielen Kommentare, die der “Impossible Burger“ hervorgerufen hat.

Doch was ist eigentlich drin im “Impossible Burger”?

Wie das Portal “Mic“ berichtet, braucht es für den perfekten Burger elf Zutaten. Dass es sich so anfühlt, als würde man in einen echten Fleischburger hineinbeißen, ist Weizenproteinen zu verdanken. Für den richtigen Fettgehalt sorgt Kokosnussöl, für den Geschmack Kartoffeleiweiß, Sojaproteine und Xanthangummi. Aufgrund der vielen gesättigten Fettsäuren hat der Patty des “Impossible Burgers“ allerdings einen größeren Fettanteil (13 Gramm) als ein Rindlfeisch-Patty (8 Gramm).

Auch sollte man gut darüber nachdenken, womit man das “Fleisch“ des “Impossible Burgers“ paaren möchte, denn es hat mehr Kalorien als Rindfleisch. Ein herkömmlicher Veggie Patty hat nur rund 125, ein Fleisch Patty rund 165 Kalorien, der Patty des “Impossible Burgers“ bringt es auf satte 220 Kalorien. Mit einem Weizenbrötchen, Mayo und Pommes kommt man hier bei einer Mahlzeit also schnell mal auf mehrere hundert Kalorien. Ein Vollkornbrötchen, Gemüse, Avocadomus und Süßkartoffelchips sind hier also die gesündere Alternative.

Was bringt den pflanzlichen Burger Patty eigentlich zum Bluten?

Der magische Bestandteil des Burgers ist allerdings Hämoglobin. Denn das ist für die fleischige Textur des Burgers verantwortlich und sorgt auch dafür, dass es so aussieht, als würde der Patty bluten. Im Interview mit dem “Spiegel“ sagte “Impossible Foods“-Chef Patrick Brown, dass es schwierig sei, das Hämoglobin zu beschaffen: “Am Anfang dachten wir, es lasse sich aus den Wurzelknollen von Soja gewinnen. Doch dann hätten wir wieder sehr viel Soja anbauen müssen. Also haben wir ein Gen aus der Sojapflanze in Hefezellen eingeschleust. Jetzt lassen wir das Hämoglobin von Hefe herstellen, die in Fermentern wächst – ähnlich wie beim Bier brauen.“

Doch brauchen Vegetarier wirklich nachgeahmtes Fleisch, das sogar blutet, oder reicht es ihnen Sojaprodukte zu essen? Yahoo Style hat zwei Vegetarierinnen gefragt, was sie vom “Impossible Burger” halten. “Ich bin kein Fan von ‘realitätsnahen’ Veggie-Produkten und habe auch nie verstanden, warum Tofu auf einmal in Würstchenform verkauft wird. Was soll das denn?“, sagt Vegetarierin Sarah Schneider.

“Ich finde es frustrierender, in eine Wurst zu beißen, die nicht nach Wurst schmeckt als Tofu zu braten, der wie Tofu aussieht.” Vegetarierin sei sie nicht, weil ihr Fleisch nicht schmecke – im Gegenteil. “Von einem saftigen Steak träume ich schon hin und wieder, vor allem nach einer durchzechten Nacht. Allerdings kann der Genuss das unendliche Leid der Tiere für mich nicht aufwiegen”, sagt sie.

Ähnlicher Meinung ist auch Eva Held, ebenfalls Vegetarierin: “Ich esse schon mal ganz gerne vegetarische Würstchen, gerade, wenn man mit Freunden grillt und nicht nur Gemüse zum Drauflegen auf den Grill hat. Allerdings ist es jetzt nicht so, dass ich mir das Zeug regelmäßig hole, so Bombe schmeckt das nämlich nicht.“

Doch was, wenn ein Burger tatsächlich nach Fleisch schmeckt wie der “Impossible Burger“? “Dann schon. Es ist ja eine Alternative und kein Tier müsste mehr sterben“, so Eva. Sarah findet: “Es gibt Studien, wonach es in absehbarer Zeit möglich sein wird, Fleisch ohne Tier zu züchten. Sofern dies auf eine umweltschonende Art und Weise geschieht, wäre das für mich die einzig wahre Alternative.“