Indya Moore: Ihre Ohrringe erzählen eine erschütternde Geschichte

Indya Moore zog auf dem roten Teppich der Daily Frontrow Fashion Media Awards nicht nur wegen ihrer Robe von Oscar de la Renta alle Blicke auf sich. Auch ihre Accessoires stachen sofort ins Auge - und erzählten eine erschreckende Geschichte.

Indya Moore bei der Ankunft bei den Fashion Media Awards (Bild: Anna Webber/Getty Images for IMG)

Die Ohrringe der Schauspielerin bestanden aus 16 gerahmten Porträts junger Frauen, das Foto eines weiteren Mädchens war an ihrer Clutch befestigt. Alle sind, wie Moore selbst, schwarze Transfrauen, und alle wurden in diesem Jahr in den USA ermordet.

Die auf der Clutch abgebildete 17-jährige Bailey Reeves wurde Anfang September getötet und ist damit das bisher letzte sowie jüngste bekannte Opfer einer andauernden, von der Öffentlichkeit weitgehend ignorierten Gewaltwelle. Die Nachricht ihres Todes erreichte Moore und Schmuckdesignerin Aree zu spät, um ihr Bild zu den Ohrringen hinzuzufügen.

Nichtweiße Transpersonen sind mehrfacher Diskriminierung ausgesetzt und fallen überdurchschnittlich häufig Gewaltverbrechen zum Opfer. Moore widmete ihnen auch ihre Ansprache, als sie den Preis für das Cover des Jahres (als erste Transfrau auf der Titelseite der “Elle”) entgegennahm.

“An diesem Tag, an dem ich für meine Sichtbarkeit gefeiert werde, habe ich entschieden, sie mitzunehmen, ich trage sie an als Ohrringe an meinen Ohren”, sagte Moore. “Genau wie ich haben diese Frauen gewagt, ihr Recht auf Leben auszuüben, indem sie sich sichtbar machen. Doch anstatt dafür gefeiert zu werden, wurden sie bestraft.”

“Während wir nur 0,6 Prozent der amerikanischen Bevölkerung ausmachen, liegt die Lebenserwartung von Transfrauen und Femmes bei 35 Jahren. Das bedeutet, dass ich womöglich nicht älter als 35 werde, aus dem einzigen Grund, dass ich schwarz und trans bin. Eine Existenz, die Mut erfordert, ist keine Freiheit. Ich nehme diese Auszeichung an im Wissen um die Wahrheit, dass der beste Preis, den wir alle verdienen, der ist, sicher nach Hause zu kommen.”

Indya Moore zeigt während ihrer Ansprache das Porträt der ermordeten Bailey Reeves (Bild: Brian Ach/Getty Images for Daily Front Row, Inc.)

Für ihre Rede erntete Moore Standing Ovations, im Rückblick wird sie als emotionaler Höhepunkt des Events gewürdigt. Bleibt zu hoffen, dass es nicht dabei belassen wird und die versammelte Mode- und Medienprominenz auch ihre Schlussworte beherzigt: “Ich nehme diese Auszeichnung im Vertrauen darauf an, dass meine Anerkennung nicht dazu führt, dass andere Trans- und nichtbinäre Personen ausgeblendet werden, die ebenfalls eine Gesundheitsversorgung, eine Wohnung, Sicherheit und Sichtbarkeit verdienen.”