In Schottland gibt es Tampons und Binden jetzt umsonst

Ann-Catherin Karg
Freie Journalistin

Frauen in Schottland müssen ab sofort nicht mehr für Menstruationsprodukte bezahlen. An öffentlichen Orten sollen Binden und Tampons künftig kostenlos zur Verfügung stehen. Die Regierung rechnet mit jährlichen Kosten von 24 Millionen Pfund. Schottland ist das erste Land, dass diesen Schritt geht – und damit ein echter Vorreiter in Sachen Gleichberechtigung.

Schottland ist das erste Land, das Menstruationsprodukte kostenlos herstellt. (Bild: Getty Images)

Gerade erst hat die schottische Regierung die ”Period Products (Free Provision) Scotland Bill“ erlassen und damit ein Gesetz, das Schluss macht mit finanzieller Ungerechtigkeit, die allein auf dem Geschlecht basiert. Es sei ”weder gleichberechtigt noch fair“, jemanden aufgrund einer natürlichen Körperfunktion finanziell zu bestrafen, hatte es die Abgeordnete Alison Johnstone während der Debatte formuliert. Ihre Kollegin Monica Lennon sagte, das Gesetz, das mit 112 Abgeordnetenstimmen mit nur einer Enthaltung und ohne Gegenstimme beschlossen wurde, sei ein Signal dafür, ”wie ernst das Parlament die Gleichheit der Geschlechter nimmt.“

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Hygieneartikel sollen an öffentlichen Orten bereit liegen

Künftig sollen Frauen Tampons und Binden an öffentlichen Orten wie Apotheken, Stadtteilzentren und Jugendclubs umsonst bekommen. Die Regierung geht davon aus, dass sie das Programm 24 Millionen Pfund (umgerechnet rund 29 Millionen Euro) pro Jahr kosten wird. Schon seit 2018 waren Menstruationsprodukte an schottischen Schulen und Universitäten kostenlos zu haben.

Andere Länder sind noch lange nicht so weit

Schottland ist weltweit das erste Land, in dem Menstruationsprodukte gar nichts mehr kosten. In anderen Ländern wird bislang lediglich über die Höhe des Mehrwertsteuersatzes diskutiert und in seltenen Fällen, ob man die Mehrwertsteuer in diesem Fall nicht ganz abschaffen könnte. Im Vereinigten Königreich hatte die Regierung schon 2016 angekündigt, die Mehrwertsteuer von 5 Prozent auf Menstruationsprodukte abschaffen zu wollen, was dann aber nicht passierte.

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In Deutschland wurde die entsprechende Steuer erst Anfang 2020 von 19 Prozent auf 7 Prozent gesenkt. Seitdem werden Hygieneartikel für Frauen nicht länger als Luxusgüter eingestuft, sondern als Güter des täglichen Gebrauchs. In der Schweiz dagegen liegt der Steuersatz auf Tampons und Binden bei nur 2,7 Prozent, den Bundes- und Nationalrat aber auf 2,5 Prozent absenken wollen.

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